Meer und Moneten

Hambüchen und Nguyen mit neuem Leben

+
Marcel Nguyen (l.) und Fabian Hambüchen posieren mit ihren Medaillen

London - Das Leben der deutschen Medaillengewinner Marcel Nguyen und Fabian Hambüchen wird sich schon kurz nach den Turn-Triumphen ziemlich ändern. Es winken Meer und Moneten. 

Viel Zeit zur Erholung bleibt den deutschen Vorturnern nach ihrem aufregenden London-Abenteuer nicht. Nach dem grandiosen Doppel-Silber bei Olympia wird sich für Fabian Hambüchen und Marcel Nguyen das Leben gravierend ändern. Der elegante Reck-Artist gibt seine Wohnung in Wetzlar auf und beginnt ein Studium für Sport und Kommunikation an der Sporthochschule Köln. Auf den smarten Barren-Spezialisten aus Unterhaching kommt ein Riesenstress durch zahlreiche Sponsoren-Anfragen selbst aus Asien zu.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Hambüchen sehnte sich nach dem Interview-Marathon erstmal nach ein bisschen Ruhe. “Ich freue mich, mit meiner Freundin Caroline auf der MS Deutschland nach Hause zu schippern“, meinte der Hesse, der den Silber-Tag im Kreise der Familie genoss. Bis zur Rückreise auf dem Kreuzfahrtschiff möchte er die Sehenswürdigkeiten der britischen Hauptstadt bewundern und unbedingt die Staffeln in der Leichtathletik anschauen.

Seinen Lebensmittelpunkt wird Hambüchen künftig an den Rhein verlegen. “Ich werde versuchen, dreimal in der Woche bei ihm zu sein. Wenn er es so will, gibt's keine Abstriche am Trainingspensum“, erklärte sein Vater Wolfgang zu den Veränderungen im Leben seines Sohnes. “Das ist sein letzter Schritt in die Selbstständigkeit.“ Am Mittwoch beschwerte sich sein Sprössling im Deutschen Haus erneut, dass es nicht gelungen sei, seinem Vater eine Akkreditierung zu verschaffen. “Das muss sich in Zukunft ändern“, forderte Hambüchen Junior.

Angesprochen auf die Zukunft des Turnens in Deutschland, blieb er skeptisch. Man spreche vom “goldenen Jahrgang 1987“, dem er wie Nguyen und Philipp Boy angehöre, aber was danach kommt, sei nicht so toll. “Da müsste sich in Deutschland einiges ändern“, kritisierte er. Hambüchen stand in der North Greenwich Arena dicht davor, den größten Erfolg seit Andreas Wecker zu feiern, der durch sein Gold bei den Atlanta-Spielen 1996 für den bislang wichtigsten Erfolg der Deutschen am Königsgerät gesorgt hatte. Nach Bronze in Peking und Silber in London scherzte Hambüchen in der Stunde seines großen Triumphs sogar vom Olympiasieg 2016 in Rio. Der ehemalige Reck-König Eberhard Gienger war angetan: “Tolle Leistung, tolle Übung“, schwärmte der Bundestagsabgeordnete, “die deutschen Turner sind wieder ganz oben in der Weltelite.“

Marcel Mink Phuc Long Nguyen hat einen erheblichen Anteil an dieser Renaissance. Auch für den Stabsgefreiten der Bundeswehr-Sportkompanie wird nichts mehr so sein wie zuvor. “Wir werden dafür sorgen, dass er jetzt nicht abhebt und seine Ziele aus den Augen verliert“, versicherte Trainer Waleri Belenki. Während sein Schützling auf Ibiza gemeinsam mit Philipp Boy und ihren Freundinnen entspannt, geht für Manager Jörg Neblung die Arbeit erst so richtig los. “Marcel ist als smarter Typ interessant. Wir haben schon mehr Absagen erteilt als Zusagen. Aber eines ist sicher: Wir müssen ihn jetzt mit Sponsoren-Terminen ein wenig stressen, um das Eisen zu schmieden, so lange es heiß ist“, sagte der Kölner und sprach von einer gravierenden “Transporter-Funktion“ der Silbermedaillen im Mehrkampf und am Barren.

Beim Hype im Netz hat Marcel Nguyen schon jetzt klar die Nase vorn. Die Zahl seiner Facebook-Freunde stieg in den Tagen von London von 3000 auf sagenhafte 175 000. Zum Vergleich: Hambüchens Seite, auf die er noch am Abend sein Lächeln mit der Silberplakette präsentierte, hat nur 17 000 “Follower“.

“Das ist unglaublich. So weit ich weiß, haben nur Sebastian Vettel und Dirk Nowitzki höhere Zahlen, wenn man die Fußballer mal außen vor lässt“, behauptete Neblung. Vor allem in Asien sei Nguyens Anhänger-Zahl riesig, viele Hongkong-Chinesen seien von ihm fasziniert. “Wir haben schon Einladungen zu Kaufhaus-Eröffnungen nach Hongkong und ähnliche Angebote“, erzählte Neblung, der die Hammer-Entscheidung ebenso vor dem Fernseher verfolgte wie Klaus Kärcher, als Manager seit acht Jahren wichtiger Baustein im “System Hambüchen“.

Er sei völlig fertig gewesen, bekannte Kärcher. “Wahnsinn. Aber das Unfassbare ist nicht Silber. Wie Fabi nach drei schweren Verletzungen wieder zurückgekommen gekommen ist und jetzt den Blick auf Rio lenkt, das zeigt seine einsame Klasse“, meinte der Schwabe, der nun auch für seine Vermarktungsstrategie Rückenwind bekommt: “Nicht ein einmaliger Erfolg ist entscheidend, sondern wie er trotz aller Hemmnisse acht Jahre lang in aller Munde geblieben ist.“

dpa

Kommentare