Schlierenzauer gewinnt Auftakt - Freund Vierter

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Das Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf hat der Österreicher Gregor Schlierenzauer gewonnen.

Oberstdorf - Gregor Schlierenzauer hat das Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf gewonnen. Als bester Deutscher hat es Severin Freund auf den vierten Platz geschafft.

Severin Freund schaute dankbar gen Himmel, Richard Freitag atmete tief durch, nur Martin Schmitt stürmte wortlos aus dem Stadion: Als der Auftakt der 60. Vierschanzentournee in Oberstdorf um 19.57 Uhr endlich beendet war, steckte den deutschen Adlern ein chaotischer Tag deutlich in den Knochen. Beim Sieg des überragenden Weltmeisters Gregor Schlierenzauer (Österreich) weckte besonders Freund als Vierter Hoffnungen auf einen starken Tournee-Verlauf.

„Ein Podestplatz wäre das Sahnehäubchen gewesen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster, der dennoch „voll zufrieden“ war. Auch Freund (Rastbüchl) fand es „etwas schade, dass es nicht gereicht hat. Aber das ist eine Ausgangsposition, die man sich wünscht.“ Am Ende fehlten dem Shootingstar ganze 0,3 Punkte zum Podest. Zimmerkollege Richard Freitag (Aue) musste sich dagegen mit Rang zehn begnügen. Martin Schmitt (Furtwangen) verpasste nach enttäuschender Vorstellung den zweiten Durchgang.

Ganz oben demonstrierten die Austria-Adler mit einem Dreifachsieg ihre Stärke: Schlierenzauer gewann mit 283,3 Punkten deutlich vor Weltcup-Spitzenreiter Andreas Kofler (265,2) und Titelverteidiger Thomas Morgenstern (264,3). Mit seinem Erfolg stieg „Schlieri“ auch zum Topfavoriten der Tournee auf: Zuletzt hatten sowohl Kofler (2009) als auch Morgenstern (2010) mit Platz eins in Oberstdorf den Grundstein zum späteren Gesamtsieg gelegt. Eine Schrecksekunde erlebten die 20.500 Zuschauer bei einem Sturz von Tom Hilde (Norwegen), der auf einem Schlitten aus dem Stadion gebracht wurde, den Zuschauern aber bereits zuwinken konnte.

Hoffnungsträger Freitag durfte froh sein, überhaupt noch im Rennen zu sein. Der erste Sprung misslang dem 20-Jährigen völlig, zu seinem Glück entschied sich die Jury wegen heftigen Schneefalls später zu einem Neustart. „Es hat heute nicht gepasst. Meine Stimmung ist trotzdem ganz gut. Wir müssen das jetzt analysieren, dann will ich zur Normalform zurückfinden“, sagte Freitag.

Eine starke Vorstellung zeigte derweil Stephan Hocke. Der 28-Jährige aus Schmiedefeld zog als „Lucky Loser“ in den zweiten Durchgang ein, wo er sich bis auf den achten Platz vorkämpfte. Weltcup-Punkte sammelten zudem Maximilian Mechler (Isny) und Markus Eisenbichler (Siegsdorf) auf den Rängen 27 und 30.

Zuvor war der chaotische erste Versuch des ersten Durchgangs nach 75 Minuten und nur 35 Sprüngen abgebrochen worden. Für zahlreiche Skisprung-Größen war die Entscheidung ein Segen: Neben Freitag hätte den zweiten Durchgang auch Mitfavorit Martin Koch (Österreich) verpasst und seine Hoffnungen auf eine gute Tournee-Platzierung früh begraben können. Auch der spätere Sieger Schlierenzauer lag bereits deutlich zurück.

„Der sportliche Wert des Durchgangs war in Frage gestellt, daher haben wir uns zum Abbruch entschieden“, sagte FIS-Renndirektor Walter Hofer: „Je länger es dauerte, desto schneller kamen wir an unsere Grenzen.“ Für die Entscheidung gab es Lob aus nahezu allen Lagern. „Die Jury ist nicht zu beneiden. Sie hat für den Sport und die Tournee die beste Entscheidung getroffen“, sagte nicht nur Bundestrainer Schuster.

Während des Schneetreibens waren zalhreiche Trainer der Verzweiflung nahe. „Da werden einige Sportler vorgeführt, die die Aushängeschilder unserer Sportart sind“, sagte Österreiches Nationalcoach Alexander Pointner, dessen Schützlinge reihenweise abgestürzt waren. Auch die Springer suchten verzweifelt nach einem Ausweg und schüttelten immer wieder den Kopf, bis die Jury endlich abbrach.

Die 60. Vierschanzentournee wird schon am Samstag in Garmisch-Partenkirchen mit der Qualifikation für das Neujahrsspringen fortgesetzt. Die weiteren Stationen sind Innsbruck (3./4. Januar) und Bischofshofen (5./6. Januar). Für vier Siege gibt es erstmals eine Millionen-Prämie in Schweizer Franken (ca. 810.000 Euro). Damit muss sich aber nur noch Gregor Schlierenzauer beschäftigen.

sid

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