Tour de France: Schwerer Stand für Contador

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Alberto Contador fährt für das spanische Team Saxo Bank SunGard.

Les Herbiers - Alle gegen Alberto Contador: Vor dem Start der 98. Tour de France hat sich die Radsport-Welt offenbar gegen den umstrittenen Vorjahressieger verschworen.

Die französischen Fans pfeifen, einige Fahrerkollegen verurteilen seinen Start und Tourchef Christian Prudhomme strafte den dreimaligen Champion mit Missachtung. “Contador in der Höhle des Löwen“, titelte das Tour-Organ “L'Équipe“ einen Tag vor dem Grand Départ auf der Passage du Gois treffend.

Die 3.430 Kilometer lange Grand Boucle von der französischen Atlantikküste bis Paris dürfte für Contador zum Spießrutenlauf werden. Einen Vorgeschmack erhielt der Spanier, dessen Dopingfall aus dem Vorjahr erst Anfang August vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS verhandelt wird, bereits bei der Mannschaftspräsentation. Ein gellendes Pfeifkonzert veranstalteten die gut 7.000 Zuschauer im Amphitheater von Puy du Fou. Auch Tourchef Prudhomme verzichtete demonstrativ auf Beifall.

“Ich bin sehr traurig. Die Öffentlichkeit versteht nicht, dass Alberto keinen Fehler gemacht ist. Nicht ihm gehören die Pfiffe, sondern dem System“, sagte Contadors Teamchef Bjarne Riis. Der Spanier selbst versuchte die Missfallensbekundungen herunterzuspielen: “Das ist nicht so wichtig. Ich weiß, dass auch viele Leute hinter mir stehen - trotz der Kampagne, die von einigen Medien gestartet worden ist.“

Auch Tony Martin hat für die Reaktion des Publikums kein Verständnis. “Wir sind hier, um Sport zu treiben und Buhrufe gehören mit Sicherheit nicht dazu. Es gibt immer dumme Menschen, die alles verallgemeinern und nicht wissen, wovon sie reden“, sagte der 26-Jährige. Er selbst hatte das Pfeifkonzert nicht mitbekommen.

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In anderen Teilen des Fahrerlagers hält sich die Freude über einen Tour-Start Contadors aber in Grenzen. “Er gehört da nicht hin. Er hat schließlich eine positive Dopingprobe gehabt und müsste gesperrt werden. Da darf es keine Ausnahmen geben. Dass er mitfährt, wirft einen Schatten auf die Tour“, sagte etwa Marcel Sieberg vom Omega-Pharma-Team den “Ruhr Nachrichten“.

Nimmt Contador die Rolle des Buhmanns ein, so ist sein großer Rivale Andy Schleck der Liebling der Massen. Der Luxemburger wollte die Reaktion der Fans nicht überbewerten. “Es gibt Leute, die für und gegen Alberto sind. Das muss man akzeptieren und respektieren“, sagte Schleck und formulierte den Toursieg als klares Ziel: “Dieses Jahr gibt es keine Ausreden mehr. Wir haben das beste Team der Welt. Alles ist perfekt.“

Sportlich rechnet alles mit einem Duell Contador gegen Schleck. Die Favoritenrolle liegt dabei ganz klar beim Titelverteidiger aus Spanien. So tippten 20 von 22 Teamchefs auf einen Sieg Contadors. Der schiebt die Favoritenrolle erst einmal beiseite: “Ich habe ein bisschen Zweifel, weil der Giro d'Italia sehr schwer war. Ich muss sehen, wie der Körper reagiert.“

Im Kampf um das erste Gelbe Trikot sind die Rollen zunächst anders verteilt. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren beginnt die Tour nicht mit einem Einzelzeitfahren, sodass das erste Maillot jaune diesmal nicht automatisch in die Hände von Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara fällt.

Die erste Etappe über 191,5 km von der Passage du Gois, die das Festland mit der Halbinsel Noirmoutier verbindet und nur bei Ebbe befahrbar ist, endet in Les Herbiers mit einem 2,2 km langen Schlussanstieg mit 4,7 Prozent Steigung. Dies dürfte in erster Linie eine Angelegenheit für die Klassikerspezialisten wie Lüttich-Sieger Philippe Gilbert oder Weltmeister Thor Hushovd sein. Einen Tag später steht dann das 23 km lange Mannschaftszeitfahren auf dem Programm in Les Essarts. Dabei zählt das HTC-Team um Martin zu den Mitfavoriten.

“Die Wahrscheinlichkeit, dass ich oder einer meiner Teamkollegen im Mannschaftszeitfahren ins Gelbe fährt ist groß“, prognostiziert Martin. In den folgenden Tagen sind dann die Sprinter am Zug. Dabei schaut alles auf ein Duell der beiden verfeindeten Asse Mark Cavendish und Andre Greipel. Die erste schwere Bergankunft wartet auf die Fahrer am 14. Juli im 1715 m hohen Luz-Ardiden.

dapd

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