"Das sind keine Rennschweine"

Ski-WM: Deutsche Fahrer sollen Angst besiegen

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Soll das "Rennschwein" rauslassen: Josef Ferstl will bei der WM-Abfahrt mehr riskieren.

Beaver Creek - Die Angst fuhr mit. Beim Super-G zeigten die deutschen Fahrer zu viel Respekt. Nun fordert die sportliche Führung eine Steigerung, denn die Konkurrenz ist angeschlagen. Beste Voraussetzungen für einen Außenseiter.

Am Samstag sollen die deutschen Ski-Rennläufer die "Rennschweine" rauslassen. Dann geht es bei der WM in Vail und Beaver Creek um den Titel in der Abfahrt der Männer (19.00 Uhr MEZ) - und die deutschen Fahrer sollen diesmal den Respekt am Starthäuschen abgeben. Die Voraussetzungen für einen Außenseiter-Erfolg sind gut. Denn die Konkurrenz ist nach dem Super-G angeschlagen oder gar nicht mehr dabei, weil sie auf der „Birds of Prey“ ohne Rücksicht auf Verluste fuhr.

Bode Miller (USA) steht nach einem kapitalen Sturz mit Sehnenriss in der Wade wohl vor seinem Karrierende. Top-Favorit Kjetil Jansrud, das Kraftpaket aus Norwegen, warf sich derart brutal in den knackigen Super-G-Kurs, dass er ein Tor umriss, seine Schulter arg ramponierte und am Ende nur Vierter wurde. Die Verantwortlichen des Deutschen Skiverbandes (DSV) sähen es allerdings gerne, würden auch ihre drei Fahrer die ganze Sache etwas mutiger angehen.

"Das sind keine Rennschweine"

"Sie waren viel zu vorsichtig, viel zu brav. Das musst du gnadenlos fahren, da darfst du nichts anbrennen lassen“, erklärte Alpindirektor Wolfgang Maier, nachdem die WM-Debütanten Andreas Sander, Josef Ferstl und Klaus Brandner im Super-G auf die Ränge 23, 25 und 28 gefahren waren statt wie erhofft unter die ersten 15. Weil es eben der erste Auftritt der drei bei einer WM war, „waren sie ein bisschen durch den Wind“, sagte Cheftrainer Mathias Berthold und urteilte: „Das sind keine Rennschweine.“

Maier erwartet, dass sich das am Samstag ändert: „Jetzt ist man mal drin, jetzt ist man mal gefahren, ich gehe davon aus, dass man das besser machen kann.“ Kann man, bestätigte nach dem Super-G etwa Josef Ferstl: „So mutig war ich nicht. Ich hätte mehr riskieren sollen.“

Das kann böse enden, wie das Beispiel Miller zeigte. Das kann zu schweren Fehlern führen wie bei Jansrud. Das kann aber bei klarem Kopf und brauchbarer Unbekümmertheit auch zu Resultaten führen wie im Super-G, wie der bislang fast namenlose Dustin Cook aus Kanada zeigte: Fast hätte er mit Startnummer 28 dem erschrockenen Reichelt noch das Gold weggeschnappt - nur 0,11 Sekunden fehlten. Und auch der drittplatzierte Adrien Theaux aus Frankreich war ein Überraschungsgast auf dem Podest.

SID/tgr

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