Riesch/Vonn: Begegnung ohne Herzlichkeit

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Ein Foto vom PR-Termin

Sölden - Beim Kampf um den Gesamtweltcup hat im vergangenen Winter die Freundschaft zwischen Maria Höfl-Riesch und Lindsey Vonn gelitten. In Sölden sind die beiden aufeinandergetroffen.

Die Begegnung von Maria Höfl-Riesch und Lindsey Vonn ist nicht von Herzlichkeit geprägt. Sölden, zwei Tage vor dem Weltcup-Auftakt am Samstag, großer PR-Termin der Ski-Firma von Höfl-Riesch und Vonn - die eine sitzt rechts vom Moderator, die andere links, nur etwa vier, fünf Meter trennen sie, doch es scheinen Welten zu sein. Früher hätten sich Höfl-Riesch und Vonn bei derartigen Anlässen in der Öffentlichkeit wohl umarmt - vor zwei Jahren noch tauschten sie in Sölden freudestrahlend und publikumswirksam Geburtstagsgeschenke aus. Vorbei. Ab 9.45 Uhr am Samstag sind sie endgültig nur noch Konkurrentinnen.

Oder doch nicht? „Es war für uns beide sehr schwierig. Es war immer Drama, Drama in den Medien“, sagt Lindsey Vonn. Die Amerikanerin ist ohne Frage eine „drama queen“, und im vergangenen Winter, als sie im Kampf um die WM-Medaillen und vor allem den Gesamtweltcup ins Hintertreffen geriet, als sie am Ende nach der Absage der beiden letzten Saisonrennen die große Kristallkugel um mickrige drei Punkte doch an die Partenkirchnerin verlor, kam sie wie eine blöde Zicke und eine schlechte Verliererin rüber. Der Hochzeit von Maria Riesch und Marcus Höfl im April blieb sie trotz Einladung fern.

Maria Höfl-Riesch und Lindsey Vonn waren seit der Jugend Konkurrentinnen, zugleich aber auch befreundet. Sie besuchten sich wechselseitig, sie fuhren gemeinsam in den Urlaub, sie feierten gemeinsam Weihnachten. Und jetzt? Beim Trainingslager in Neuseeland hätten sie über alles geredet, berichtet Lindsey Vonn, sie habe Maria angerufen, dann „haben wir eine halbe Stunde einen Kaffee getrunken“ und schließlich „die Entscheidung gemacht, nicht mehr über unsere Freundschaft in den Medien zu reden“. Auf Nachfrage sagt die Amerikanerin noch: „Die Freundschaft ist schon noch da, vielleicht nicht mehr so wie vorher.“

Tja, hat Maria Höfl-Riesch zuletzt lapidar festgestellt, sie und Lindsey Vonn, da seien halt zwei Welten, zwei Mentalitäten aufeinandergeprallt. Genau genommen kollidierten sie fast ein Jahrzehnt lang - ohne größere Verletzungen. Dann kamen unter anderem die jeweiligen Ehemänner ins Spiel, die verschiedener nicht sein könnten. In Zukunft sei Lindsey „eine Konkurrentin wie jede andere“, sagt Maria Höfl-Riesch, sie werde sie respektvoll und fair behandeln, und mehr gebe es zu diesem Thema nicht zu sagen. Weihnachten werden sie wohl nicht mehr miteinander feiern.

Eine Konkurrentin wie jede andere wird Lindsey Vonn aber auch im kommenden Winter nicht sein. Maria Höfl-Riesch reiht die Amerikanerin selbstverständlich ein in den Kreis der Rivalinnen, die ihr den erstmals gewonnenen Gesamtweltcup streitig machen wollen, sie rechnet darüber hinaus mit Tina Maze aus Slowenien, mit den Österreicherinnen Elisabeth Görgl und Nicole Hosp und mit der Schwedin Anja Pärson. „Ich weiß“, sagt die Titelverteidigerin, „dass in der Saison jetzt alle voll dagegenhauen wollen.“ Vor allem Lindsey Vonn wird dagegenhauen wollen, und in der Wahl ihrer Mittel ist speziell ihr Mann Thomas nicht wählerisch.

Nicht, dass sich Maria Höfl-Riesch davon beeindruckt zeigt. Überhaupt hat sie vor dem Saisonstart am Samstagvormittag auf dem Rettenbachgletscher immer wieder wohlformuliert betont, dass sie die Ruhe weg habe, jetzt, da nach Gold bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen ihre großen sportlichen Ziele erst mal abgearbeitet sind. „Es ist mehr Gelassenheit da“, sagt sie, „ich habe endlich den Gesamtweltcup gewonnen, endlich habe ich es geschafft. Das hat halt noch gefehlt, das kann mir jetzt keiner mehr nehmen.“ Wobei sie es schon auch „schön“ fände, könnte sie ihren Titel verteidigen.

Die Titelverteidigung ist für Maria Höfl-Riesch die größte Motivation in einem Winter ohne Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele. Dafür hat sie im Sommer unter anderem ihre Ernährung umgestellt, trinkt jetzt „so gut wie keine normale Milch mehr“, auch „keinen Latte Macchiato mehr bis zum Abwinken“, und am Abend gibt es Trennkost. Maria Höfl-Riesch wiegt sieben Kilo weniger als vor einem Jahr, es steht ihr gut, sie wirkt durchtrainiert und drahtig. Allerdings ist die Saison diesmal üppige 41 Wettbewerbe lang, es wird interessant sein, zu beobachten, ob am Ende die Kraft, die Substanz reicht.

Bis Olympia 2014 wird sie weitermachen, hat Maria Höfl-Riesch erklärt, und vielleicht auch bis zur WM 2015 in Vail im US-Bundesstaat Colorado. Dort wird „Gastgeberin“ Lindsey Vonn dann zum vermutlich letzten Mal ihre Konkurrentin sein. Richtige Freundinnen werden sie bis dahin wohl nicht mehr werden.

sid

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