Feiern unmöglich

London bremst unsere Beach-Helden

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Jonas Reckermann (l.) und Julius Brink durften nur auf Sand feiern

London - Die englischen Regelungen haben ausgerechnet in der Weltstadt London den Beachvolleyball-Olympiasiegern Julius Brink und Jonas Reckermann die Party verbaut.

Am Partymanagement müssen die Olympiasieger noch arbeiten. „Wir waren in einem Club, aber der hat dicht gemacht um drei“, berichtete Beach-Volleyballer Jonas Reckermann am Freitag. Am Abend zuvor, im Finalkrimi gegen die Weltmeister aus Brasilien, funktionierte der Plan von Reckermann und Partner Julius Brink noch - ausgerechnet bei der Siegesfeier stießen die Rheinländer in der Weltstadt London dann aber an Grenzen: „Wir wollten, aber wir konnten nicht. Wegen der Sperrstunde.“

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

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Nach dem größten Erfolg ihrer Karriere waren die Augen am Morgen trotzdem klein. „Mein Vater ist hier, daher kann ich nicht erzählen, wo wir gestern noch überall hingeklettert sind“, scherzte Brink. Zur Sieges-Sause hatte der 30-Jährige einen goldenen Hut zum Trainingsanzug getragen, mit Fans und Freunden ging es in ein italienisches Restaurant. Beach-Girl Ilka Semmler war dabei, auch die Volleyballer um Markus Steuerwald und Judoka Ole Bischof feierten den historischen Triumph - noch kein Europäer holte Gold auf Sand.

Sogar der Prinz gratulierte zur Krönung - wenn auch nur via Facebook. „Ein super Match gestern Abend. Auch ich habe vor dem Fernseher mitgefiebert“, schrieb Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski den Beach-Boys.

„Ein großes Team zu spüren, wo wir doch eigentlich immer das kleinste Team sind, das war schon unheimlich stark“, sagte Brink. Viele Sportler aus der deutschen Mannschaft waren an der Horse Guards Parade unter den 15 000 Zuschauern. Wer es nicht wie Gewichtheber Matthias Steiner ins Zentrum von London geschafft hatte, sah den dramatischen 2:1-Sieg (23:21, 16:21, 16:14) gegen Alison Cerutti und Emanuel Rego (Brasilien) im Deutschen Haus. Daheim bejubelten 9,2 Millionen TV-Zuschauer den Erfolg im vierten Anlauf.

„Als der dritte Matchball vergeben war, ist mir schon das Herz in die Hose gerutscht. Aber der Beachvolleyball-Gott war auf unserer Seite“, jubelte Brink nach der Entscheidung. Rego hatte den letzten Ball ins Aus geschmettert. „Ich habe echt versucht, den Ball zu kriegen. Zum Glück habe ich ihn nicht bekommen“, meinte Brink.

Danach gab es kein Halten mehr am Olympia-Strand. Der Leverkusener rannte wie ein aufgescheuchtes Huhn zu seinen jubelnden Hallen-Kollegen und schrie seine Freude in den Nachthimmel. Trainer und Betreuer in dem Trubel zu finden, war allerdings nicht einfach. „Mitten im Interview kam die Bande an und hat uns überfallen von hinten. Das war ein verdammt schöner Moment“, erzählte Reckermann, der erst einmal seine schwangere Frau Katja innig umarmte.

Als es endlich die ersehnte Gold-Medaille gab, konnte Brink sein Glück einfach nicht fassen. „Irgendwie konnte ich es nicht glauben, dass wir wirklich in der Mitte stehen, als letzte angekündigt. Das ist pures Glück, was man dann empfindet.“ Da machte selbst der Stress nichts aus: Ein Termin jagte am Tag nach dem Gold-Coup den anderen, erst am Abend stand mit dem Besuch bei den US-Basketballern wieder Privates an. Für danach hatte Beach-Boy Brink einen schlichten Wunsch: „Schlafen wäre irgendwann auch schon mal ganz gut.“

dpa

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