"Beine hatten nicht mehr genügend Kraft"

Vonn fühlt sich wieder "strong" und "happy"

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Ein aktuelles Foto: Lindsey Vonn am Donnerstag

St. Anton - Lindsey Vonn ist zurück im alpinen Ski-Weltcup. Der Grund für ihre Pause eröffnete Raum für Spekulationen, sie selbst betont, sie sei wieder gut drauf und glücklich.

Vier Fragen waren es, die fünfte konnte Lindsey Vonn schon nicht mehr beantworten. Der Pressesprecher des Verbandes zog die Amerikanerin weg, hätte ja sein können, dass es ein wenig zu indiskret werden würde. Die vier Antworten jedenfalls bestanden zu einem großen Teil aus den Worten „happy“ und „strong“, damit wollte Lindsey Vonn vor den zwei Weltcup-Rennen am Wochenende in St. Anton in Österreich versichern: Ja, die Pause hat gut getan, es geht mir gut, ich bin glücklich, ich bin wieder fit.

Mitte Dezember war Lindsey Vonn von einem Tag auf den anderen abgetaucht. Erst erschien ein lange vorher geführtes Interview, in dem sie von psychischen Problemen erzählte und einräumte, sie nehme Antidepressiva. Am Tag, als die Aussagen publik wurden, stürzte sie in der Abfahrt von Val d'Isere - das war ihr sechs Jahre lang nicht mehr passiert. Einen Tag später schied sie im ersten Durchgang des Riesenslaloms in Courchevel aus. Danach packte sie ihre Koffer und ward erst mal nicht mehr gesehen. Es war der 15. Dezember 2012.

Nun stand Lindsey Vonn in St. Anton am Fuße der Strecke „Karl Schranz“, die selbst für die beste Abfahrerin der Welt ein ziemlich heftiger Ritt ist, und bemühte sich um einen entspannten Blick: Nur Rang 24 hatte sie im ersten Trainingslauf belegt - die zweite Fahrt am Freitag wurde abgesagt, Schneefall. „Nach meiner Darmerkrankung im November“, berichtete die viermalige Gesamtweltcupgewinnerin und Abfahrts-Olympiasiegerin von 2010, „hatten meine Beine einfach nicht mehr genügend Kraft.“ Deshalb die Pause ab Mitte Dezember.

Die erwähnte Darmerkrankung hatte zu einem von Spekulationen begleiteten Klinik-Aufenthalt geführt. Eine knappe Woche war die 28-Jährige im November in einem Krankenhaus in Vail/Colorado gewesen. Das Bemerkenswerte: Kaum stand sie wieder auf Ski, gewann sie gleich drei Rennen in Serie, im kanadischen Lake Louise, bekanntlich ihre Lieblingsstrecke. Nur zwei Wochen später folgte dann die Pause. „Es gibt Momente, da muss man auf seinen Körper hören. Das habe ich getan. Diese Pause war enorm wichtig“, sagte Vonn.

Es gibt ein paar kleine Ungereimtheiten. Vonn sagte, sie habe durch ihre Erkrankung „sechs Pfund“ an Gewicht verloren, also knapp drei Kilo. Bei Alex Hödlmoser, dem österreichischen Cheftrainer der US-Ski-Damen, schwanken die Angaben - zwischen sechs und acht Kilo. Eines jedoch, das betont Hödlmoser in St. Anton, sei ganz wichtig: „Lindseys Pause hat nichts, gar nichts mit dem Thema Depressionen zu tun. Es ging nur darum, dass sie sich körperlich komplett erholt. ` Und das soll geschehen sein.

Im neuen Jahr hat Lindsey Vonn unter anderem in Hinterreit bei Maria Alm im Salzburger Land trainiert. Dort gibt es zwei Lifte an einem Hang, alles gehört dem Bergbauern Peter Hörl. Keiner, der dort nicht trainiert auf dieser Piste, der Ort ist zugleich eine Art Schutzzone für die Ski-Stars, Hörls Mutter kocht. Vonn war drei Tage dort, und sie habe ihm schon wieder besser gefallen, berichtete Hörl. Auch über die Scheidung von Ehemann Thomas hätten sie geredet, `aber das ist privat“, sagte er.

Auch Hödlmoser weiß angeblich nicht, wie fit Vonn derzeit wirklich ist, „aber ich weiß“, sagt er in St. Anton, „wie sehr sie sich darauf freut, wieder mitzufahren, und das bei deutlich besserer Physis.“ Und Vonn? Sie sagt, nach der Krankheit im November sei ihr Leben ein bisschen durcheinandergekommen, nun sei sie wieder bereit, Rennen zu fahren. Sie fühle sich wieder „strong“. Und sie sei sehr „happy“, die anderen Mädchen wieder zu sehen. Dann wurde sie erst mal weggezogen.

sid

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