Sicherheitslücken in London vor Olympia

Terror-Verdächtige nicht kontrolliert?

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ARCHIV - Schnellboote der britischen Royal Navy fahren bei einer Übung über die Themse in London.

London - Zwei Wochen vor der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele kämpft der Gastgeber London mit gravierenden Sicherheitslücken.

Laut eines Berichts der britischen Sonntagszeitung The Observer sind in den vergangenen Wochen in mindestens drei Fällen Terror-Verdächtige, die auf der Liste des Innenministeriums stehen, nach der Ankunft am Großflughafen Heathrow durchgewunken worden - ohne zuvor den vorgeschriebenen Kontrollen unterzogen zu werden.

Der Observer beruft sich auf Informationen eines Sicherheitsbeamten, der anonym bleiben wollte. Der Mann berichtet von zu wenigen und meist auch noch unerfahrenen Kollegen („Das sind alles neue Gesichter“). Und: „Der Rest des Personals, ich weiß gar nicht, wo die alle herkommen, für welchen Zeitraum sie hier sind. Sie scheinen dazu gezwungen worden zu sein, hier aufzutauchen.“

Ein anderer Kollege berichtete von fünf verdächtigen Personen, die an nur einem Tag ohne die vorgeschriebene Kontrolle durch Anti-Terror-Einheiten nach England gelangt seien: „Wenn sie einmal drin sind, weiß man nicht, wohin sie gehen werden.“

In der vergangenen Woche war eine erhebliche Panne der Organisatoren im Sicherheitskonzept für die Sommerspiele (27. Juli bis 12. August) öffentlich geworden. Die Firma G4S sollte 10.400 Mitarbeiter rekrutieren, verfehlte das Ziel jedoch deutlich, weshalb das britische Militär kurzfristig mit weiteren 3500 Soldaten aushelfen muss.

Das Unternehmen bat am Samstag um Entschuldigung. „Wir sehen ein, dass wir die Herausforderung unterschätzt haben, Personal für die Spiele zur Verfügung zu stellen. Das bedauern wir zutiefst“, sagte Geschäftsführer Nick Buckles. Das Privat-Unternehmen muss wahrscheinlich Entschädigungszahlungen in Höhe von bis zu 20 Millionen Pfund leisten. Zudem wird G4S das Verteidigungsministerium für die Abstellung der 3500 zusätzlichen Soldaten entschädigen müssen.

Insgesamt werden 17.000 Mitglieder der Army, Navy und Air Force rund um die dritten Sommerspiele in London nach 1908 und 1948 im Einsatz sein. Neben den Soldaten zeichnen mehr als 30.000 Personen für die Sicherheit verantwortlich: Die Polizei stellt 12.500 Beamte für Olympia ab, der britische Geheimdienst MI5 nochmals 3800 Agenten. Seitens privater Sicherheitsdienste sind 16.000 Mitarbeiter vor Ort.

sid

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