Krantz und Seeger: Das ging in die Binsen

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Die WM-Teilnehmerinnen Sabine Krantz und Melanie Seeger sind beim Gehen auch über Regeln gestolpert

Daegu - Gehen ist kompliziert - und unpopulär. Die WM-Teilnehmerinnen Sabine Krantz und Melanie Seeger stolperten in Daegu auch noch über Regeln, die gar nichts mit dem Rennen zu tun hatten.

Sabine Krantz saß deprimiert im Umkleidezelt und schaute sich den Rest des Wettkampfs im Fernsehen an. Melanie Seeger stieg erstmals in ihrer Karriere aus - eine Runde vor Schluss und freiwillig. Für die beiden deutschen Geherinnen lief es über 20 Kilometer bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Daegu/Südkorea überhaupt nicht. “Das ist traurig für uns alle“, sagte Bundestrainer Ronald Weigel am Mittwoch.

Die Wattenscheiderin Krantz gab beim dritten Titelgewinn der russischen Olympiasiegerin Olga Kaniskina, die 1:29:42 Stunden benötigte, nach 10 Kilometern auf und war zu keiner Stellungnahme zu bewegen. Ihr Trainer Heiko Schulze bat um Verständnis: “Nach dem Trara möchte sie nicht viel erzählen.“

Um den Start der 30-Jährigen hatte es vor der WM ein ziemliches Hickhack gegeben. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte es versäumt, den Qualifikations-Wettkampf in Erfurt, wo Krantz die Norm gegangen war, beim Weltverband anzumelden. So zählte ihre Zeit nicht und die EM-Sechste hatte ihre Reise nach Daegu schon abgehakt. Auf Intervention von DLV-Präsident Clemens Prokop lenkte die IAAF aber noch ein. “Wir hatten uns 45 Wochen lang mit 130 Kilometern in der Woche auf die WM vorbereitet“, sagte Schulze. “Dann haben sie uns den Stecker rausgezogen, die Spannung war für drei Wochen komplett raus.“

Krantz richtete ihr Planung schon auf die Olympia-Vorbereitung für London 2012 aus. Als doch noch Grünes Licht für die WM kam, “war es für eine Topathletin wie Sabine mental ganz schwierig“ (Schulze). Der Trainer kämpfte mit den Tränen und betonte: “Das geht mir echt nahe. Ich war noch nie so stolz auf sie, dass sie sich gestellt und das Beste noch rausgeholt hat.“

In eine komplizierte Situation geriet auch Seeger. Die 34-Jährige wurde nach einem Kilometer bereits verwarnt, dann gab es zwei Anträge der Kampfrichter auf Disqualifikation. So beendete die Olympia-Fünfte von 2004, die nach 15 Kilometern auf Platz 17 gelegen hatte, das Rennen kurz vor Schluss. “Ich bin noch eine Runde ein bisschen gewandert und habe gedacht: Was mache ich, was mache ich bloß? Aber dann wollte ich es nicht riskieren, beim Weltcup-Finale am 17. September nicht dabei sein zu können“, sagte sie. “Da kann man richtig viel Geld verdienen.“

Für die Teilnahme im spanischen La Coruña, wo die IAAF 200 000 US-Dollar (138 500 Euro) an Preisgeld ausschüttet, muss man drei Wettkämpfe vorweisen. Bei einer Disqualifikation zählt das Rennen nicht als Teilnahme, bei einer Aufgabe schon. “Sehr blöde Regel“, sagte Seeger. “Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Ich bin noch nie ausgestiegen. Da ist es für mich im Moment schwer, damit umzugehen.“

Die Grundschullehrerin hatte vor einiger Zeit ihre Technik umgestellt, wegen Kniestreckung wurde sie nun angezählt. “Ich möchte die Bilder gerne mal sehen. Bei den Filmaufnahmen vom Training war nichts dergleichen zu erkennen.“ Auch Bundestrainer Weigel rätselte: “Die anderen haben ihr vorher Komplimente für ihre tolle Technik gemacht.“ Der dreifache Medaillengewinner bei Olympischen Spielen litt auch mit Krantz: “Das geht natürlich auf die Psyche einer Athletin, was da vorher passiert ist.“

Damit verpassten die beiden Geherinnen auch die große Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Die oft belächelten Sportlerinnen führen ein Schattendasein in der Leichtathletik, hatten aber am “Ruhetag“ in Daegu den einzigen Wettkampf. Bei Kaniskinas Triumph auf dem Kurs in der Innenstadt ging Silber an die Chinesin Liu Hong, Bronze an Anisja Kirdjapkina (Russland).

dpa

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