Wehmut bei Magdalena Neuners Riesen-Abschiedsparty

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Die Biathletin Magdalena Neuner steht am Freitag in ihrer Heimatgemeinde Wallgau während eines Empfangs auf der Bühne neben dem Bürgermeister, Hansjörg Zahler.

Wallgau - Empfänge am Saisonende hat Magdalena Neuner (25) in ihrem Heimatdorf Wallgau oft erlebt. Diesmal war es anders. Diesmal wurde zu Ehren der Ausnahme-Biathletin eine Abschiedspartiy gegeben.

Es war kurz vor 18.00 Uhr, da griff Magdalena Neuner zum Taschentuch. Allerdings nicht aus Rührung, sondern wegen der nasskalten Witterung bei Nieselregen und mageren fünf Grad. Die Nachwirkungen einer starken Erkältung, die sie zuletzt geplagt hatte, machten sich bemerkbar. “Schade, dass nicht die Sonne scheint“, sagte der Biathlon-Star vor mehr als 2000 Fans, “aber bei dem tollen Publikum hier heizen wir den Dorfplatz auch so auf.“

Die Mitte ihres oberbayerischen Heimatdorfes Wallgau (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) war am Freitagabend Schauplatz der großen Magdalena-Neuner-Abschiedssause. Die zweimalige Sportlerin des Jahres hatte am 6. Dezember 2011 überraschend ihren Rücktritt erklärt.

Noch einmal zog die Blaskapelle ihres Vaters Paul durch die Straßen, noch einmal zeigten die Ortsvereine, vom Skiclub bis zum Holzhackerverein, stolz ihre Flaggen. Noch einmal wurden an Souvenirständen Fanschals, Mützen, Kaffeetassen verkauft, und wohl zum letzten Mal ertönten “Lena, Lena“-Sprechchöre. Es war wie immer in den vergangenen Jahren, wenn die Ausnahmeathletin nach einer Saison in ihrem Heimatort für ihre Erfolge geehrt wurde. Diesmal war es nach ihrem letzten Start vor drei Wochen wohl der letzte Empfang.

Magdalena Neuners Riesen-Abschiedsfest

Magdalena Neuners Riesen-Abschiedsfest

Treue Fans aus ganz Deutschland hatten seit dem späten Vormittag ausgeharrt. Auch die Polizei zeigte Präsenz, Beamte in Uniform und Zivil sicherten selbst die Pressekonferenz im “Haus des Gastes“. In einem im “Münchner Merkur“ (Freitag) erschienenen Interview hatte die 25-Jährige erstmals von einer Morddrohung berichtet, die sie während der WM in Ruhpolding erhalten hatte..

Bei ihrer Abschiedsparty plauderte die zwölfmalige Weltmeisterin lieber über die ersten Erfahrungen im Leben nach dem Leistungssport: “Ich bin noch gar nicht so richtig zum Durchschnaufen gekommen. Aber das Schönste ist einfach, in der Früh aufzuwachen und zu sagen: Hey, mal sehen, was der Tag bringt“, verriet sie. “Ich muss nicht mehr Angst haben, dass um sechs Uhr morgens schon die Dopingkontrolle vor der Tür steht. Der Sport ist immer weiter weg, für mich geht jetzt eine neue Zeit los.“

Sichtlich gerührt nahm “Gold-Lena“ die Ankündigung von Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) auf, einen Panoramaweg auf den Wallgauer Hausberg Krepelschrofen ihr zu Ehren in “Magdalena-Neuner-Wanderweg“ umzubenennen: “Dass der Weg nun nach mir benannt wird, das macht mich sprachlos.“

Von Florian Kinast

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