Tennis: Fed-Cup-Damen abgestiegen

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Enttäuscht: Andrea Petkovic.

Stuttgart - Eine Niederlage von Andrea Petkovic beim Comeback nach dreieinhalbmonatiger Verletzungspause hat den Abstieg des Fed-Cup-Teams aus der Weltgruppe I der besten acht Mannschaften besiegelt.

Andrea Petkovic eilte nach dem Abstieg aus der „Champions League“ mit hängendem Kopf vom Court und war erst einmal untröstlich. „Ich war zu hektisch, wie eine Fliege ohne Kopf“, sagte die Rückkehrerin, die nach 103-tägiger Verletzungspause die Blamage des hochgehandelten Fed-Cup-Teams in Stuttgart gegen Australien nicht hatte verhindern können. Bereits nach dem dritten Einzel lagen die von Barbara Rittner betreuten deutschen Tennis-Damen aussichtslos 0:3 in Rückstand und steigen damit zum vierten Mal seit 2005 aus der Weltgruppe ab.

Petkovic verlor zum Auftakt des Schlusstages mit 4:6, 1:6 gegen die US-Open-Siegerin Samantha Stosur. Die Leidenszeit der Weltranglistenelften verlängert sich. „Ich erwarte von mir immer, dass ich gewinne. Es nervt mich, weil ich immer das Gefühl hatte, das Match noch drehen zu können“, sagte die Hessin Petkovic und meinte trotzig: „Wir haben weiter das Ziel, den Titel zu holen.“

Im Kampf um die Trophäe allerdings verliert die DTB-Auswahl trotz derzeit vier Spielerinnen in den Top 16 der Weltrangliste ein ganzes Jahr. Selbst im Falle einer erfolgreichen Relegation in der kommenden Saison kann es erst 2014 wieder um den begehrtesten Mannschafts-Pokal im Tennissport mitspielen. „Ich bin natürlich enttäuscht, das kostet uns ein weiteres Jahr. Aber wir werden auch an solchen negativen Erlebnissen wachsen. Wir werden mit jeder Partie stärker“, sagte Rittner, die mit ihren Mädels zuletzt 2010 aus dem Kreis der besten acht Teams abgestiegen war.

Während Petkovic trotz ihrer Niederlage nach mehr als dreimonatiger Pause wegen eines Ermüdungsbruchs im Iliosakralgelenk nicht enttäuschte, hatten Julia Görges im Schlüsselspiel Kräfte und Nerven verlassen. Die Weltranglisten-16. aus Bad Oldesloe verlor überraschend gegen die australische Nummer zwei Jarmila Gajdosova (4:6, 4:6) und besiegelte den unerwarteten 0:2-Rückstand der Gastgeberinnnen nach dem ersten Tag. Angelique Kerber hatte zum Auftakt gegen Stosur (6:7, 4:6) eine Überraschung verpasst.

Der Abstieg der Fed-Cup-Mannschaft besiegelte eine turbulente Woche für den Deutschen Tennis Bund (DTB), der in der nächsten Zeit einige Baustellen zu beseitigen hat. Zunächst waren Diskussionen über die Urheberschaft eines Millionenvertrages mit einem Automobilhersteller aufgekommen, den Barbara Rittner erst möglich gemacht hatte.

Dann war Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen von seinen Spielern nicht als Kapitän für die anstehende Tennis-Mannschafts-WM in Düsseldorf benannt worden - was einer Entmachtung des Ex-Profis gleichkommt. Auch dem Männer-Quartett droht im September gegen Australien der Abstieg aus der Eliteliga.

Görges erlebte auf der roten Asche von Stuttgart, auf der sie vor genau einem Jahr überraschend das hochkarätig besetzte WTA-Turnier gewonnen hatte, bittere Momente. Auch die Anfeuerungsrufe der trotz ihrer Knöchelverletzung angereisten Sabine Lisicki aus der Box hatten keinen Erfolg. „Ich war körperlich nicht in der Lage, mein bestes Tennis abzurufen“, sagte Görges, die jüngst an einer Angina gelitten und Antibiotika genommen hatte.

Kerber hatte sich nicht für ihre Halbfinal-Niederlage bei den US Open gegen Stosur revanchieren können. Sechs Tage nach ihrem Turniersieg in Kopenhagen stellte die Linkshänderin aber erneut ihre Kämpferqualitäten unter Beweis. „Ich war zu Beginn mega-nervös und in den ersten drei Spielen in Gedanken gar nicht auf dem Platz. Ich war zu passiv“, sagte Kerber, die den Druck im Fed Cup deutlich spürte: „Ich hatte nicht gerade die beste Nacht. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Doch im Tiebreak stand die im Ranking auf Platz 14 geführte Linkshänderin, die im Februar in Paris ihr erstes WTA-Turnier gewonnen hatte, auf verlorenem Posten.

Petkovic war bei ihrem Comeback die fehlende Matchpraxis anzumerken. Im Spiel gegen Stosur brachte sie nur zweimal ihr Service durch und kassierte sechs Breaks. „Wegen der Verletzung konnte ich erst vor zehn Tagen wieder ins Aufschlagtraining einsteigen“, erklärte Petkovic: „Ich habe in den entscheidenden Momenten die falschen Entscheidungen getroffen.“

sid

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