Kretzschmar will der Bierhoff des Handballs werden

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Stefan Kretzschmar

Granollers - Die Personaldiskussionen beim Deutschen Handballbund (DHB) nehmen kein Ende. Nach Bob Hanning kommt nun auch Stefan Kretzschmar aus der Deckung. Er steht als Team-Manager à la Oliver Bierhoff bereit.

Klick, klick, klick - im Kabinentrakt des „Palau d“Esports„ in Granollers hat sich eine kleine Menschentraube gebildet. Fans, Journalisten und auch der eine oder andere Spieler haben sich um den Mann mit den wasserstoffblonden Haaren geschart. Sie wollen ein Foto. Stefan Kretzschmar lächelt freundlich in die Kameras. Vom positiven Image und der Expertise des ehemaligen Nationalspielers könnte bald schon der Deutsche Handballbund (DHB) profitieren. Kretzschmar bemüht sich um den Posten des neuen Handball-Bierhoffs.

`Wenn solch ein Posten geschaffen werden sollte, kann ich mir das gut vorstellen“, sagte Kretzschmar dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Grundvoraussetzung ist aber die Strukturreform, die von den Landesfürsten auf den Weg gebracht werden muss. Dort wird die Basis gelegt.“ Sollte in den Gremien des größten Handballverbands der Welt die Stelle eines Sportdirektors beschlossen werden, stünde der 39-Jährige bereit.

Zuvor hatte sich bereits Bob Hanning aus der Deckung gewagt. Der Geschäftsführer von den Füchsen Berlin hatte seine Kandidatur für den Posten des Vizepräsidenten, der wie auch das Amt des Präsidenten beim DHB-Bundestag im Herbst neu vergeben wird, am vergangenen Wochenende bekannt gegeben und damit die Personaldiskussionen beim DHB ins Rollen gebracht. Zusammen mit Hanning möchte Kretzschmar eine neue Ära beim Verband einläuten und für neue Strukturen sorgen.

„Es geht darum, die Außendarstellung des DHB zu verbessern, Kontakte zu haben und die neuen Medien bedienen“, sagte der gebürtige Leipziger. Ihm schwebt ein Manager-Posten vor, wie ihn bei den deutschen Fußballern Ex-Nationalspieler Oliver Bierhoff bekleidet. „Es muss allerdings klar definierte Aufgaben geben. Wenn man gestalten, kreieren und aktiv mitarbeiten kann, kann man darüber reden“, sagte Kretzschmar.

Auch Ex-Welthandballer Daniel Stephan plädiert für Veränderungen beim Verband. „Es gibt zurzeit keine Schnittstelle zwischen Liga und DHB. Frisches Blut würde da guttun. Einen Teammanager a la Bierhoff könnte ich mir gut vorstellen“, sagte Stephan dem SID. Kretzschmar hält er für einen geeigneten Kandidaten. „Es gibt viele ehemalige Nationalspieler, die für einen solchen Job infrage kommen. Kretzsche wäre so einer. Der hat Charakter“, sagte Stephan.

Beim Verband reagierte man auf die Bewerbung des früheren Handball-Punks dagegen verhalten. „Ich weiß nicht, was er bei der Nationalmannschaft soll. Es gibt bei uns nicht ganz so viel zu organisieren wie beim Fußball“, sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier dem SID. Er bezeichnete Kretzschmar dennoch als „einen interessanten Mann“. „Er ist ein wichtiger Multiplikator für den deutschen Handball“, so Bredemeier.

Genau das zeigt sich dieser Tage auch bei der Weltmeisterschaft in Spanien. Stefan Kretzschmar ist für viele noch immer das Gesicht des deutschen Handballs - und deutlich bekannter als die meisten aktuellen Nationalspieler.

dpa

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