Volksheld triumphiert

Tour: Voeckler gewinnt die Königsetappe

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Thomas Voeckler hat die Königsetappe der 99. Tour de France gewonnen

Bagneres-de-Luchon - Überschattet vom Dopingskandal um den Luxemburger Radprofi Fränk Schleck hat der französische Volksheld Thomas Voeckler Königsetappe der 99. Tour de France gewonnen.

Einen Tag nach dem Schleck-Schreck haben Fan-Liebling Thomas Voeckler und das Favoriten-Trio Bradley Wiggins, Christopher Froome und Vincenzo Nibali bei der Tour de France wieder für sportliche Höhepunkte gesorgt. Beim umjubelten Tagessieg des kleinen Franzosen zeigten die drei Erstplatzierten der Gesamtwertung in der glühenden Hitze der Pyrenäen einen Kampf um jede Sekunde - nach 197 Kilometern kamen die drei gut sieben Minuten hinter Voeckler zeitgleich ins Ziel. Der Lokalmatador feierte in Bagnère-de-Luchon am Mittwoch seinen zweiten Erfolg. Für Cadel Evans wurde die 16. Etappe dagegen zum ganz großen Fiasko.

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

Auf dem Teilstück über die vier gefürchteten wie legendären Berge Aubisque, Tourmalet, Aspin und Peyresourde warteten Wiggins und seine Herausforderer mit ihren Attacken bis zum letzten Anstieg. Den Anfang machte vier Kilometer vor der Bergwertung Nibali, der sich einen kleinen Vorsprung erkämpfte und die Favoritengruppe sprengte. Nur Wiggins und Edelhelfer Froome konnten kontern und den Rückstand aufholen. Weil sich die drei bis zum Ziel neutralisierten, gab es im Kampf um das Gelbe Trikot unter den ersten Drei keine Veränderungen.

Einen neuen Spitzenreiter gibt es dagegen in der Bergwertung: Am finalen Pyrenäen-Tag am Donnerstag wird Voeckler das gepunktete Trikot tragen. 22 Kilometer vor dem Ziel hatte er seinen Mitstreiter Brice Feillu stehen lassen, am Anstieg zum Col du Peyresourde sprang der Europcar-Kapitän seinem Landsmann davon. Mit herausgestreckter Zunge, schwerem Schnaufen und unter dem Jubel Zehntausender Fans an der Strecke fuhr der zu Beginn der Tour noch verletzte Radprofi ungefährdet dem zweiten Etappensieg 2012 entgegen.

In Bellegarde-sur-Valserine hatte er erstmals feiern dürfen. Damals wurde der Berliner Jens Voigt Dritter, diesmal reichte es für den Routinier zum starken Platz sechs, 4:18 Minuten hinter Voeckler.

Statt Jubel herrschte bei Evans am Ende der Schinderei nur Frust und Enttäuschung. Seine Leidenszeit hatte schon kurz vor dem Gipfel des Aspin begonnen. Einer Tempoverschärfung des Liquigas-Teams konnte der Australier ebenso wie Andreas Klöden nicht mehr folgen, der Vorjahressieger quälte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Anstieg hoch. Am Ende wuchs Evans' Rückstand auf fast fünf Minuten an, in der Gesamtwertung fiel er auf den siebten Platz.

An ein unbeschwertes Bergspektakel war vor dem Start der Etappe in Pau nicht zu denken. Der mögliche Dopingfall Schleck hatte das Feld aufgeschreckt, der bereits abgereiste Luxemburger war das Gesprächsthema Nummer eins. „Das wird unsere schwerste Etappe“, hatte Fränk Schlecks Teamsprecher Philippe Maertens verkündet.

Bis auf Jens Voigt waren alle RadioShack-Mannschaftskollegen von Schleck wortlos vom Bus zum Start gerollt, nur der Berliner stellte sich den Hunderten Reportern. „Das ist sehr schwer“, meinte er. Allerdings glaube er an die Unschuld von Schleck, dem bei einer Kontrolle das Diuretikum Xipamid im Urin nachgewiesen worden war.

dpa

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