"The Jackpot": "Ich bin der Beste der Welt!"

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Weltmeister Adrian Lewis.

London - Der Engländer Adrian Lewis gilt spätestens seit seiner Titelverteidiung bei der Darts-WM als legitimer Nachfolger von Legende Phil „The Power“ Taylor. Nach seinem Triumph in London will der 26-Jährige eine eigene Ära prägen.

Seinen geschlagenen Kontrahenten küsste Adrian Lewis noch schnell tröstend auf die Wange, dann gab es für den neuen und alten Darts-Weltmeister kein Halten mehr. Breites Grinsen, Victory-Zeichen, Siegerfaust - der 26-Jährige ließ sich von der Feierlaune der tobenden Menge in der alkoholgetränkten Luft des Londoner Alexandra Palace anstecken.

Der einstige Ziehsohn von Darts-Legende Phil „The Power“ Taylor ist nach seinen Final-Triumph bei der WM über seinen englischen Landsmann Andy Hamilton der zweitjüngste Doppel-Weltmeister der Darts-Geschichte - und er schickt sich an, eine neue Ära einzuleiten.

Doch zunächst ging er mit dem „Pott“ ins Bett. „Es bedeutet die Welt für mich, den Titel wieder geholt zu haben. Ich habe es noch nicht wirklich realisiert, aber das wird sicher der Fall sein, wenn ich mit der Trophäe aufwache“, sagte Lewis in seinem seltsamen Midlands-Akzent. Trotz Schwächen zu Beginn setzte sich Lewis im Finale am Montagabend mit 7:3 durch. Elfmal ließ Lewis dabei mit einer 180, der besten Wurffolge im Dart, das in der verrückten Dart-Szene legendäre „Onehundredandeightyyy“ des Schiedsrichters ertönen.

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Seine Nervenstärke hatte Lewis bereits im Turnierverlauf unter Beweis gestellt. Im Halbfinale kämpfte sich Lewis gegen seinen Landsmann James Wade nach einem 1:5-Rückstand zurück. „Ich habe nicht aufgegeben, und deshalb stehe ich hier mit der Trophäe. Ich habe viel Arbeit in dieses Jahr gesteckt, das hat sich jetzt ausgezahlt. Ich habe gezeigt, warum ich momentan der Beste der Welt bin“, sagte Lewis, der oft bis zu zehn Stunden am Tag trainiert.

Ein Einsatz, der sich auch finanziell auszahlt. Ein stattliches Preisgeld von 200.000 Pfund (rund 240.000 Euro) streicht Lewis ein. Vor sechs Jahren war ihm auf anderer Bühne das große Geld noch verwehrt geblieben: An einem einarmigen Banditen in Las Vegas knackte der Hobby-Zocker 2005 den Hauptgewinn in Höhe von 75.000 Dollar (rund 57.000 Euro), bekam das Geld aber nicht ausgezahlt, da er noch keine 21 Jahre alt war. „Ich hätte mir davon ein Haus in Stoke gekauft. Aber das hat sich inzwischen erledigt“, sagte Lewis, der seit dem Alptraum im Spielerparadies den Beinamen „The Jackpot“ trägt.

Noch heute lebt Lewis in der Dart-Hochburg Stoke-on-Trent, in der Arbeiterstadt im Norden Englands, die nicht nur Finalgegner Hamilton, sondern auch Phil „The Power“ Taylor hervorgebracht hat. Die Beziehung zu seinem einstigen Mentor und 15-maligen Weltmeister Taylor ist jedoch erkaltet. „Ich denke, wir sind nicht mehr so eng befreundet wie früher. Aber ich glaube, wenn man jede Woche gegeneinander in einem großen Turnier spielt, ist das normal“, sagte Lewis, der dem Darts-König immer mehr den Rang abläuft.

Der Top-Favorit war bereits in der zweiten Runde gegen seinen Landsmann Dave Chisnall ausgeschieden. Lewis, der mit seinem voluminösen Körper und den Hamsterbacken zehn Jahre älter aussieht, will indes seine eigene Zeitrechnung beginnen und „mindestens noch acht weitere WM-Titel holen“, bevor er sich zur Ruhe setzt.

Ein anderer Traum bleibt Lewis aber vermutlich dennoch bis zu seinem Karrieende verwehrt - Gold bei Olympischen Spielen. Den Preis für diesen Erfolg ist ohnehin wohl kaum ein Dart-Spieler bereit zu zahlen. Lewis: „Ich denke, Darts sollte wie Bogenschießen olympisch sein. Allerdings müssten wir dann das Gelage drumherum weglassen.“

sid

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