Slalom-Ass Neureuther genervt: "Kotzt mich an"

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Christian Neureuther, hier beim Slalom in Wengen.

Kitzbühel - „Eingefädelt“ oder nicht? Im Slalom geht es bisweilen um Millimeter. In Kitzbühel, wo Cristian Deville gewann, entbrannte eine Diskussion, mittendrin: Felix Neureuther, der nicht ins Finale kam.

Felix Neureuther war mal so richtig sauer. „Es kotzt mich ganz schön an“, sagte der Partenkirchner. Der Grund für seine Erregung am Fuße des aufgeweichten Slalomhangs in Kitzbühel war allerdings nicht der Fehler, der ihn die Teilnahme am zweiten Durchgang kostete. Neureuther war erbost, weil er über ein Rennen reden musste, das er längst als Erfolg abgehakt hatte.

Beim Weltcup-Slalom am 6. Januar in Zagreb hatte Neureuther gemeinsam mit Marcel Hirscher gefeiert. Der Österreicher war Erster geworden am „Bärenberg“, der Deutsche Zweiter. Dabei hätten beide gar nicht feiern dürfen - oder doch? Videoaufzeichnungen legen angeblich nahe, dass Hirscher und Neureuther jeweils „eingefädelt“ hatten in Zagreb, also ein Tor nicht richtig passierten.

„Das geht einem als Sportler ganz schön auf den Senkel“, schimpfte Neureuther, „es ist alles lächerlich.“ In Zagreb hatte es um die Fahrten von Neureuther und Hirscher keine Diskussionen gegeben. Das Ergebnis hat ohnehin Bestand. Der deutsche Renndirektor Günter Hujara aber betonte am Sonntag in Kitzbühel dennoch, die beiden seien am 6. Januar regelkonform gefahren.

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Die ersten Drei im Slalom von Kitzbühel konnten sich schnell sehr sicher fühlen. Cristian Deville aus Italien gewann sein erstes Weltcup-Rennen vor dem Österreicher Mario Matt und dem Kroaten Ivica Kostelic, der außerdem Platz eins in der Kombinationswertung belegte und nun im Gesamtweltcup führt. Fritz Dopfer erkämpfte sich auf dem ramponierten Hang Rang neun.

Eine skurrile Note verpasste Marcel Hirscher der Diskussion um das Einfädeln. Im ersten Lauf war er wegen eines vermeintlichen Torfehlers erst disqualifiziert worden, die Rennjury um den deutschen FIS-Renndirektor Günter Hujara revidierte ihre Entscheidung, Hirscher durfte als Dritter ins Finale. Dort wurde er dann disqualifiziert: eingefädelt.

Eingefädelt oder nicht? Die große Diskussion in Kitzbühel hatte am Samstag begonnen. Angestoßen wurde sie ausgerechnet von der „Kronenzeitung“ - und die ist Medienpartner des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV). ÖSV-Trainer hatten nach dem Rennen in Zagreb wie üblich ein ausgiebiges Videostudium betrieben - und ihre Beobachtungen dann wohl dem Boulevardblatt „gesteckt“.

Protestflut wird befürchtet

„Nicht mal die Experten sind sich einig. Solche Dinge sind sehr schade“, sagte Mathias Berthold, früher Cheftrainer der deutschen Frauen, inzwischen im zweiten Jahr Cheftrainer der österreichischen Männer. Schade auch, weil: „Man kann davon ausgehen, dass jetzt jede kleine Bewegung unter die Lupe genommen wird.“ Berthold befürchtet eine Protestflut nach jedem Slalom-Durchgang.

Neureuther war zuletzt beim Slalom in Adelboden aus der Wertung genommen worden - Videobilder hatten gezeigt, dass er am dritten Tor des ersten Laufs eingefädelt hatte. Nach dem Bericht der „Kronenzeitung“ hätte allerdings auch Hirscher, der das Rennen am Chuenisbärgli gewann, wegen eines Einfädlers im Nachhinein disqualifiziert werden müssen.

„Die Athleten merken es oft gar nicht, dass sie einfädeln, sie bekommen so viele Schläge ab“, sagte Berthold. Dass ab sofort ganz genau hingeschaut wird, bekam Hirscher aber schon in Kitzbühel zu spüren.

sid

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