"So gut wie seit den 80ern nicht mehr"

Luitz ist die neue deutsche Ski-Hoffnung

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Stefan Luitz hat die Konkurrenz in Staunen versetzt

München - Der Erfolg von Stefan Luitz zeigt: Die deutschen Ski-Rennläufer sind auf einem guten Weg. Für die WM im kommenden Februar eröffnet das ungeahnte Perspektiven.

Das Talent ist Stefan Luitz in die Wiege gelegt worden, das lässt sich kaum abstreiten. Mama Petra und Papa Ludwig sind Skilehrer, staatlich geprüft. Die Mama hat Stefan und den zwei Jahre älteren Tobias früher im Ski-Club Bolsterlang trainiert - und der Papa, „Luggi“ genannt, war erstens früher selbst Ski-Rennläufer und zweitens ist er der Mann, der den deutschen Männern nun bereits seit Jahren die Ski präpariert. Und damit auch dem Sohn.

„Dass der Luitz ein guter Skifahrer ist, sage ich schon lange“, betonte Alpindirektor Wolfgang Maier nach einem Wochenende, das aus deutscher Sicht nahe an der Perfektion war. Rang zwei durch Viktoria Rebensburg im Riesenslalom von St. Moritz. Rang zwei im Slalom sowie Rang vier im Riesenslalom durch Felix Neureuther in Val d'Isere. Und dann eben Luitz, der nach dem in der Tat sensationellen zweiten Rang im Riesenslalom bestaunt wurde wie ein Außerirdischer.

Ein Deutscher Zweiter in einem Riesenslalom, das hatte es seit Dezember 1993 und Tobias Barnerssoi nicht mehr gegeben. „Man darf“, bat Maier aber sogleich, „jetzt nicht von ihm erwarten, dass er das immer bringt.“ Aber hoffen schon: Denn bereits beim Riesenslalom in Beaver Creek eine Woche zuvor war Luitz (20) der Jüngste im zweiten Lauf gewesen und dort auf Rang 13 vorgefahren. Am Montag wurde er gleich nach München ins TV-Studio beordert, zu „Blickpunkt Sport“.

„Ich habe schon vor einiger Zeit die Prognose gewagt, dass der Felix und der Fritz aufpassen müssen“, sagt Maier. Gemeint sind die Mannschaftskollegen Neureuther und Dopfer. Neureuther ist ebenfalls gut in die Saison gestartet, trotz gesundheitlicher Probleme. Platz vier am Sonntag war das beste Riesenslalom-Ergebnis seiner Karriere. Dopfer, der Senkrechtstarter des vergangenen Jahres, hat gerade noch ein paar Probleme mit der Umstellung auf die neuen Skier.

Ausgenommen den Auftakt in Sölden haben die deutschen Alpinen mindestens einen Podestplatz pro Weltcup-Wochenende eingefahren. An der Spitze stehen Neureuther, Rebensburg oder Maria Höfl-Riesch, in ihrem Windschatten kämpfen sich vermehrt Junge wie Luitz nach vorne. „Mit dem alpinen Skisport in Deutschland, kann man im Moment zufrieden sein“ sagt Maier. Frauen und Männer zusammengenommen „sind wir so gut wie zuletzt in den 90ern, ach, in den 80ern.“

Hält der Trend an, erhöhen sich auch die Chancen für die WM im Februar im österreichischen Schladming. Maier hofft dafür auf einen Schub durch die jüngsten Ergebnisse: „Wenn du das Gefühl hast, du kannst mitfahren, bekommst du ein größeres Selbstbewusstsein. Dazu kommt der Respekt der Weltelite. Daraus resultiert eine gewisse Art zu attackieren.“ Wären die Männer nach gutem Saisonstart nicht durch Verletzungen erheblich geschwächt, der DSV stünde noch besser da.

Luitz und Neureuther ist am Sonntag etwas gelungen, was es seit mehr als 40 Jahren nicht mehr gegeben hat: zwei Deutsche unter den ersten Vier bei einem Weltcup-Riesenslalom. Sepp Heckelmiller sowie Neureuthers Vater Christian hatten am 13. März 1971 im schwedischen Are ebenfalls die Ränge zwei und vier belegt. „Zum Aufschwung“, sagt Maier, „gratuliere ich mir ein bisschen selbst“, aber „in erster Linie ist das ein Verdienst der Athleten und der Trainer.“

Und wer auf den Spuren von Stefan Luitz (2010 übrigens schon Zweiter im Riesenslalom bei der Junioren-WM) wandeln will, kann das problemlos tun. Die Eltern vermieten in Sonderberg bei Bolsterlang im Allgäu eine Ferienwohnung. Mama Petra, so verrät die Website von „Luggis Hüs“, steht dazu für privaten Ski-Unterricht zur Verfügung. Die Stunde zu 30 Euro.

sid

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