Gold-Party endet ernüchternd

Bestohlener Harting schläft in S-Bahn

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Robert Harting hatte nach seiner Gold-Party Ärger

London - Diskuswerfer Robert Harting vollendet einen historischen Gold-Hattrick. Nur nach der rauschenden Sieger-Party geht so einiges schief. Am Ende schläft er in der S-Bahn.

Der Schrecken kam im Morgengrauen. Nachdem sich Robert Harting bei einer feuchtfröhlichen Party mit reichlich Cuba Libre im Champions Club auf der MS Deutschland müde getanzt hatte, war auch die Goldmedaille kein Freifahrtschein ins Olympische Dorf. Ohne Akkreditierung geht dort nichts.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

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Akkreditierungen und Ausrüstung aber waren dem Olympiasieger gestohlen worden. „Ich hatte sie abgelegt, als ich mich den Gästen gewidmet habe. Wenn ich den Kerl erwischt hätte, er hätte schwimmen können müssen, denn die Themse war in der Nähe“, berichtete Harting und versprach: „Auf die Goldmedaille werde ich besser aufpassen.“

Weil er nicht mehr ins Olympische Dorf kam, sah Harting nach seiner Feier zunächst auch kein Bett. „Ich habe nur eine Stunde in der S-Bahn auf dem Stuhl geschlafen“, berichtete er, später, nach einem Frühstück „mit drei Stücken Pizza, einem Hamburger und einer Cola habe ich mich nochmal vier Stunden aufs Ohr gelegt.“

Mit der MS Deutschland sollte Harting am kommenden Montag eigentlich in See stechen, um am Mittwoch in Hamburg zur Siegesfeier zu landen. Doch den Gedanken an eine Seefahrt findet er gar nicht lustig. „Danke für die Einladung. Aber mir wird schon auf einem Tretboot schlecht.“

Pannen danach - doch an seinem Goldtag hatte Robert Harting alles richtig gemacht. „Klitschko hat drei Gürtel im Boxen, bei mir sind es die drei Goldmedaillen, die man gewinnen kann“, meinte der 27-Jährige. Als erster Diskuswerfer ist er zugleich Weltmeister, Europameister und Olympiasieger. Ein historischer Hattrick

Mit einem Urschrei hatte sich Harting wie nach den WM-Titeln 2009 in Berlin und 2011 in Daegu das Trikot vom Körper gefetzt: „Es ist das Symbol, dass die Emotion aus mir raus will“. Dann war er auf Mutter Bettina zugestürmt, die ihm nach herzlicher Umarmung eine Deutschland-Fahne in die Hand drückte. Mit dieser startete Harting zur Ehrenrunde, bei der er zur Freude der 80.000 Zuschauer auch einen Hürdenlauf einlegte.

„Ich komme ja vom Mehrkampf und habe die Hürden auch heute schon mal im Trainingsprogramm“, erklärte Harting später lachend. Und auch Sally Pearson (Australien), die Minuten vor ihm Olympiasiegerin über 100 m Hürden geworden war, hatte gleich einen guten Spruch parat: „Wenn Robert ein paar Wochen bei mir trainiert, ist er auch über die Hürden Weltklasse.“

Doch Harting bleibt bei der Scheibe, die er am Dienstagabend, „im schwersten Wettkampf meines Lebens“ im fünften Versuch endlich auf die Goldweite beförderte. Zuvor hatte er sich von den vielen äußeren Einflüssen beeinflussen lassen - Zuschauer, gleichzeitig laufende Wettbewerbe, ein Disput mit dem Kamprichter. „Natürlich“, sagte er, „fängt man an zu zweifeln, weil die Situation so ungewohnt ist und man sie nicht in den Griff bekommt.“

Dann aber riss er sich zusammen und übertraf den Iraner Ehsan Hadadi. „Es kann ja nicht sein, dass ein Iraner ewig in Deutschland trainiert und dann den deutschen Favoriten schlägt“, sagte Harting an die Adresse des WM-Dritten gerichtet. Hadadi kündigte an: „2013 zeige ich es ihm bei der WM in Moskau.“

„Ich brauche den Olympiasieg, um die negativen Sachen aus meinem Leben zu spülen, um mich selber zu ertragen“, hatte Harting in der Phase höchster Anspannung vor Olympia gesagt. Jetzt hat er das Gold - aber er vermittelte nicht den Eindruck, alles erreicht zu haben. Das im vergangenen Jahr operierte Knie schmerzt schon wieder, „aber Rio de Janeiro 2016 - das ist ein reizvolles Ziel.“

sid

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