Viel Gegenwind für Handball-Bundestrainer

"Martin Heuberger muss weg"

+
Handball-Bundestrainer Martin Heuberger soll zurücktreten.

Hamburg - Nach der verpassten EM-Qualifikation der deutschen Handballer gehen die Diskussionen um Bundestrainer Martin Heuberger weiter. Experten fordern seine Ablösung.

Die Nationalmannschaft liegt am Boden, die Verbandsspitze ist handlungsunfähig, und der Trainer steht im Kreuzfeuer der Kritik: Nach dem historischen Scheitern der deutschen Handballer in der Qualifikation für die EM 2014 in Dänemark fordern immer mehr Experten den Rücktritt von Martin Heuberger. Der Deutsche Handballbund (DHB) stärkte dem Bundestrainer allerdings den Rücken.

„Das DHB-Präsidium sieht auch nach der nicht erreichten Qualifikation in keiner Weise ein Trainerproblem und ist weiter von der Arbeit des Bundestrainers Martin Heuberger überzeugt. Wir stehen zu unserer im Sommer 2011 getroffenen Personalentscheidung. Dies stellen wir unabhängig vom Ende September bevorstehenden Bundestag fest“, hieß es in einer Erklärung des Verbandes.

Doch es werden immer mehr Stimmen laut, die Heubergers Ablösung fordern. „Er muss weg, ich frage mich schon die ganze Zeit, warum er Trainer der deutschen Nationalmannschaft ist“, sagte der frühere Weltmeistertrainer Vlado Stenzel dem SID. Der 79-Jährige ist für scharfzüngige Kritik bekannt, steht in der Sache aber nicht alleine da. Auch Stefan Kretzschmar fordert eine schonungslose Aufarbeitung der Rolle Heubergers.

„Er ist nicht der Alleinschuldige. Aber die Nationalmannschaft hat jetzt zweimal versagt, als es darauf ankam. Da muss sich auch der Bundestrainer fragen lassen, ob er noch der Richtige ist“, sagte der Ex-Nationalspieler der Tageszeitung Die Welt.

„Wir müssen analysieren, warum wir gescheitert sind und was man in Zukunft besser machen muss“, sagte der frühere Welthandballer Daniel Stephan dem SID: „Die Frage stelle ich seit einiger Zeit: Wer bringt Normalform in der Nationalmannschaft, wer hat gegen Montenegro seine Leistung gebracht? Sicherlich muss man auch diskutieren, ob der Trainer noch der richtige Mann ist. Dies sollte intern und ergebnisoffen geschehen.“

Doch der DHB hat noch ein anderes Problem. Präsident Ulrich Strombach und Vize Horst Bredemeier treten im September ab. Der designierte Präsident Bernhard Bauer und Bob Hanning als sein Vize können erst nach ihrer Wahl beim Bundestag in Düsseldorf in drei Monaten aktiv werden.

„Wir sind am Boden. Und was machen die Verantwortlichen? Die fahren jetzt erst mal in den Urlaub und setzen sich vermutlich erst im August zusammen, um über Konsequenzen aus dem Debakel zu beraten“, sagte Kretzschmar: „Die Motivation der Verantwortlichen, jetzt noch unangenehme Entscheidungen zu treffen, tendiert doch gen Null. Das ist eine unerträgliche Situation und zeigt, wie mies die Außendarstellung des Verbandes derzeit ist.“

Hanning, der als künftiger starker Mann beim DHB gilt, will das Machtvakuum schnell schließen: „Bernhard Bauers Schattenkabinett wird bald in Berlin zusammenkommen. Wir wollen dann die Analyse mit Martin Heuberger machen“, sagte der Geschäftsführer der Füchse Berlin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der 45-Jährige kündigte an, die Situation in allen Einzelheiten aufzuarbeiten und nicht alles an Heuberger, der seit 2011 für die DHB-Auswahl verantwortlich ist und noch einen Vertrag bis 2014 besitzt, festzumachen. „Bei einem Trainerwechsel können alle Beteiligten sagen: So, jetzt haben wir etwas unternommen - und dann geht es weiter wie vorher. Das ist mir zu billig.“

Heuberger selbst gibt sich realistisch. „Ich muss mich den Dingen jetzt natürlich stellen“, sagte der Bundestrainer, betonte aber, er habe das Gefühl, dass die Diskussionen nun „in die richtige Richtung“ gehen. Seine Spieler um Kapitän Oliver Roggisch hatten sich nach dem endgültigen Aus demonstrativ hinter ihn gestellt - obwohl sie unter Heuberger nach Olympia 2012 bereits das zweite große Turnier verpasst haben.

Die verpasste Qualifikation für die EM könnte auch zur Absage des Supercups (1. bis 3. November) mit Schweden, Polen und Ägypten führen. An diesem Wochenende ist aber schon die Vorqualifikation für die WM 2015 angesetzt. Die deutschen Handballer müssen diese Vorqualifikation spielen, um die WM-Playoffs gegen einen EM-Teilnehmer zu erreichen.

sid

Kommentare