Bolt schlägt zurück: "Nie gezweifelt!"

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Usain Bolt hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet

Rom - Super-Sprinter Usain Bolt hat seine Vormachtstellung über die 100 Meter eindrucksvoll untermauert. Beim Diamond-League-Meeting in Rom lieferte der Jamaikaner eine riesige Show ab.

Usain Bolt sorgte auch 45 Minuten nach seinem Rennen noch für Spektakel. Der 25 Jahre alte Super-Sprinter tollte wie ein kleines Kind über den Rasen im Olympiastadion von Rom, wo 1960 Armin Hary 100-m-Gold für Deutschland gewonnen hatte. Er machte Mätzchen, warf Handküsschen in die Menge und präsentierte seine einstudierten Posen. Die etwa 50.000 Fans tobten, der für 300.000 Euro Startgeld angereiste Jamaikaner lächelte. Vor Erleichterung. Und in der Gewissheit, weiter die unangefochtene Nummer eins über 100 m zu sein.

„Nach Ostrau haben viele an mir gezweifelt - ich nie. Ich bin angetreten, um zu zeigen, dass ich es noch draufhabe. Ich bin sehr glücklich mit mir und der Zeit“, sagte Bolt, nachdem er beim dritten Diamond-League-Meeting der Leichtathleten in 9,76 Sekunden seine Jahresweltbestzeit um 0,06 Sekunden gesteigert und den Meetingrekord geknackt hatte. Sein Landsmann Asafa Powell (9,91) und Frankreichs Europameister Christophe Lemaitre (10,04) waren nur Statisten bei der Bolt-Demonstration, die mit Rock-Musik und einer etwas zu grell ausgefallenen Lichter-Show angeheizt wurde.

Am vergangenen Freitag hatte der Hobby-DJ in Ostrau noch sein langsamstes Rennen seit dem Aufstieg zum 100-m-Star abgeliefert (10, 04) und das Stadion kopfschüttelnd verlassen. Danach war über die Form des Dreifach-Weltrekordlers gerätselt worden. Für seine Leistungssteigerung hatte Bolt eine sehr menschliche erscheinende Erklärung parat. „Seit Ostrau habe ich mich viel ausgeruht, bin früh ins Bett gegangen und habe viel geschlafen“, sagte er. Zudem habe er mit seinem Trainer Glen Mills die Fehler intensiv analysiert. „Meine Form ist noch nicht perfekt, aber ich bin auf einem guten Weg“, sagte der 1,95 m große Modellathlet, „ich muss weiter hart arbeiten.“

Schließlich hat er eine Mission zu erfüllen. Bolt will bei den Olympischen Spielen in London zur lebenden legende werden und wie 2008 in Peking über 100, 200 und 4x100 m Gold holen.

Verbesserungspotenzial bietet Bolts Rennen von Rom genug. Sein Start war, nett ausgedrückt, zurückhaltend. Zwar rollte er danach in gewohnter Manier und mit raumgreifendem Schritt das Feld von hinten auf, doch spätestens bei 50 Meter verkrampfte er und verpasste so eine noch bessere Zeit. „Der Lauf muss eine fließende Bewegung sein“, sagte Bolt, „das ist der Schlüssel.“ Bisher schaffe er es noch nicht, die verschiedenen Phasen des Rennens einheitlich auf die Bahn zu bringen.

Eine Analyse, die die Laune von Asafa Powell weiter verfinsterte. Der ehemalige Weltrekordhalter hatte gehofft, Überflieger Bolt in diesem Jahr auf Normalmaß zurechtstutzen zu können. Doch hinterher saß er ernürchtert und mit versteinerter Miene vor der versammelten Presse. „Ich bin sehr enttäuscht, denn ich habe nicht mein Bestes gezeigt. Das ist hart“, sagte Powell, „ich kann schneller laufen und das will und werde ich auch demonstrieren.“ Bereits nächste Woche treffen Bolt und Powell in Oslo (Norwegen) erneut aufeinander. Mit Spannung werden auch Jamaikas Ausscheidungen für London erwartet. In Kingston geht es Ende Juni für Bolt, Powell und Weltmeister Yohan Blake, der in diesem Jahr bereits 9,84 gelaufen ist, um die Tickets für Olympia.

sid

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