Treffen mit Putin geplant

Bach in Sotschi - IOC-Chef bezieht Zimmer im Dorf

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Thomas Bach bei seiner Ankunft.

Sotschi - IOC-Präsident Thomas Bach hat sein Zimmer im olympischen Dorf bezogen. Bis zum Ende der ersten Olympischen Winterspiele unter seiner Regie will er dort möglichst viele Nächte verbringen.

Nach der Dauerkritik an den umstrittenen Sotschi-Spielen war IOC-Präsident Thomas Bach bei seinem Einzug ins olympische Dorf sichtlich gut gelaunt. Der 60 Jahre alte Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bezog am Samstag sein Zimmer, besuchte die Mensa, scherzte mit deutschen Athleten und posierte für Erinnungsfotos. Wenigstens für kurze Zeit schienen die zahlreichen Störfaktoren der ersten Olympischen Winterspiele unter seiner Regie in den Hintergrund zu rücken.

Für den Kurort an der russischen Schwarzmeerküste sei das Großereignis „eine fantastische Chance für die Zukunft“, sagte der Ober-Olympier in einem Interview der Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“ (Samstag). In der kommenden Woche ist nach dpa-Informationen ein Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin geplant.

Sechs Tage vor der Eröffnungsfeier verkaufte sich Sotschi als „schnee- und lawinensicher“, „startklar“ und bereit, der Welt das neue Russland zu präsentieren - tatsächlich aber wurde an vielen Orten noch gebaut, gehämmert und geschraubt. Einige Unterkünfte der russischen Olympia-Volunteers - vor allem weit entfernt von den Glitzerarenen - waren noch eine Baustelle. „Die Zimmer der Athleten sind geräumig und völlig in Ordnung“, erklärte Bernhard Schwank. Hier und da hingen Kabel aus der Wand, aber nichts wirklich Beunruhigendes, so der Direktor Leistungssport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Am Samstag rückten auch die deutschen Rodler ins Dorf ein.

Für Claudia Pechstein ist ihre sechste Olympia-Teilnahme ohnehin etwas Besonderes. Es sei anders als vor einigen Jahren, offenbarte die fünffache Eisschnelllauf-Olympiasiegerin nach dem Training in der Adler-Arena. Durch ihre Sperre wegen erhöhter Blutwerte hatte sie die Spiele 2010 in Vancouver verpasst. „Ich bin stolz, wieder bei Olympia dabei zu sein, nach allem was passiert ist“, meinte die 41 Jahre alte Berlinerin. „Ich fühle mich gut und meine Erfahrung wird mir helfen.“

Olympische Erfahrung hat auch Bach genug. Der Fecht-Olympiasieger von 1976 war einen Tag nach seiner Ankunft in Sotschi um Gelassenheit bemüht. Seine erste große Bewährungsprobe als IOC-Chef geht jetzt in die heiße Phase. Bis zur Eröffnungsfeier am kommenden Freitag stehen Meetings mit IOC-Kollegen, Organisatoren, Sponsoren und Politikern an. Am Sonntag werden ihn die russischen Olympia-Macher auf der Sitzung der IOC-Exekutive über den aktuellen Stand der Vorbereitungen und die Sicherheitspläne informieren. Zudem will Bach mit seinem Kabinett die Neuausrichtung des IOC vorantreiben. In der 126. IOC-Vollversammlung von Mittwoch bis Freitag soll die Modernisierung der olympischen Bewegung ebenfalls die Hauptrolle spielen.

„Es sind noch ein paar Feinheiten zu erledigen kurz vor der Beginn der Spiele, aber das ist nichts Neues. Ich glaube, wir können sagen, Sotschi ist bereit, die besten Winter-Athleten der Welt zu begrüßen“, sagte Bach.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière will bei seinem Sotschi-Besuch mit ihm zusammenkommen. Der auch für den Sport zuständige CDU-Politiker mahnte in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Wochenendausgabe) eine Reform der Olympischen Spiele an. „Man muss Olympia wieder bescheidener machen“, sagte de Maizière und drängte Bach, entsprechende Schritte einzuleiten. Es sei zu begrüßen, dass sich das IOC frage, ob die Vergabekriterien noch die richtigen sind. Vor allem die horrenden Kosten von knapp 37,5 Milliarden Euro für die Spiele müssten überdacht werden. „Was Sotschi betrifft, stimmt natürlich nachdenklich, wenn die Kosten fast höher sind als die Kosten für die fünf vorangegangenen Winterspiele zusammen.“

In New York rief unterdessen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Einhaltung des olympischen Friedens während der Winterspiele und Paralympischen Spiele in Sotschi auf. Zugleich mahnte er besonders die Konfliktparteien in Syrien, Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik zur Waffenruhe. „Der olympische Friede ist mit der Hoffnung verwurzelt, dass Menschen und Nationen für einen Tag ihre Differenzen ruhen lassen, um darauf aufbauend, einen dauerhaften Waffenstillstand herzustellen“, sagte Ban.

dpa

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