Boll: Persson fit wie 35

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Tischtennis-Star Timo Boll hat große Achtung vor Altmeister Jörgen Perssson.

Dortmund - Mit 40 Jahren ist im Tischtennis noch nicht Schluss. Spieler wie Jörgen Persson oder Jean-Michel Saive sind seit den 80er-Jahren Stammgäste bei WM-Turnieren.

Alle Achtung, alter Schwede. Jörgen Persson ist mit 45 Jahren der Vorzeigespieler der Generation 40plus bei der Tischtennis-WM in Dortmund. 23 Jahre nach Gold im Team und Silber im Einzel bei der WM an gleicher Stelle genoss der nicht mehr ganz so blonde Schwede noch einmal den Jubel in der Westfalenhalle. Er “klaute“ Chinas Olympiasieger Ma Lin einen Satz. “Wahnsinn, in welch guter Verfassung Jörgen spielt“, sagte der WM-Dritte Timo Boll. “Sein Körper ist fit wie bei einem 35-Jährigen.“

Dortmund ist für Persson das 18. WM-Turnier seit 1985 und eigentlich nur ein Aufgalopp. “Mein Ziel sind die Olympischen Spiele in London. Über die Weltrangliste bin ich bereits qualifiziert“, berichtete Persson nicht ohne Stolz. Königin Silvia und König Carl XVI. Gustaf können sich den Termin vormerken. Das Königspaar unterstützt Persson und die zweite schwedische Tischtennis-Legende Jan-Ove Waldner (46) regelmäßig bei Olympia-Turnieren.

Waldner, der weiterhin für Fulda in der Bundesliga spielt, hat seine internationale Karriere beendet. Persson macht weiter, immer auf der Jagd nach der ersehnten Olympia-Medaille. In Peking 2004 wurde er Vierter. “London wird schwierig für ihn, vielleicht schafft er es 2016“, scherzte Bundestrainer Jörg Roßkopf. Der 42-jährige Olympia-Dritte von 1996 weiß, wie schwierig es ist, im vorgerückten Alter auf so einem hohen Niveau zu spielen. Das geht nur durch harte Arbeit und professionelles Verhalten.

“Wenn unsere Spieler nicht so stark wären, würde ich heute selbst noch spielen“, erklärte Roßkopf vor der WM in einem Interview. Der Bundestrainer gehört wie Persson, Waldner, Mikael Appelgren (Schweden), Jean-Philippe Gatien (Frankreich), Jean-Michel Saive (Belgien) oder Zoran Primorac (Kroatien) zu einer Generation von europäischen Ausnahmespielern, die über Jahrzehnte das Tischtennis in der Welt mitbestimmte. Ende der 80er-Jahre bis Mitte der 90er dominierten sie sogar die Chinesen.

Persson, Saive (42) und Primorac (42) sind immer noch dabei. Das Trio geht in London zum siebten Mal bei Olympia an den Start. Ein Rekord, denn Tischtennis ist erst seit 1988 olympische Disziplin. “Die Top-Leute pflegen ihren Körper gut. Ihnen geht es bei Olympia auch ums Prestige“, berichtete der frühere Bundestrainer Richard Prause. “Wer einmal ein Top Ten-Spieler gewesen ist, kann ein hohes Grundniveau über lange Zeit halten. Zudem ist Tischtennis eine Sportart ohne direkten Körperkontakt“, sagte Prause.

Die starken Oldies haben in Ländern wie Schweden allerdings den Nachwuchs gebremst. “Mit so einer Generation wie Persson und Waldner zu spielen, ist gefährlich, jüngere Spieler können nicht an ihnen vorbeikommen. Sie haben einige Jahrgänge gefressen“, erklärte Roßkopf. Als Bundestrainer möchte er eine ähnliche Entwicklung in Deutschland verhindern.

Top-Star Boll (31) konnte Persson bei der EM im Vorjahr erst nach erbitterter Gegenwehr bezwingen. Der deutsche Ausnahmekönner weiß bei aller Hochachtung, dass der “alte Schwede“ solche Top-Leistungen nicht mehr jeden Tag abrufen kann und große Turniersiege für Spieler über 40 kaum drin sind. “Ob es dann Spaß macht, zwei oder drei Runden zu überstehen, muss jeder selbst entscheiden“, sagte der Europameister.

dpa

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