Skiflug-WM: Kranjec neuer "König der Lüfte"

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Robert Kranjec

Vikersund - Ein Horror-Sturz kostete Robert Kranjec 1999 fast das Leben, am Samstag krönte sich der 30-Jährige zum ältesten Skiflug-Weltmeister der Geschichte.

Update vom 13. Januar 2016: Nach der Vierschanzentournee steht mit der Skiflug-WM in Bad Mitterndorf das nächste Highlight für die Wintersport-Fans auf dem Programm. Wie Sie die Skiflug-WM 2016 live und im Stream verfolgen können, lesen Sie hier.

Kurz nach dem Absprung verlor Robert Kranjec das Gleichgewicht, knallte auf den Boden, überschlug sich mehrfach und blieb nach einer nicht enden wollenden Rutschpartie regungslos liegen. Ein Horror-Sturz in Planica kostete den Skispringer 1999 um ein Haar nicht nur die Karriere, sondern sogar das Leben. „Ich hatte damals sehr viel Glück“, sagt der Slowene, der seine Laufbahn nach einer fast einjährigen Pause fortsetzen konnte - und am Samstag mit Gold bei der Skiflug-WM in Vikersund krönte.

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„No risk, no fun“, hat Kranjec einmal als sein Motto angegeben, ohne Risiko kein Spaß also. Ein Satz, der zur sportlichen Vita des Draufgängers passt wie kein zweiter. Denn richtig gut wird der Flugkünstler erst, wenn es auf die Riesenschanzen geht. Von seinen drei Weltcup-Siegen holte er zwei im Skifliegen, von elf Podestplätzen sogar sieben. „Ich spiele eben gerne mit der Luft. Mit liegt diese Herausforderung“, sagt der 30 Jahre alte Routinier.

So wie am Samstag auf dem „Monster-Bakken“ in Vikersund. Im zweiten Durchgang segelte Kranjec auf unglaubliche 244 Meter, nur zwei Menschen waren vor ihm jemals weiter gesprungen. „Zuerst konnte ich das gar nicht glauben. Ich hoffe nur, dass ich nicht aufwache und feststellen muss, dass alles nur ein Traum war“, sagte Kranjec. Er avancierte damit nicht nur zum ältesten Skiflug-Weltmeister der Geschichte, sondern auch zum ersten aus Slowenien.

In der Heimat löste der gelernte Friseur aus Ljubljana Jubelstürme aus. „Goldjunge Robi“, titelte die Sportzeitung Ekipa, König Fußball rückte in die zweite Reihe. Sogar der Staatspräsident schickte Glückwünsche. „Ganz Slowenien hat sich über Ihren WM-Sieg gefreut. Sie haben den Namens unseres Landes in die gesamte Welt getragen, ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute“, schrieb Danilo Türk.

Im kleinen Slowenien ist Skispringen schon seit Jahren ungewöhnlich populär. Nach der Bronze-Medaille bei der WM 2011 wurden Kranjec und Co. als „Mannschaft des Jahres“ geehrt. Auch für Nachwuchs ist gesorgt, vergangene Woche gab es bei der Junioren-WM im türkischen Erzurum einen slowenischen Doppelsieg.

Nun also Weltmeister Kranjec. „Als ich am Freitag ins Bett gegangen bin, habe ich kurz an einen WM-Sieg gedacht. Und jetzt ist es wahr geworden. Dabei hatte ich nicht einmal mit einer Medaille gerechnet“, sagte der neue Champion, der nach dem ersten Durchgang noch auf Rang drei gelegen hatte. Im Auslauf der Schanze verschwand Kranjec zwischen seinen jubelnden Teamkollegen, alle wesentlich jünger als der Champion.

30 Jahre - andere Springer haben in diesem Alter schon die Ski an den Nagel gehängt. Doch „Opa“ Kranjec hat noch ein großes Ziel, den Gewinn des Skiflug-Gesamtweltcups. Dort liegt er derzeit hinter dem Japaner Daiki Ito auf dem zweiten Rang, die Entscheidung fällt Mitte März in Planica - dort also, wo Robert Kranjec schon einmal das Glück hold war.

SID

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