Tour de France: Voigt verpasst Sensation

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Jens Voigt hat auf der 10. Etappe der Tour de France nach einer fulminanten Aufholjagd einen ganz starken dritten Platz belegt.

Bellegarde-sur-Valserine - Jens Voigt rackerte wie ein 20-Jähriger, fuhr um sein Leben, doch am Ende reichte die Kraft nicht mehr ganz für den großen Coup:

Der Routinier hat auf der 10. Etappe der Tour de France nach einer fulminanten Aufholjagd einen ganz starken dritten Platz belegt. Nach 194,5 km von Macon nach Bellegarde-sur-Valserine musste sich der 40 Jahre alte RadioShack-Profi im Sprint einer Ausreißergruppe nur dem französischen Volkshelden Thomas Voeckler (Europcar) und Michele Scarponi aus Italien (Lampre-ISD) geschlagen geben.

„Ich bin absolut glücklich mit Platz drei. Wieder einmal habe ich gezeigt, dass man mich nie abschreiben sollte“, sagte Voigt, der sich mit einer Energieleistung auf den letzten Kilometern an ein Spitzenquartett herangekämpft hatte. „Ganz tief in mir drin war mir eigentlich schon klar, dass ich zu kaputt bin. Aber ich habe trotzdem alles probiert“, sagte der gebürtige Grevesmühlener, der seinen ersten Tour-Etappensieg seit sechs Jahren verpasste.

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Die Top-Favoriten um den Briten Bradley Wiggins (Sky) und Titelverteidiger Cadel Evans (Australien/BMC Racing) hielten sich dagegen weitestgehend zurück und sparten ihre Kräfte für die schwere Alpenetappe am Donnerstag. Einzig der Viertplatzierte des Gesamtklassements, Vincenzo Nibali aus Italien (Liquigas-Cannondale), attackierte auf der Abfahrt vom Col du Grand Colombier, wurde jedoch wieder eingeholt.

Am Colombier, dem ersten Berg der Ehrenkategorie bei der Tour 2012, war Voigt als Teil einer größeren Ausreißergruppe zunächst von Voeckler, Scarponi sowie Luis Leon Sanchez (Spanien/Rabobank) und Dries Devenyns (Belgien/QuickStep) abgehängt worden. „Der Anstieg war mörderisch, es war nur noch ein Tunnel aus Schmerzen“, sagte Voigt.

Das Quartett fuhr einen Vorsprung hinaus und schien den Sieg unter sich auszumachen - bis sich Voigt nach dem letzten Berg wie zu seinen besten Zeiten herankämpfte. „Der Anstieg war nicht so schwer, da konnte ich mich zum Glück ein wenig erholen“, sagte Voigt.

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Im Finale hatte zunächst Devenyns attackiert, Voigt versuchte dran zu bleiben, gegen Voecklers Antritt vor seinen begeisterten Landsleuten war der „alte Hund“ aber machtlos. „Wir waren alle tot. Es gab nur noch einige Zeitlupen-Attacken“, sagte Voigt: „Voeckler war heute sehr, sehr stark. Er hat am meisten gearbeitet und daher verdient gewonnen.“

Am Donnerstag kommt es wohl zum nächsten Schlagabtausch der Favoriten. Über 148 km führt die Strecke von Albertville ins Skigebiet nach La Toussuire-Les Sybelles und stellt dem Peloton vier Bergwertungen, darunter zwei der Ehrenkategorie, in den Weg. Sprintern und weniger bergfesten Fahrer dürften dagegen allein der Blick auf das Profil und die Karenzzeit den Angstschweiß auf die Stirn treiben.

Von Emanuel Reinke und Christoph Leuchtenberg

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