Schlierenzauer jagt den Hanni-Rekord

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Der österreichische Skispringer Gregor Schlierenzauer freut sich am Sonntag in Garmisch-Partenkirchen bei der Siegerehrung beim zweiten Springen der 60. Vierschanzentournee von der Olympiaschanze über seinen Sieg.

Garmisch-Partenkirchen - Sven Hannawald muss weiter um seinen Rekord bei der Vierschanzentournee zittern, denn: Gregor Schlierenzauer triumphierte auch beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.

Als Führender im ersten Durchgang behielt der Österreicher auch als letzter Springer die Nerven und verwies Teamkollege Andreas Kofler auf den zweiten Rang. Platz drei belegte überraschend der Japaner Daiki Ito,  Severin Freund landete als bester DSV-Adler auf Rang sieben. „Das waren nicht die besten Sprünge, umso schöner ist es, wenn man trotzdem vorne steht“, sagte Schlierenzauer

Aus dieser Aussage lässt sich einiges herauslesen. „Schlieri“ ist immer auf der Suche nach Perfektion, speziell bei der Tournee, denn die will er unbedingt gewinnen. Und dafür braucht es konstant gute Sprünge. Der 21-Jährige hat bereits jetzt fast nur das Gesamtklassement im Kopf. Ein bisschen konnte er sich dann aber schon freuen über seinen zweiten Sieg bei der diesjährigen Tournee und die damit verbundene Chance auf den Jackpot von einer Million Schweizer Franken für einen möglichen Vierfach-Sieger. Bei der Siegerehrung lächelte er und schloss bei der neuen österreichischen Nationalhymne die Augen. Mama Angelika kullerte im Publikum eine Träne über die Wange.

„Es war ein sehr schöner Tag“, sagte Schlierenzauer. „Der Rekord und die Prämie gehen mir jetzt aber nicht durch den Kopf. Bis dahin ist noch ein langer Weg. Jetzt freue ich mich auf den Ruhetag.“ ZDF-Experte Toni Innauer bewertete die Leistung von Schlierenzauer so: „Seine Sprünge waren gut, aber nicht genial. Sie waren nicht frisch und frei von der Leber weg, er wollte es runterbringen.“

Die deutschen Adler präsentierten sich stark in der Breite, konnten aber nicht ganz vorne in der Spitze mitmischen. „Garmisch war bisher noch nie ein besonderes Pflaster für mich, warten wir lieber ab“, meinte Freund vor dem Springen. Ein bisschen hat er leider recht behalten. Nach dem ersten Durchgang lag er noch auf Platz zwei, ein mittelmäßiger zweiter Sprung warf ihn dann nach hinten. „Es geht halt mal einer daneben, Platz sieben ist immer noch in Ordnung“, so Freund. Woran es lag, war aus seiner Sicht schnell analysiert: „Beim Absprung am Tisch war zu viel Gewalt im Spiel, daduch hat dann die Leichtigkeit im Flug gefehlt.“

Michael Neumayer (17.) und Andreas Wank (20.) schafften es noch unter die Top 20. Richard Freitag und Stephan Hocke belegten die Plätze 25 und 26. Bundestrainer Werner Schuster war so weit zufrieden: „Bei den Springen in Österreich haben wir mehr Ruhe, da werden wir versuchen, wieder zurückzuschlagen.“ Das kommt hoffentlich auch New-comer Freitag entgegen. Der Hoffnungsträger springt noch den Erwartungen hinterher. Schuster nimmt ihn aber in Schutz: „Er ist ein junger Springer, er darf auch mal einen Fehler machen. Im Gegensatz zum Weltcup sprint er bei der Tournee halt nicht mehr so befreit.“ Zufrieden mit der Vorstellung seiner Burschen war ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner: „Gregor ist sehr klug gesprungen, er wollte keinen Sturz riskieren. Kofler hat im zweiten Durchgang noch mal super zugelegt. Durch die guten Ergebnisse wächst unser Selbstvertrauen. Wir freuen uns auf unsere Fans daheim in Österreich. Druck haben wir dadurch keinen, es ist eher eine Bereicherung.“ So wie es im Moment aussieht, machen Schlierenzauer und Kofler den Sieg unter sich aus. Kofler hat dabei noch nicht ganz aufgesteckt: „Gott sei Dank konnte ich im zweiten Durchgang noch einen draufpacken.“ Auf die Frage, wann er den ersten Tourneesieg hole, antwortete er kaiserlich-diplomatisch mit einem „Schau ma moi.

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