Snowboard-Weltmeisterschaft

Laböck gewinnt Gold für toten Bruder

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Isabella Laböck hat sich mit WM-Gold ihren größten sportlichen Traum erfüllt

Stoneham - Isabella Laböck hat sich mit der Gold-Medaille bei der Snowboard-WM in Kanada ihren größten sportlichen Traum erfüllt. Ihren Sieg widmete sie ihrem vor zehn Jahren verstorbenen Bruder.

Isabella Laböck hatte sich mit WM-Gold gerade ihren größten sportlichen Traum erfüllt, als sie für einen Moment die Gedanken an die schwerste Zeit ihres Lebens einholten. „Ich habe es mir damals geschworen“, sagte die neue Weltmeisterin im Parallel-Riesenslalom über den Tod ihres Bruders Dominik vor zehn Jahren, „den Titel für ihn zu holen.“ In Stoneham/Kanada machte die 26-Jährige ihr Versprechen jetzt wahr.

„Das bedeutet mir sehr viel“, sagte sie gerührt. Wegen Dominik, der selbst Snowboarder war, seine jüngere Schwester für diesen Sport begeisterte - und 2002 bei einem Verkehrsunfall starb. Aber auch, weil sie endlich ihr Potenzial ausgeschöpft hatte. Laböck gilt seit Jahren als Verheißung. Im Weltcup war die Polizeimeisterin aus Prien am Chiemsee, die mit dem Kombinierer Björn Kircheisen liiert ist, dreimal Zweite und zweimal Dritte. 2006 wurde sie Junioren-WM-Zweite - zum ganz großen Wurf reichte es nie.

Laböck stand über Jahre im Schatten von Amelie Kober (25), der Olympia-Zweiten von 2006, der Vize-Weltmeisterin von 2007, der zwölfmaligen Weltcup-Siegerin. Kober wurde am Freitag Dritte - und freute sich mit „Bella“. Als Laböck im Finale die Österreicherin Julia Dujmovits bezwungen hatte und mit geballten Fäusten in den Schnee sank, stürzte sich Kober auf sie. „Sie hat es verdient. Mit ihr auf dem Podest zu stehen, ist ein tolles Gefühl“, sagte Kober.

„Und jetzt bin ich echt Weltmeisterin. Unglaublich!“

Auch die Kolleginnen Anke Karstens und Selina Jörg eilten herbei, der Sportdirektor Stefan Knirsch - und alle gemeinsam bildeten sie ein Knäuel, aus dem laute Jubelschreie in die Kälte drangen.

„Letzte Nacht habe ich mir in Gedanken gesagt: Morgen ist der große Tag und irgendeine von uns wird Weltmeisterin werden“, sagte Laböck, als sie sich aus dem Wust an Leibern wieder befreit hatte: „Und jetzt bin ich echt Weltmeisterin. Unglaublich!“

Irgendjemand hatte Laböck einen schwarz-rot-goldenen Schal über die Schultern gelegt. Sie sah ein bisschen aus wie ein Fan, der sich zufällig an diesen Hang verirrt hatte. Doch plötzlich wurde dieser „Fan“ zur Siegerehrung gebeten - und durfte die höchste Stufe des „Stockerls“ besteigen. Mit Tränen der Rührung in den Augen lauschte Laböck der deutschen Hymne, später schwärmte sie vom „hammergeilen Gefühl“.

"Ich habe an mich geglaubt - das ist mein Geheimnis"

Am Sonntag zum WM-Abschluss fehlte Laböck auf dem Treppchen, dafür bekam Kober ihre zweite Bronze-Medaille umgehängt. Im Parallel-Slalom hatte Laböck gegen ihre Teamkollegin im Viertelfinale das Nachsehen. Weltmeisterin wurde Jekaterina Tudegeschewa (Russland) vor Patrizia Kummer (Schweiz).

Sie habe in all den Jahren mit all den knapp verpassten Siegen „immer an mich und meine Fähigkeiten geglaubt“, sagte Laböck nach ihrem Triumph, „das ist wahrscheinlich das Geheimnis dieses Erfolges“. Der Glaube führte sie in den Endläufen zum Triumph über die leicht favorisierte Dujmovits - und zum erst zweiten WM-Titel einer Deutschen nach Heidi Renoth (Slalom-Gold 1997). Weil Kober sich im „kleinen Finale“ gegen die Norwegerin Hilde-Katrine Engeli durchsetzte, standen zum ersten Mal in der 17-jährigen WM-Geschichte zwei Deutsche auf dem Podium.

„Wir sind sehr glücklich über diese tolle Vorstellung. Das ist gut für das gesamte Team“, sagte Knirsch. Dieses Team hatte zuletzt immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, am Donnerstag erlitt die Crosserin Luca Berg in Stoneham einen Kreuzbandriss. Die Racer aber machten die WM schon am Freitag zur erfolgreichsten für deutsche Snowboarder seit 1999. Und: Am Sonntag konnten Laböck und Co. beim Parallel-Slalom sogar noch nachlegen.

SID

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