Weltcup: Jetzt startet das Frauen-Skispringen

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Ulrike Gräßler (r.) ist die bekannteste deutsche Skispringerin

Lillehammer - Für das Frauen-Skispringen beginnt am Samstag eine neue Zeitrechnung. Bei der Weltcup-Premiere in Lillehammer gehen für den DSV gleich mehrere aussichtsreiche Kandidatinnen vom Bakken.

Die „fliegende Gräfin“ machte den Anfang: Mit „langem Rock und in tadelloser Haltung“ sprang Paula von Lamberg 1911 in Kitzbühel auf beachtliche 22 Meter - und wurde damit zur Pionierin des Frauen-Skispringens. Bis zur endgültigen Gleichberechtigung sollte es jedoch noch 100 Jahre dauern. Mit der lang ersehnten Weltcup-Premiere beginnt am Samstag eine neue Ära für die weiblichen Weitenjäger.

„Das ist ein großer und auch wichtiger Schritt für unseren Sport“, sagte Melanie Faißt vor dem Saisonstart. Die 21-Jährige aus Baiersbronn gehört zum relativ kleinen Kreis der Weltspitze, der sich in Lillehammer Hoffnungen auf den historischen ersten Sieg machen darf. Die Bühne könnte größer kaum sein: Frauen und Männer wechseln sich am Samstag auf der Olympiaschanze von 1994 mit ihren Durchgängen ab, viele TV-Sender übertragen live.

Einen Seitenblick riskieren werden dann auch die DSV-Adler um Severin Freund. „Wir beobachten das aufmerksam“, sagte der 23-Jährige. Freund hält sogar einen Boom für möglich, derzeit allerdings sei die Leistungsdichte noch nicht groß genug. „Zudem ist die Sportart noch zu jung. Daher war es auch nicht falsch, dass es mit WM und Olympia etwas länger gedauert hat“, sagte Freund.

Deutschlands wohl bekannteste Skispringerin Ulrike Gräßler fiebert dem Start schon seit Wochen entgegen. „Der Weltcup ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung unserer Sportart. Auch wenn sich bei den Abläufen nicht viel ändert“, sagte die Klingenthalerin, die mit 24 Jahren schon zu den erfahrenen Springerinnen gehört. Gräßler hat den Aufschwung ihres Sports fast komplett miterlebt: Die Einführung des Continental-Cups 2004, die WM-Premiere 2009, die Aufnahme ins olympische Programm ab 2014. Mit der Weltcup-Einführung folgt nun der letzte Schritt.

Gute Chancen dürfen sich nicht zuletzt die deutschen Starterinnen ausrechnen. „Wir sind mit vier bis fünf Mädchen unter den Top 15 vertreten“, glaubt Bundestrainer Andreas Bauer. Neben Faißt und Gräßler gelten die WM-Teilnehmerinnen Anna Häfele (Willingen) und Juliane Seyfarth (Ruhla) als Kandidatinnen für vordere Plätze. Größter Star ist aber - natürlich - eine Österreicherin: Daniela Iraschko, 28, amtierende Weltmeisterin und ganz nebenbei Torhüterin des Frauen-Erstligisten Wacker Innsbruck.

14 Einzel-Weltcups gibt es in der ersten Saison, darunter die Wettbewerbe in Schonach (6.1.) und Hinterzarten (8.1.). Gesprungen wird nur von Kleinschanzen - obwohl die besten Frauen ohne Probleme auch die großen Anlagen meistern. Und dabei auf ähnliche Weiten kommen wie die Männer. „Mit vier Metern mehr Anlauf können Frauen die gleichen Ergebnisse erzielen“, sagt Bundestrainer Bauer.

Doch zunächst geht es nicht um Weiten, sondern um Anerkennung. Und darum, aus dem Weltcup einen langfristigen Erfolg zu machen. Einen Erfolg, der Pionierin Paula von Lamberg nicht vergönnt war. Die abenteuerlustige Gräfin starb 1927 mit nur 39 Jahren - bei einem Autorennen.

sid

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