Sie kamen mit dem Bus

Nordkoreas Eishockey-Frauen im Süden empfangen - Kritik per Petition

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Zwölf Spielerinnen der nordkoreanischen Eishockey-Nationalmannschaft treffen am nationalen, südkoreanischen Eishockey-Traingszentrum in Jincheon ein und werden unter anderem von der südkoreanischen Eishockey-Nationaltrainerin Sarah Murray (M.) begrüßt.

Zwölf nordkoreanische Eishockey-Spielerinnen sind am Donnerstag in Südkorea eingetroffen. Gemeinsam mit dem verfeindeten Nachbarn wollen sie bei Olympia in Pyeongchang Geschichte schreiben.

Seoul/Berlin - Es hatte etwas von einem Familienfoto. Grinsend und mit bunten Blumensträußen ausgestattet, posierte das neue Eishockey-Team Koreas im Blitzlichtgewitter. Zwölf Spielerinnen aus dem kommunistischen Norden waren am Donnerstag bei Kaesong mit dem Bus über die Grenze in den Süden gefahren. Dort will man mit dem verfeindeten Nachbarn in einer vereinten Auswahl bei Olympia in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) Geschichte schreiben.

"Ich bin froh, dass der Norden und der Süden zusammengekommen sind, um den Wettkampf zu bestreiten", sagte Nordkoreas Trainer Pak Chol Ho nach der Ankunft im Eishockey-Trainingszentrum Südkoreas in Jincheon. Wegen der eisigen Kälte von minus elf Grad Celsius trugen die Nordkoreanerinnen dicke und einheitliche Sportjacken, auf denen die Nationalflagge aufgestickt war. Ihre neuen Teamkolleginnen aus dem Süden und deren kanadische Trainerin Sarah Murray empfingen die Gäste gemeinsam mit einem großen Medienaufgebot.

"Korea" läuft unter Vereinigungsflagge Olympic Stadium ein

Bei einem Gipfeltreffen der beiden Länder am vergangenen Samstag beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne war beschlossen worden, dass ein gemeinsames Frauen-Eishockeyteam an den Start gehen wird. Es ist das erste Mal in der Olympia-Geschichte, dass Sportler aus dem Norden und Süden Koreas gemeinsam einen Wettkampf bestreiten.

Darüber hinaus werden sämtliche Athleten beider Länder bei der Eröffnungsfeier - wie schon bei den Sommerspielen 2000 in Sydney und 2004 in Athen sowie bei den Winterspielen 2006 in Turin - gemeinsam als "Korea" hinter einer Vereinigungsflagge ins Pyeongchang Olympic Stadium einlaufen.

Kritik aus Südkorea: Petition mit 40.000 Unterschriften

IOC-Präsident Thomas Bach unterstrich am Mittwoch noch einmal die Bedeutung eines gemeinsamen Starts. "Ich denke, das wird ein Moment voller großer Gefühle für die koreanischen Menschen, aber auch für Menschen anderer Länder", sagte Bach und reagierte damit auf die Kritik aus dem Süden. Die Korea Times hatte berichtet, dass es in Südkorea eine Online-Petition mit rund 40.000 Unterstützern gebe, die die Abkehr der getroffenen Entscheidung fordere.

Auch innerhalb der südkoreanischen Eishockey-Frauenmannschaft gab es Unmut. Sie sei anfangs "geschockt" gewesen, verriet Murray. Die Idee einer gemeinsamen Mannschaft aus Nord und Süd an sich gefalle ihr, "aber es ist etwas anderes, jetzt so kurz vor Olympia Spielerinnen aufnehmen zu müssen als vor zwei, drei Jahren." Von den zwölf Nordkoreanerinnen müssen mindestens drei auch tatsächlich auflaufen. Sportlich hat Südkorea, das 23 Spielerinnen stellt, den Norden im Frauen-Eishockey mittlerweile überflügelt.

Bach: Seit 2014 Gespräche mit dem Norden über Olympia-Teilnahme

Bach betonte, dass der Wunsch einer Olympia-Teilnahme Nordkoreas, den Diktator Kim Jong Un erstmals bei seiner Neujahrsansprache vor wenigen Wochen geäußert hatte, für ihn nicht ganz so überraschend gekommen sei. Seit 2014 habe es Gespräche mit dem Norden über eine Teilnahme gegeben. Die Reaktionen aus dem Norden seien "nie ganz negativ gewesen", so Bach, "mal nüchtern, mal positiv". Das IOC habe immer die Hoffnung gehabt, dass der Norden in Pyeongchang dabei sein würde.

SID

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