Stöhn-Verbot sorgt weiter für Wirbel

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Wiktoria Asarenka

Frankfurt/Main - Dem Gekreische auf dem Court soll es künftig an den Kragen gehen. Martina Navratilova wittert hinter dem Gestöhne sogar Betrug. Doch für die lauten Damen gibt es noch Entwarnung - vorerst.

„Quiet, please“ - der Stöhnerei auf dem Tenniscourt geht es an den Kragen. In Zeiten des exzessiven Gequietsches mit den Vorbrüllerinnen Wiktoria Asarenka und Maria Scharapowa hat die WTA endlich ein Einsehen mit den lärmbelasteten Fans. Die Spielerinnen-Gewerkschaft will allzu laute Profis alsbald sanktionieren. Punktabzug für spitze Schreie, die nicht selten die 100-Dezibel-Schallmauer durchbrechen und damit fast den Geräuschpegel einer Kettensäge erreichen.

Beim Blick auf die jüngst in Florida abgesegneten Pläne dürfte Branchenführerin Asarenka und Scharapowa allerdings ein langgezogenes „Yeeees“ der Erleichterung herausgerutscht sein. Denn: Bestrafungen sind lediglich im Nachwuchsbereich vorgesehen. Vorerst jedenfalls.

Die WTA hat anscheinend nicht länger Augen und vor allen Dingen Ohren vor der lauten Kritik an den „Sirenen“ verschließen können. „Die Fans haben sich zunehmend beschwert, die Medien damit ihre Seiten gefüllt. Wir müssen etwas tun“, sagte Pressesprecher Andrew Walker der New York Times.

Einen Freibrief in Sachen Gekreische erhielten gleichzeitig die aktuellen Spielerinnen der WTA-Tour. „Es wäre nicht fair, sie dazu zu zwingen, es abzulegen“, sagte Walker, „weil es für sie Gewohnheit ist.“ WTA-Chefin Stacey Allaster macht die „weibliche DNA“ für den Krach verantwortlich: „Die männlichen Profis stöhnen auch. Da hört es sich nur anders an.“

Das wird Nörglerinnen wie die frühere Nummer eins Caroline Wozniacki („Das Gekreische nervt“) oder Extremisten wie John McEnroe („Es muss verboten werden“) nicht beruhigen. Altmeisterin Martina Navratilova wittert hinter dem Gestöhne sogar Betrug: „Es ist wie Schummeln. Es übertönt das Geräusch, das entsteht, wenn der Ball den Schläger trifft.“

Australian-Open-Siegerin Asarenka und ihre Schwester im Geiste, die stets etwas divenhaft wirkende Scharapowa, fühlen sich inzwischen schon wie auf einer Hetzjagd. Als jüngst ein Journalist Asarenka, von der australischen Zeitung The Age zur „First Lady des Gekreisches“ gekrönt, auf ihre Schreie ansprach, blaffte die Weißrussin: „Schnarchen Sie? Ja? Dann wissen sie ja, wie es ist, wenn man gewisse Eigenarten nicht ablegen, aber auch nicht steuern kann. Außerdem hat sich bei mir noch niemand beschwert. Nur Schwächlinge jammern.“

Auch Scharapowa gibt sich angesichts der Protestwelle betont trotzig. „Niemand, der wichtig genug wäre, hat mir geraten, etwas zu ändern“, sagte die Russin. Fed-Cup-Spielerin Angelique Kerber hat sich mit dem Ist-Zustand arrangiert. „Im Match hört man das Gestöhne nicht mehr, da ist man sehr fokussiert. Im Training allerdings kann es schon nerven, wenn vom Nebenplatz diese Geräusche kommen“, sagte US-Open-Halbfinalistin Kerber dem SID.

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Im Jugendbereich wird jetzt der Hebel zur Geräuschdämmung angesetzt. Zurück in die Zukunft quasi. Dabei soll ein Spieler den Punkt erhalten, falls er von seinem Gegner absichtlich gestört wird. Bei einer unabsichtlichen Irritation soll der Punkt wiederholt werden. „Wenn der Nachwuchs so bestraft wird, wird es ihm egal sein, was die Vorbilder tun“, glaubt Walker. Die WTA will sich diesbezüglich auch den Weltverband ITF, Tennis-Akademien und Trainer-Verbände ins Boot holen. Unklar ist noch, ab welchem Alter sanktioniert wird - und was als Gradmesser gilt. In Wimbledon und Australien werden von TV-Stationen sogenannte „Stöhn-Oooo-Meter“ eingesetzt, um die Lautstärke in Dezibel zu messen.

Die einstige Nummer eins Chris Evert glaubt, dass das Abgewöhnen von Ritualen möglich ist. „Ich hatte die Angewohnheit, den zweiten Ball auf den Boden zu werfen, wenn mein erster Aufschlag nicht kam. Billie Jean King sagte dann, wenn ich das noch mal täte, würde sie zu spielen aufhören. Ich habe es trotzdem weiter gemacht, sie hat aufgehört zu spielen und sich darüber beschwert. Das war der Beginn, sich den Ball in die Hose zu stecken“, erzählte Evert: „Irgendjemand muss nur das Feuer entzünden.“

Michael Stich hat da radikalere Vorschläge. Um die Damen zum Schweigen zu bringen, schlug der frühere Wimbledonsieger sogar einmal die Konfrontations-Therapie vor. „Man sollte den Spielerinnen einfach ein Video vorspielen. Dann würden sie merken, welche Geräusche sie so von sich geben“, sagte Stich: „Und sie würden es dann schnellstens sein lassen.“

sid

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