Tour de France: Contador verliert Zeit

Luz Ardiden - Olympiasieger Samuel Sanchez hat die erste Bergetappe der Tour de France gewonnen. Unterdessen verliert Favorit Alberto Contador weiter an Zeit.  

Bereits auf der ersten Bergetappe der 98. Tour de France haben sich die beiden deutschen Rundfahrtspezialisten aus dem Kreis der Favoriten verabschiedet. Stattdessen stürmte Olympiasieger Samuel Sanchez als Erster den Schlussanstieg nach Luz Ardiden hinauf und siegte nach 211 km vor dem Belgier Jelle Vanendert.

Der große Verlierer hieß beim ersten Schlagabtausch in den Pyrenäen hieß aber Contador. Der umstrittene Vorjahressieger zeigte auf der zwölften Etappe ungeahnte Schwächen und verlor auf den letzten Kilometern 33 Sekunden auf Frank Schleck und 13 Sekunden auf dessen Bruder Andy. Damit verlor der Spanier erneut wertvolle Sekunden auf seinen großen Widersacher.

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

Dabei war das Tempo der Favoriten bis wenige Kilometer vor dem Ziel gar nicht mal so hoch. So hatte sogar der Franzose Thomas Voeckler keine großen Probleme, mit Contador und Co. Schritt zu halten und sein Gelbes Trikot zur Freude seiner Landsleute zu verteidigen.

Voeckler liegt nun 1:49 Minuten vor Frank Schleck. Hinter dem Australier Cadel Evans (2:06) folgt Andy Schleck (2:17) auf dem vierten Platz. Contador muss sich 4:00 Minuten hinter Voeckler derzeit mit dem siebten Platz begnügen.

Schwarzer Tag für die Deutschen

Einen rabenschwarzen Tag erwischten die Deutschen. Bereits sieben Kilometer vor dem Gipfel des 2115 Meter hohen Col du Tourmalet konnte Tony Martin, der unter einer Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündung leidet, dem von Jens Voigt angeschlagenen Tempo der Favoritengruppe nicht mehr folgen. Schweren Trittes stapfte der Zeitfahrspezialist den 17,1 km langen und durchschnittlich 7,3 Prozent steilen Anstieg hinauf und erreichte das Ziel mit einem Rückstand von fast zehn Minuten. Beim 26-Jährigen, der in diesem Jahr unter die besten Zehn fahren wollte, dürften Erinnerungen an das Vorjahr wach geworden sein. Auch 2010 wurde Martin bereits auf der ersten Bergetappe abgehängt.

Nicht viel besser lief es für Klöden. Wacker kämpfte sich der Wahl-Schweizer den Pyrenäen-Riesen hinauf, doch auch bei ihm war wenige Kilometer vor dem Gipfel die Luft raus. Zwar kämpfte sich der Routinier in der Abfahrt noch einmal heran, doch sobald es nach Luz Ardiden wieder bergauf ging, musste Klöden reißen lassen.

Klöden wieder im Sturzpech

Kein Wunder, hatte sich doch für Klöden bereits auf der Abfahrt vom La Hourquette d'Ancizan, einem Berg der ersten Kategorie, die Tour der Leiden fortgesetzt. Der Tour-Zweite von 2004 und 2006 war erneut gestürzt und erlitt dabei Verletzungen am Arm und der Schulter. Bereits beim Massensturz auf der neunten Etappe am Sonntag hatte sich der frühere Tour-Zweite am Rücken schwer verletzt.

Martin und Klöden waren am Tourmalet in prominenter Gesellschaft, auch der Vorjahressechste Robert Gesink konnte bereits frühzeitig dem Tempo nicht mehr folgen. Dagegen präsentierte sich Jens Voigt in bärenstarker Verfassung. Wie eine Lokomotive führte der 39-Jährige die Leopard-Fraktion um die beiden Schleck-Brüder an und parierte sogar Angriffe aus dem Contador-Lager mit Bravour.

Sechsköpfige Spitzengruppe lange in Führung

Lange Zeit hatte eine sechsköpfige Spitzengruppe das Geschehen bestimmt, doch schon am Tourmalet waren von den Flüchtlingen an der Spitze nur noch der Brite Geraint Thomas und der Franzose Jeremy Roy übrig geblieben. Drei Minuten betrug ihr Vorsprung vor der rasenden Abfahrt, doch am Schlussantieg waren dann auch die Beiden eingeholt.

Nicht nur sportlich kehrte bei Martin Ernüchterung ein. Auch auf der Suche nach einem neuen Sponsor kann sein Teamchef Bob Stapleton bislang keine Erfolge vermelden. Der milliardenschwere Unternehmer redet lediglich von “vielversprechenden Gesprächen“. Eine Entscheidung über die Zukunft des erfolgreichsten Rennstalls der Welt soll erst nach der Tour und nicht schon am zweiten Ruhetag erfolgen.

Am Freitag wird die Tour mit der 13. Etappe über 152,2 km von Pau nach Lourdes fortgesetzt. Auf dem Weg in die Pilgerstätte ist unter anderem der Col d'Aubisque, ein Berg der höchsten Kategorie zu meistern. Allerdings sind nach der Gipfelüberquerung noch 40 km bis Lourdes zurückzulegen, sodass es an der Spitze der Gesamtwertung keine Veränderungen geben sollte.

dapd

Kommentare