Alpine Ski-WM

Aksel Lund Svindal ist Abfahrts-Weltmeister

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Aksel Lund Svindal ist Weltmeister

Schladming - Der Norweger Aksel Lund Svindal hat bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Schladming den Abfahrts-Titel gewonnen. Der einzige deutsche Starter enttäuschte.

Aksel Lund Svindal schien zu wissen, dass ihm Gold nicht mehr zu nehmen war. Kaum hatte er die Ziellinie überquert und seine Zeit gesehen, da warf er sich wie in Zeitlupe in eine Triumphpose, hob die Arme hoch, stieß einen Schrei aus und nahm den Schwung seiner Fahrt mit auf eine halbe Ehrenrunde durch den Zielraum. Die Mitfavoriten um den Sieg in der Abfahrt auf der furchterregenden Planai standen in diesem Moment noch alle oben am Start, doch der Jubel des Norwegers war bereits der Jubel eines Weltmeisters. Zum Entsetzen der Österreicher.

Etwa acht Minuten nach der Zieldurchfahrt von Svindal wurde es noch einmal richtig laut an der Strecke, die etwa 36.000 Zuschauer säumten. Klaus Kröll kam die Planai herunter, er war die vierte und letzte Hoffnung der Österreicher. Die Zuschauer schrien, brüllten - doch Kröll war 1,35 Sekunden langsamer als der unglaubliche Svindal und belegte hinter Dominik Paris (Italien/+0,46) und dem ein wenig überraschend drittplatzierten David Poisson (Frankreich/+0,97) Rang vier. Im Ziel war es schlagartig still, wie bei einer Beerdigung. Die Österreicher waren fassungslos. Kein Gold. Keine Medaille.

Während Stephan Keppler (Ebingen/+3,68), der einziger deutsche Starter, nach einem Fast-Sturz mit einer Knieverletzung enttäuscht davonhumpelte, grinste sich Svindal hinter einer großen, schwarzen Sonnenbrille eins. „Ich wusste“, erklärte er seinen Jubel nach der Zieldurchfahrt, „dass ich es heute nicht besser machen konnte.“ Am Dienstag hatte er als Gold-Favorit im Super-G den Sieg im Zielhang noch verspielt und Bronze gewonnen: „Da habe ich mich geärgert.“ Am Samstag, bei diffusem Licht, war er der Einzige, der die eisige, wellige und kraftraubende Planai beherrschte.

„Im Ziel war ich kaputt“, sagte Svindal nach dem 2:01,32 Minuten dauernden Höllenritt, „aber im Kopf war ich überwältigt“. Und staunend macht einen seine schier unglaubliche Bilanz: Svindal (30), der im November 2007 bei einem schweren Sturz auf der Abfahrt in Beaver Creek lebensgefährliche Verletzungen erlitten hatte, ist der erste Ski-Rennläufer, der bei vier Weltmeisterschaften in Serie Gold gewonnen hat. Er ist Olympiasieger im Super-G (2010) und war zuvor schon mal Weltmeister in der Abfahrt (2007), außerdem noch im Riesenslalom (2007) und in der Super-Kombination (2009 und 2011).

„Er ist jetzt schon eine Legende“, sagte Kjetil Andre Aamodt gleich nach dem Rennen über seinen Landsmann, „und an diesem Status arbeitet er Tag für Tag weiter - er ist ein phantastischer Athlet.“ Aamodt, viermaliger Olympiasieger, ist mit seinen elf Medaillen nach wie vor der erfolgreichste männliche WM-Teilnehmer, Svindal freilich hat nun auch schon acht. Das schien nach jenem Sturz vor etwas mehr als fünf Jahren kaum mehr möglich - Svindal entging damals nur um Millimeter einem Arterienriss im Gesäß, zwischenzeitlich hatte ihm ein künstlicher Darmausgang gelegt werden müssen.

Einen wie Svindal hätten sie in Österreich auch am Samstag nur allzu gerne gehabt. Seit 2003 sind Austrias Abfahrer ohne Sieg bei Großereignissen, jetzt gewannen sie nicht mal eine Medaille - eine Demütigung. Auch Hannes Reichelt, der andere Hoffnungsträger neben Kröll, wurde von der Planai durchgerüttelt und dann an einer Welle abgeworfen. „Es ist schon bitter“, sagte Kröll, „die Leute hätten eine Medaille verdient gehabt.“ Vier Wettbewerbe sind vorbei, die Gastgeber haben einmal Bronze gewonnen durch Kombiniererin Nicole Hosp, und sie haben vier vierte Plätze.

Für Stephan Keppler wäre ein vierter Platz ein Erfolg gewesen, doch in den Ergebnisliste tauchte er auch dieses Mal erst auf der zweiten Seite auf. Im Super-G war er auf Rang 33 gefahren, in der Abfahrt belegte er Rang 24. Bemerkenswert bei Keppler war diesmal höchstens seine artistische Einlage, mit der er gerade noch einen kapitalen Sturz verhinderte. Allerdings verletzte er sich dabei am rechten Knie. „Das passt total gut in diese Saison“, sagte der 30 Jahre alte Wahl-Münchner: „Ich hätte die Saison hier retten können, aber es hat von Anfang an nicht gepasst.“

sid

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