Voigt: Von Doping "nie gehört"

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Jens Voigt

Berlin - Der dienstälteste Radprofi Jens Voigt kommt in Bedrängnis. Frühere Kollegen nehmen ihm seine oft propagierte Doping-Ahnungslosigkeit nicht ab.

Der neben Tony Martin beliebteste deutsche Berufsradfahrer unterstrich erneut, niemals in Doping-Aktivitäten verstrickt gewesen zu sein.

Der in Berlin lebende Mecklenburger sprach von „inneren Zirkeln“, in dem offensichtlich über Doping geredet worden sei. Dazu hätte er „nie gehört“, sagte Voigt am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa und widersprach damit Ex-Profi Tyler Hamilton. Dieser hatte den 41-Jährigen zumindest der Mitwisserschaft bezichtigt.

Auch der dopinggeständige Jörg Jaksche glaubt Voigt dessen Unschuldsbeteuerungen nicht. Beide fuhren 2004 unter dem umstrittenen dänischen Sportchef Bjarne Riis gemeinsam beim Team CSC.

„Wer bei CSC nicht mitbekommen hat, dass andere Fahrer - inklusive mir - gedopt haben, dem kann ich nicht glauben“, sagte Jaksche in der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag). „Zufälligerweise war Voigt immer bei den Teams mit den zweifelhaftesten sportlichen Leitern“, sagte der Ex-Profi aus Ansbach. Sein ehemaliger Teamkollege Voigt fuhr von 2004 bis 2010 unter der Regie von Riis, danach wechselte er zum inzwischen geschassten Armstrong-Mentor Johan Bruyneel. Dort verlängerte Voigt im August noch einmal bis 2013. Im kommenden Jahr will der Unverwüstliche seine 16. Tour de France bestreiten.

Der ehemalige belgische Teamchef soll neben Armstrong nach den Ermittlungsergebnissen der US-Anti-Doping-Agentur USADA Kopf des in verschiedenen Teams installierten Dopingsystems gewesen sein. Bruyneel droht eine lebenslange Sperre, wie sie Armstrong zusätzlich zur Aberkennung seiner sieben Toursiege bereits kassiert hat. Ob jetzt auch Riis fällt, dem Hamilton vorwarf, in seinem Team „alles über Doping““ gewusst zu haben, könne Voigt nach eigenen Worten „nicht beurteilen“.

Hamilton, Kronzeuge gegen Armstrong im 1000-seitigen USADA-Dossier, hatte erklärt, er glaube „absolut“, dass Voigt selber gedopt habe. Ihm lägen aber keine direkten Beweise vor. Neben massiven Vorwürfen gegen Riis hatte er Voigt am Montag in der dänischen Zeitung „B.T.“ vorgeworfen, Ex-Kollegen wie ihm beim Versuch der Doping-Aufklärung in den Rücken zu fallen. „Er spuckt mir damit ins Gesicht“, hatte Hamilton über Voigt geklagt.

„Man müsste mit Scheuklappen herumgelaufen sein, wenn man in einer Karriere über 15 Jahre nie etwas gehört oder gesehen haben will. Er kennt jeden im Feld und da wurde über Doping geredet“, erklärte Hamilton, der nach jahrelangem Leugnen eigenes Doping gestanden hatte und kürzlich ein aufrüttelndes „Aufklärungsbuch“ mit dem Titel „The Secret Race“ veröffentlichte. Sein Olympiasieg im Zeitfahren von 2004 in Athen war Hamilton im August in London aberkannt worden.

Voigt bekräftigte noch einmal, nie gedopt zu haben oder in seinen Mannschaften direkt etwas damit zu tun gehabt zu haben. „Wenn Hamilton von quasi alltäglichen Gesprächen unter Fahrern über Doping berichtet, muss es in den Teams wohl innere Zirkel gegeben haben, in denen das besprochen wurde. Ich gehörte nie dazu“, erklärte Voigt und betonte, „nie zusammen mit Hamilton“ in einem Team gefahren zu sein. Hamilton wechselte 2003 zu Phonak in die Schweiz. Ein Jahr später stieß Voigt zur dänischen Formation, in der laut Jaksche und Hamilton Doping unter Riis-Regie an der Tagesordnung war.

Voigt bemühte immer große Worte, wenn er ehemalige Teamkollegen und „Freunde“ öffentlich wegen Dopings verurteilte. „Er gehört auf den Scheiterhaufen“, hatte sich Voigt über seinen damaligen Mannschafts-Kollegen Ivan Basso erregt, als 2006 die Verbindungen des Italieners zum Dopingarzt Eufemiano Fuentes bekanntgeworden waren.

Zu Voigts These von der eigenen weißen Weste passt aus seiner Sicht, dass er als nahezu einziger namhafter deutscher Profi der Generation Jan Ullrich, Erik Zabel, Jörg Jaksche, Andreas Klöden oder Danilo Hondo niemals in einen Dopingfall verwickelt war.

dpa

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