Überraschend Erster im Continental-Cup

Schmitt mit Sieg im Gepäck zur Tournee

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Martin Schmitt (Archivfoto)

Engelberg - Skisprung-Altmeister Martin Schmitt hat nach einem Überraschungssieg das Ticket für seine 17. Teilnahme an der Vierschanzentournee praktisch sicher.

Mit einem überraschenden Sieg und neuem Selbstbewusstsein im Gepäck tritt Skisprung-Oldie Martin Schmitt die Last-Minute-Reise zu seiner 17. Vierschanzentournee an. „Ich habe endlich den Aufwärtstrend aus dem Training auch im Wettkampf umgesetzt. Ich freue mich über diesen Erfolg und jetzt auf die Tournee“, sagte der 34-Jährige nach seinem unerwarteten Tagessieg im zweitklassigen Continental-Cup in Engelberg/Schweiz. Auf den letzten Drücker und nach fast einem Jahr Pause gelang dem Oldie die ersehnte Rückkehr in das deutsche Weltcup-Team.

Schmitt sprang auf der Titlisschanze in der Schweiz auf starke 135,0 und 133,5 Meter. Damit erreichte der Team-Olympiasieger von 2002 in beiden Durchgängen die Bestweite und gewann mit 263,8 Punkten deutlich vor dem Polen Stefan Hula (253,5). „Martin hat sich diesem sportlichen Wettkampf bravourös gestellt. Es gibt keine Diskussion, dass er dabei ist“, sagte Bundestrainer Werner Schuster: „Dass er heute gewonnen hat, ist perfekt.“ Dritter wurde Felix Schoft (Partenkirchen/251,8), der wie Daniel Wenig (Berchtesgaden) zur Tournee fährt.

Schuster warnte aber auch vor übertriebener Euphorie. „Wenn jemand im Continental Cup gewinnt, ist er bei der Tournee nicht gleich Siegfavorit. Weder morgen, noch übermorgen. Nach unseren Erfahrungswerten kann ein Sieger aus diesem Wettbewerb etwa auf Platz 20 im Weltcup springen“, sagte der Coach. Seinem Schützling zollte er dennoch Respekt: „Martin ist sehr vorbildlich den Weg gegangen, den wir ihm vorgegeben haben. Er ist auf dem aufsteigenden Ast.“

Für Schmitt war das Tournee-Ticket ein verspätetes Weihnachtsgeschenk: Während neun deutsche Springer um Mitfavorit Severin Freund (Rastbüchl) ihr Ticket bereits vor den Feiertagen erhalten hatten, musste der viermalige Weltmeister den ungewohnten Umweg über die Schweiz gehen. Dort, beim zweitklassigen Continental Cup, überzeugte der Altmeister seinen Trainer Schuster mit den Rängen sechs und eins. „Er hat sich bei extremem Regenwetter gut geschlagen und den Eindruck aus dem letzten Trainingslehrgang bestätigt“, sagte Schuster.

Noch am Freitag stieg Schmitt ins Auto, um die vierstündige Fahrt nach Oberstdorf anzutreten, wo 24 Stunden später schon die Qualifikation für das Auftaktspringen wartete. Für den Team-Olympiasieger endet damit ein schwarzes Jahr, das am 1. Januar mit seiner Ausbootung bei der Tournee begonnen hatte. Anschließend bereitete sein Knie immer wieder Probleme, der Schwarzwälder wurde operiert, verlor den Anschluss und musste tatenlos zusehen, wie Freund, Andreas Wellinger und Co. von Erfolg zu Erfolg flogen. Schmitt stieg in die 2. Liga des Skispringens ab, absolvierte die Ochsentour ohne Murren und wurde nun mit dem Tournee-Ticket belohnt.

Über ausreichend Erfahrung bei dem ersten Saisonhöhepunkt des Winters verfügt der Dauerbrenner aus Furtwangen, die vier Schanzen kennt er wie seine Westentasche. Noch an Neujahr 2011 sprang er in Garmisch-Partenkirchen auf Platz sieben, was bis heute sein letztes Top-10-Ergebnis im Weltcup ist. 1998, 1999 und 2000 gewann er beim Auftakt in Oberstdorf. Zum Gesamtsieg reichte es aber nie: Platz drei in den Jahren 1999/2000 und 2000/2001 war das Maximum.

Bei seiner 17. Teilnahme wäre es dennoch überraschend, wenn Schmitt überhaupt bis zum Ende dabei wäre. Denn in Innsbruck (4.1.) und Bischofshofen (6.1.) dürfen nur noch sieben statt zwölf deutsche Adler an den Start gehen. Wie es danach weitergeht, ist offen. „Wenn ich die Tournee nicht zu Ende fahren kann und ich sehe, dass ich weit weg von der Spitze bin, muss ich mir Gedanken machen“, hatte Schmitt zuletzt gesagt.

Bis dahin aber kann Schmitt, dessen letzter Weltcup-Sieg vom 1. März 2002 datiert, im jungen deutschen Team noch andere Rollen übernehmen. „Martin hat eine hohe soziale Funktion. Mit seiner Offenheit und Trainingsintensität lebt er den jungen Athleten etwas vor“, erklärte Schuster.

sid

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