Vierschanzentournee: Zwei DSV-Adler greifen an

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Richard Freitag und Severin Freund sind die neuen Hoffnungen der DSV-Adler für die diesjährige Vierschanzentournee.

Oberstdorf - Zwei Mitfavoriten und ein erfolgshungriger Trainer: Nach mageren Jahren wollen die deutschen Skispringer bei der Vierschanzentournee wieder ein Wörtchen mitreden. Nur ein Oldie bereitet Sorgen.

Zwei deutsche Mitfavoriten, nervöse Rivalen aus Österreich und eine riesige Euphorie bei den Fans: Wenn am Donnerstag in Oberstdorf die 60. Vierschanzentournee beginnt, erinnern die Vorzeichen an die ganz großen Tage des deutschen Skispringens. Siegchancen inklusive. „Richard Freitag und Severin Freund können alle Springer der Welt schlagen, nicht nur die Österreicher“, sagt Bundestrainer Werner Schuster nach zuletzt mageren Jahren und verspricht: „Wir wollen ein gewichtiges Wörtchen mitreden.“

Zehn Jahre ist Sven Hannawalds legendärer Vierfach-Triumph inzwischen her, es war der bisher letzte deutsche Gesamtsieg. Doch seit Freitags erstem Erfolg in Harrachov Anfang Dezember ist die lange vermisste Euphorie wieder da, Tickets für Oberstdorf und Garmisch waren begehrt wie selten. „Deutschland ist hungrig auf Skispringen“, sagt Schuster, der beim Saisonhöhepunkt „in jedem Wettbewerb um einen Podestplatz kämpfen will“. Schon ein Einzelsieg wäre „riesig“. Den letzten gab es am 29. Dezember 2002 in Oberstdorf, ebenfalls durch Hannawald.

Freitag und Freund stapeln gerade wegen der hohen Erwartungen lieber tief. „Um ganz nach vorne zu kommen, muss einfach alles zusammenpassen“, sagt der erst 20 Jahre alte Freitag. Die Millionen-Prämie für vier Siege erwähnt der Shootingstar aus Aue erst gar nicht - und gibt bescheiden die Top 10 als Ziel aus: „Auch wenn sich die Ausgangssituation deutlich von meinen bisherigen Tourneen unterscheidet.“ Auch Schuster sieht seinen derzeitigen Vorflieger „noch nicht fertig in seiner Entwicklung. Er ist noch nicht wie ein Uhrwerk.“

Die Chancen auf eine vordere Platzierung sind dennoch gut wie lange nicht. Anders als in den vergangenen Jahren gibt es keinen echten Tournee-Favoriten, Weltcup-Spitzenreiter Andreas Kofler zeigte ebenso wie Titelverteidiger Thomas Morgenstern oder Weltmeister Gregor Schlierenzauer (alle Österreich) noch keine konstanten Leistungen. Der Norweger Anders Bardal, der wie Freitag mit einem überraschenden Weltcup-Sieg in die Phalanx der Austria-Adler einbrechen konnte, und der Schweizer Simon Ammann dürfen ebenfalls nach oben schielen.

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Die siegverwöhnten Österreicher wissen um die gute Form insbesondere ihrer nördlichen Nachbarn. „Die Deutschen machen einen sehr guten Job. Sie sind knapp dran, davor ziehe ich meinen Hut“, sagt Kofler, auch Cheftrainer Alexander Pointner lobt immer wieder seinen Kollegen und Landsmann Schuster. Und stichelt dann doch ein wenig: „Ich glaube nicht, dass die Deutschen auf den Kampf um den Gesamtsieg mental auch nur im Entferntesten so gut vorbereitet sind wie wir.“

Auf Augenhöhe sehen sich die DSV-Adler vor der einst als Länderkampf konzipierten Traditionsveranstaltung denn auch nicht. „Natürlich würden wir die Österreicher gerne ärgern. Aber da sind wir im Moment noch nicht“, sagt Severin Freund, der ebenfalls als heißer Kandidat gilt. Und diese Rolle auch gerne annimmt. „Mit dem Status, zum erweiterten Kreis der Favoriten zu zählen, komme ich gut klar. Natürlich wäre ich gern dabei, wenn es fürs Podium reicht“, sagt der 23-Jährige aus Rastbüchl, der schon zwei Weltcup-Siege auf dem Konto hat.

Nur vom Podest träumen kann derweil Martin Schmitt. Vor seiner 16. Tournee sucht der Altmeister noch immer seine Form, zuletzt nahm ihn Schuster sogar aus dem Team. Gut möglich, dass der 33-Jährige nach den Springen in Deutschland wieder aus dem Kader fliegt. „Wir treten mit zwölf Springern in Oberstdorf und Garmisch an. Danach werden wir entscheiden, welche sechs mit zu den nächsten Springen kommen“, sagt Schuster.

Schmitt nimmts gelassen - und will die Tournee, die seine letzte werden könnte, vom ersten Moment an genießen. „Die Faszination ist ungebrochen, die Stimmung in den Stadien ist fantastisch“, sagt der Schwarzwälder, der sich „bestmöglich präsentieren“ will. Für ganz nach vorne reicht das aber wohl nicht mehr. Dort hat sich zum Glück für das deutsche Skispringen der Nachwuchs breit gemacht. Fast so wie früher.

sid

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