Schlierenzauer springt in den siebten Himmel, DSV-Team schwach

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Gregor Schlierenzauer ist der Sieger der Vierschanzentournee 2012.

Bischofshofen - Als „Dominator“ Gregor Schlierenzauer den Jubel der 26.000 Zuschauer genoss, standen die deutschen Skispringer enttäuscht im Abseits. Kurz vor seinem Geburtstag beschenkte sich der Österreicher selbst mit einem triumphalen Sieg.

Der Österreicher gewann einen Tag vor seinem 22. Geburtstag erstmals die Vierschanzentournee, dagegen blieb für die DSV-Mannschaft nach einem Abbruch-Springen in Bischofshofen als bestes Ergebnis nur Rang zehn durch Richard Freitag (Aue). In der Gesamtwertung belegte Severin Freund (Rastbüchl) am Ende als bester Deutscher den siebten Platz.

„Ich hatte eine gute erste Tournee-Hälfte, danach lief es leider nicht mehr so gut. Ich will daraus lernen und es künftig besser machen“, sagte Freund, der in Bischofshofen auf Rang 30 abstürzte. Auch im dritten Jahr in Folge fuhr das deutsche Team somit ohne Podestplatz nach Hause, einziger Trost waren sieben Top-10-Plätze. Besser als der 23 Jahre alte Freund war in der Endabrechnung zuletzt Martin Schmitt 2008/2009 als Vierter.

Im Mittelpunkt einer rot-weiß-roten Party stand aber Gregor Schlierenzauer, der sich ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk machte: Nach seinen Tagessiegen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen sowie Platz zwei in Innsbruck reichte dem Weltmeister ein dritter Platz, um in der Gesamtwertung mit 933,8 Punkten seine Teamkollegen Thomas Morgenstern (908,0) und Andreas Kofler (896,9) auf die Plätze zu verweisen. Es war der vierte Tournee-Gesamtsieg eines Österreichers in Folge - Rekord.

Der entthronte Tourneesieger Morgenstern holte sich nach zahlreichen Verschiebungen und Unterbrechungen den Tagessieg vor dem Norweger Anders Bardal. Weltcup-Spitzenreiter Kofler, vor dem Springen noch Zweiter der Gesamtwertung, musste sich nach einem Hüpfer mit dem 27. Platz begnügen. „Ich habe alles riskiert und alles verloren“, sagte Kofler.

Neben Freitag und Freund schafften es auch Maximilian Mechler (Isny/14.) und Michael Neumayer (Berchtesgaden/17.) in die Punkte. Andreas Wank (Oberhof/31.) und Stephan Hocke (Schmiedefeld/44.) schafften es dagegen nicht in den zweiten Durchgang. Für die deutsche Mannschaft endete damit eine insgesamt enttäuschende Tournee.

Die mit großen Hoffnungen gestarteten Freund und Freitag erfüllten die hohen Erwartungen nicht, mehr als Freunds vierter Rang in Oberstdorf war nicht drin. Am Ende nicht mehr dabei war Altmeister Martin Schmitt (Furtwangen), der nach schwachen Leistungen zur Halbzeit die Heimreise antreten musste. Damit geht auch die deutsche Wartezeit auf einen großen Erfolg weiter: Letzter DSV-Adler auf dem Podest war Michael Neumayer 2007/2008 als Gesamt-Dritter. Schlierenzauer ging mit einem Vorsprung von umgerechnet zehn Metern in den letzten Wettkampf und ließ dort nichts mehr anbrennen. Als Belohnung gab es eine Prämie von 20.000 Schweizer Franken (knapp 16.200 Euro).

Nach dem Gewinn des Gesamtweltcups, dem Team-Olympiasieg und fünf Weltmeistertiteln fehlt dem 21-Jährigen in seiner imponierenden Sammlung nur noch olympisches Gold in einem Einzelwettbewerb.

Sorgen gab es dagegen um Lukas Hlava. Der Tscheche zog sich einer ersten Diagnose zufolge bei einem Sturz einen offenen Nasenbeinbruch zu. Der 27-Jährige war nach der Landung zu Fall gekommen und mit voller Wucht in den Schnee geknallt. Hlava wurde auf einem Schlitten aus dem Stadion gebracht.

Vorausgegangen war ein stundenlanger Kampf um die Durchführung des Wettbewerbs. Mit Kunstdünger versuchte die Jury, die Spur vom feuchten Schnee zu befreien. „Chemie war das letzte Mittel“, sagte FIS-Renndirektor Walter Hofer. Hocke war in der später abgebrochenen Qualifikation im Anlauf stark gebremst worden und beinahe gestürzt. „Es hat mich gewundert, dass einige meiner Kollegen zu diesem Zeitpunkt ihre Sportler noch runtergelassen haben“, sagte Österreichs Chefcoach Alexander Pointner. Am Ende wurden die Bemühungen mit einem halbwegs fairen Wettkampf belohnt - und mit einem strahlenden „Dominator“ Gregor Schlierenzauer.

SID

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