Studie: Subventionierte Anabolika-Forschung in der BRD

Berlin - Überraschendes Ergebnis einer Studie: In den 70er und 80er Jahren hat es anscheinend in Westdeutschland staatlich subventionierte Doping-Programme gegeben.

Es ist eines der dunkelsten Kapitel der (west)deutschen Sportgeschichte. Dass es kaum aufgearbeitet ist, ist eine Schande. Nicht nur in der DDR, sondern auch in der Bundesrepublik hat es vor dem Mauerfall ein staatlich gefördertes Dopingsystem gegeben. Die neue Studie, in der Historiker aus Berlin und Münster zu diesem Schluss kommen, malt das düstere Bild eines Staates, in dem der Zweck die Mittel heiligte und Gesundheitsschäden billigend in Kauf genommen wurde. Und wer nicht mitmachte, wurde gemobbt.

In eine Schublade gesteckt zu werden mit dem Doping-Staat DDR, dem damals um jeden Preis in den Stadien dieser Welt Paroli geboten werden musste, tut weh - den direkt Beteiligten, aber auch dem gemeinen Fan. Allein dies reicht schon als Erklärung dafür aus, warum bis heute vertuscht, gelogen und diffamiert wird.

Ein Beispiel: Brigitte Berendonk, die bedeutendste Anti-Doping-Kämpferin der deutschen Sportgeschichte, zog sich Mitte der 90er Jahre desillusioniert, angewidert und ausgelaugt aus der Szene zurück. Jahrzehntelang war sie beschimpft und belächelt, teilweise sexistisch angegangen worden. Dabei hatte sie Politikern und Funktionären schon Ende der 60er ein detailliertes Bild der unbequemen Wahrheit geliefert. In ihrem legendären Zeit-Artikel („Züchten wir Monstren? Die hormonale Muskelmast“) zeigte sie aber auch Lösungswege auf. Doch nichts ist geschehen.

Zwar war das westdeutsche System in den 70er und 80er Jahren weniger organisiert, weniger bürokratisiert und vielleicht auch weniger brutal als das im Osten, dennoch trug es ähnlich menschenverachtende und perfide Züge. Die konsequente Aufarbeitung der Geschichte könnte noch heute Verbänden, Politikern, Ärzten, Funktionären, Kliniken und Instituten nachhaltig schaden.

Man muss kein Prophet sein: Der Drang nach weiterer Aufklärung wird sich künftig in Grenzen halten.

SID

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