Kandidatur als IOC-Präsident

Ist er bald der mächtigste Mann im Sport?

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Er will IOC-Präsident werden: Thomas Bach

Köln - Thomas Bach macht sich auf den Weg, mächtigster Mann im Weltsport zu werden: Nach Medien-Informationen wird der 59-Jährige am Donnerstag seine Kandidatur für die IOC-Präsidentschaft bekannt geben.

Damit greift am 10. September in Buenos Aires erstmals ein Deutscher in der 119 Jahre alten Geschichte des Internationalen Olympischen Komitees nach dem Präsidentenamt.

Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, wird am Donnerstag um 12.30 Uhr in der DOSB-Zentrale in Frankfurt/Main eine Pressekonferenz abhalten. Dies bestätigte DOSB-Pressesprecher Christian Klaue dem SID. Klaue wollte weder bestätigen noch dementierten, dass Bachs Kandidatur Thema der Pressekonferenz sein wird. Nach SID-Informationen hat Bach aber bereits den amtierenden IOC-Präsidenten Jacques Rogge und den engsten IOC-Führungszirkel über seine Pläne informiert.

Der fränkische IOC-Vize gilt in Fachkreisen als Favorit auf die Nachfolge des Belgiers Jacques Rogge. Im Falle einer Wahl wäre Bach, dessen mögliche Gegenkandidaten sich bis 6. Juni beim IOC erklären müssten, der neunte Präsident in der Geschichte der 1894 gegründeten Weltsport-Regierung. Er wird am Donnerstag der erste Kandidat sein, der seinen Hut offiziell in den Ring wirft.

Bei der 125. IOC-Session in Buenos Aires könnten die rund 100 IOC-Mitglieder (derzeit 101) den Fecht-Olympiasieger von Montreal 1976 in geheimer Wahl zum ersten vollbezahlten Chef des Imperiums IOC machen. „Ich will der Exekutive vorschlagen, den bezahlten Präsidenten zu bewilligen“, hat der 71 Jahre alte Rogge kürzlich erklärt. Offiziell unterstützt der Belgier keinen Kandidaten. Dass er große Stücke auf Bach hält, verheimlicht er aber nicht.

„Thomas Bach hat alle Qualitäten, die ein Präsident braucht: Er ist intelligent, kennt den Sport, liebt den Sport, kann Teams bilden, er hat das Geschick“, hatte der nach zwei Amtsperioden ausscheidende Rogge schon 2011 im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) erklärt. Zum Kreis der Mitbewerber von Bach hatte Rogge damals gesagt: „Ich sehe ein halbes Dutzend, die das Profil haben. Wer am Ende antritt, das werden wir sehen.“

Auch zwei andere IOC-Vizepräsidenten haben ernsthaftes Interesse bekundet, aber eine Kandidatur noch nicht offiziell gemacht: Ex-Diplomat Ng Ser Miang (Singapur/64) und der Schweizer Denis Oswald (65/wird 9. Mai 66). Letzterer ist wie Bach Jurist, seit 1989 Präsident des Ruder-Weltverbandes FISA und hat den Chefposten bei der Vereinigung Olympischer Sommersportverbände ASOIF bereits abgegeben. Multi-Millionär Ng Ser Miang verfügt über ein starkes Stimmenpotenzial in Asien. Als vierter ernsthafter Kandidat gilt IOC-Finanzchef Richard Carrion (Puerto Rico/60), der im Falle einer Kandidatur allerdings seine steile Bänkerkarriere beenden müsste.

Nicht ausgeschlossen hatte eine Kandidatur auch Nawal El Moutawakel (51). Doch der Marokkanerin, 1984 in Los Angeles erste Olympiasiegerin eines muslimischen Landes (400 m Hürden), werden kaum Chancen eingeräumt, als erste Frau an die Spitze des IOC gewählt zu werden. Ähnlich chancenlos wären wohl auch Rene Fasel (Schweiz/63), Präsident des Eishockey-Weltverbandes IHF, und Sergej Bubka (Ukraine/49), Vizepräsident im Leichtathletik-Weltverband IAAF, noch immer Inhaber des Stabhochsprung-Weltrekordes (6,14 m/Halle 6,15).

Thomas Bach, der genau dort den IOC-Chefsessel besteigen könnte, wo er 1977 zum zweiten und letzten Mal Fecht-Weltmeister mit dem Team wurde, ist der dritte deutsche IOC-Vizepräsident nach dem 1996 verstorbenen Willi Daume (1972-76) und dem heute 99 Jahre alten Berthold Beitz (1984-88), seinen beiden großen Förderern. Chancen auf das Präsidentenamt wurden vor 35 Jahren auch Willi Daume eingeräumt, doch nachdem die bundesdeutsche Mannschaft aus sportpolitischen Gründen den Sommerspielen 1980 in Moskau ferngeblieben war, sah er diese auf dem Nullpunkt. Eine hohe IOC-Position begleitete als Sportdirektor auch Walther Tröger (1983-90).

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Bach, Mitglied der ersten Generation der IOC-Athletenkommission, ist seit 1996 im Führungszirkel der Weltsport-Regierung vertreten. Damals wurde er bei den Olympischen Sommerspielen in Atlanta in die 15-köpfige IOC-Exekutive gewählt. Vier Jahre später stieg er in Sydney zum Vizepräsidenten auf. Nach einer in den IOC-Statuten festgelegten Amtspause von zwei Jahren kehrte Thomas Bach bei Winter-Olympia 2006 in Turin als IOC-Vize zurück und wurde 2010 in Vancouver (erstmals ohne Gegenkandidat) bestätigt.

Bach leitet im IOC seit 2001 die Juristische Kommission und die Kommission Sport und Recht, seit 2004 ist er Koordinator für den Verkauf der olymischen TV- und Medienrechte in Europa.

SID ho jm

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