Tour de Lazarett: Fahrer lecken ihre Wunden

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Die Tour de France entwickelt sich zur blutigen Tour der Leiden.

Saint-Flour - Einen Tag nach den Horrorstürzen bei der Tour de France können sich die Teamärzte nicht über mangelnde Arbeit beklagen. Die Verantwortlichen stehen massiv in der Kritik.

Nach der Sturzetappe hatten die Teamärzte am ersten Ruhetag der Tour de France alle Hände voll zu tun. Während es bei den Sturzopfern Johnny Hoogerland und Andreas Klöden grünes Licht gab, war bei Juan Antonio Flecha völlig unklar, ob er das Rennen fortsetzen am Dienstag konnte.

“Er ist in einem fürchterlichen Zustand. Er hat hässliche Wunden an Knien und Ellbogen und außerdem eine Hüftprellung“, sagte Sky-Teamchef Dave Brailsford. Man müsse bis zum Ende des Ruhetages warten, um Genaueres zu sagen. Das gedankenlose Manöver eines Begleitfahzeuges erregte auch am Tag danach die Gemüter.

Flecha war am Sonntag von dem Fahrer des französischen Fernsehens einfach umgefahren worden und hatte Hoogerland förmlich von der Straße geschossen. Minutenlang kämpfte sich der Niederländer verbissen aus einem Stacheldrahtzaun frei.

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

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“Ich bin froh, dass ich noch am Leben bin“, sagte Hoogerland nach der wohl fürchterlichsten Etappe seines Lebens. Sein Teamchef Daan Luickx bestätigte am Montag, dass der Träger des Bergtrikots das Rennen fortsetzen werde: “Er hat Schmerzen, weil seine Schnittwunden genäht werden mussten. Aber es wird weitergehen.“

Tour-Direktor Christian Prudhomme hatte das inakzeptable Verhalten des Fahrers noch am Sonntagabend gerügt und für den Ausschluss des Mannes gesorgt. Favorit Andy Schleck ging das nicht weit genug. “Er sollte für immer ausgeschlossen werden“, sagte der Luxemburger.

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Routinier Jens Voigt machte noch einmal die Dimensionen des Unfalls deutlich: “Da knallt ein Auto von 2.000 Kilo gegen einen Fahrer von 65 Kilo. Das geht einfach nicht, da hat man keine Chance.“ Das französische Fernsehen entschuldigte sich offiziell für den Vorfall. Bereits vor wenigen Tagen war der Däne Nicki Sörensen von einem Begleitmotorrad umgefahren worden.

“Das waren zwei Unfälle zu viel“, sagte Prudhomme. Der Direktor steht allerdings ebenfalls in der Kritik, weil auf der gefährliche Abfahrt vom Col du Pas de Peyrol nicht hinreichend Warnheinweise standen. Der Massensturz auf der Abfahrt hatte das Ende aller Tourträume für Alexander Winokurow und Jurgen van den Broeck bedeutet.

Winokurow wurde noch in der Nacht zu Montag nach Paris geflogen, wo Spezialisten seinen Oberschenkelhalsbruch erfolgreich operierten. Am Dienstag wird seine Frau an der Seite des 37-Jährigen sein. Sie wird vom Astana-Team eigens aus Kasachstan eingeflogen.

Der ebenfalls in den Sturz verwickelte Andreas Klöden tritt dagegen weiter in die Pedale. Der RadioShack-Kapitän fuhr am Montag locker trainieren, nachdem bei einer eingehenden Untersuchung am Sonntagabend im Krankenhaus keine schwerwiegenden Verletzungen festgestellt worden waren. “Es geht weiter, auch wenn ich auf den nächsten Etappen Schmerzen haben werde“, ließ Klöden über die Internetseite von RadioShack mitteilen.

dapd

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