Simoncelli: Italien weint - Hört Rossi jetzt auf?

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Simoncellis Freundin Kate (r.) weint um ihren Marco

Düsseldorf - Tifosi in Tränen: Ganz Italien weint um sein tödlich verunglücktes Motorrad-Idol Marco Simoncelli. Eine Zeitung spekuliert, ob der geschockte Unglücksfahrer Valentino Rossi nun sogar zurücktritt.

Die Tragödie um den 24-Jährigen, der beim Malaysia-Grand-Prix am Sonntag sein Leben ließ, verdrängte am Tag danach auch Politik und Euro-Krise von den Titelseiten der italienischen Zeitungen.

MotoGP-Pilot Simoncelli stirbt bei Unfall - Angehörige trauern

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“Ciao, großer Marco, Italien verliert einen wahren Motorrad-Meister, aber vor allem einen wunderbaren Menschen, der uns allen fehlen wird“, schrieb der Corriere dello Sport. Der frühere Weltmeister war im MotoGP-Rennen gestürzt und von den nachfolgenden Motorrädern von Colin Edwards und Valentino Rossi erfasst und überrollt worden. Er erlag noch an der Rennstrecke seinen schweren Verletzungen.

Rossi mit den Nerven fix und fertig

Rossi stand unter Schock und war nicht in der Lage, einen Kommentar abzugeben. Der neunmalige Weltmeister wollte in der Stunde der Trauer alleine sein und mit niemandem sprechen. “Valentino ist fix und fertig, das geht ihm sehr nahe“, sagte Ducati-Teammanager Vittoriano Guareschi, der einer der wenigen Menschen war, die Kontakt zu Rossi hatten.

Erst spät abends meldete sich Rossi via Twitter kurz. “Sic war für mich wie ein jüngerer Bruder. Er war auf der Strecke stark und im normalen Leben so wunderbar. Ich werde ihn sehr vermissen“, teilte der Motorrad-Star mit. Rossi wird sich unweigerlich Vorwürfe machen und eine Mitschuld geben.

Doch die Videoaufnahmen belegen: Rossi trifft keine Schuld. Bei Tempo 200 hatte er einfach keine Chance, seinem am Boden liegenden Landsmann auszuweichen. Rossi habe einen Albtraum erlebt, denn er habe einen Freund überfahren, befand der Corriere della Sera. Dieser Tag könnte für Rossi durchaus Konsequenzen haben, mutmaßt die Zeitung: “Jetzt könnte Rossi sogar an den Rückzug vom Motorsport denken.“

Faszinierende und grausame Sportart

In den italienischen Zeitung war aber nirgends ein Wort der Schuldzuweisung zu lesen. “Der Tod Simoncellis war eine jener Tragödien, wie sie immer wieder im Motorsport vorkommen können“, kommentierte die Gazzetta dello Sport. Die Formel 1 habe Rennfahrer wie Ayrton Senna verloren, und der Motorradsport trauere jetzt um Simoncelli. Der Motorsport sei eine faszinierende und grausame Sportart zugleich, hieß es in der Gazzetta: “Im Motorsport gibt es keine Mauer zwischen den Rennfahrern und dem Tod.“

Die Welt werde die Horror-Bilder, als Simoncellis Körper leblos auf dem Asphalt lag, für lange Zeit nicht vergessen können, schrieb Tuttosport. Am 23. Oktober sei der Motorsport gestorben. Zumindest jener, der die Triumphe Rossis erlebt hat und die Hoffnung hatte, dass Simoncelli sein Erbe sein würde: “Der Tod hat einen Piloten erreicht, der die Zukunft des Motorradsports war.“

Der Corriere dello Sport würdigte nicht nur den Rennfahrer, sondern auch den Menschen Marco Simoncelli. “Marco ist trotz der Erfolge das geblieben, was er war: Menschlich, lustig, glücklich. Er war der letzte Mensch in einer Welt von Robotern. Marco war pure Lebensfreude.“

Für die Zeitung La Repubblica war es Schicksal: “Er starb ausgerechnet auf der Rennstrecke, auf der er seine einzige Weltmeisterschaft gewonnen hat.“ 2008 hatte Simoncelli in Malaysia den WM-Titel in der 250er Klasse gewonnen.

dapd

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