Riesch gegen Vonn wieder chancenlos

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Maria Riesch (links) hat beim ersten Super-G der Saison im kanadischen Lake Louise gegen Lindsey Vonn wieder keine Chance gehabt.

Lake Louise - Lindsey Vonn hat in den ersten beiden Abfahrtsrennen der Weltcup-Saison die Konkurrenz deklassiert - inklusive Maria Höfl-Riesch. Jeweils nur um Haaresbreite verfehlte Viktoria Rebensburg das Siegerpodest.

Am Sonntag sah Lindsey Vonn noch immer aus wie Lindsey Vonn und nicht wie ein bislang unbekanntes Wesen vom Mars. Und sie war auch noch immer in Lake Louise, Kanada, obwohl ihre Konkurrentinnen etwas ganz anderes vermuteten. „Die Lindsey ist auf einem anderen Planeten“, sagte etwa Maria Marchand-Arvier aus Frankreich, die in der zweiten Weltcup-Abfahrt der Saison Schnellste der Langsamen war - 1,68 Sekunden hinter der Amerikanerin. Maria Höfl-Riesch wählte einen etwas irdischeren Vergleich: Lindsey Vonn fahre in den schnellen Disziplinen derzeit „offensichtlich in einer anderen Liga“.

Mit 1,95 Sekunden Vorsprung hatte Vonn die erste Schussfahrt des Winters gewonnen, dann eben mit 1,68 Sekunden Vorsprung die zweite. Das sind Abstände, wie sie in der alpinen Königsdisziplin vor etwa 40 Jahren vorkamen, als die legendäre Annemarie Moser-Pröll die sogenannte Konkurrenz in Grund und Boden fuhr. „Es scheint bei ihr alles perfekt zusammenzupassen, und sie wird in dieser Form fast nicht schlagbar sein“, sagte Maria Höfl-Riesch vor dem abschließenden Super-G in Lake Louise am Sonntag.

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Und sie behielt recht: Zwar kam die Österreicherin Anna Fenninger diesmal bis auf 0,19 Sekunden an Vonn heran, den elften Erfolg der Amerikanerin auf dieser Piste verhinderte aber auch sie nicht. Höfl-Riesch wurde Fünfte (0,89 Sekunden zurück), freute sich über ihre Steigerung und kündigte mit Blick auf Vonn an: „Wir bleiben dran.“

Privat sind sich beide wieder nahe, sportlich trennten Vonn und Höfl-Riesch erst mal Welten. Vor einem Jahr war das sportlich ein wenig anders. Da war es die deutsche Doppel-Olympiasiegerin, die auf ihrem Weg zum ersten Gewinn des Gesamtweltcups gleich mal das traditionelle Abfahrts-Doppel in Lake Louise für sich entschied. Diesmal belegte sie die Ränge neun und sechs, beste Deutsche auf dem „Men's Olympic Downhill“ war erstaunlicherweise jeweils Viktoria Rebensburg. Beide Male belegte die Riesenslalom-Olympiasiegerin Rang vier, erst mit nur 0,04 Sekunden Rückstand aufs Siegertreppchen, dann mit 0,01. „Das fuchst einen ja schon“, bekannte sie, „aber im Leben kommt alles zurück.“

Der Riesenslalom bleibt die Lieblingsdisziplin von Viktoria Rebensburg, in den ersten beiden Saisonrennen belegte sie dort die Plätze zwei und eins. Dass sie nun in Lake Louise in den Abfahrten zweimal Drittbeste vom Rest der Welt diesseits von Lindsey Vonn wurde, „ist mehr, als ich erwartet hatte“, erklärte sie. Die 22-Jährige ist aber auch keine Läuferin, die mit dem schon Erreichten zufrieden wäre, und sei es noch so unerwartet. „Man kann immer irgendwo besser fahren“, sagte sie - auf die Frage, ob überhaupt festzustellen sei, wo sie die vier Hundertstel oder die eine Hundertstel verloren habe.

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Zumindest in der zweiten Abfahrt war auch Maria Höfl-Riesch schon wieder nahe dran am Siegertreppchen, 17 Hundertstel fehlten ihr zur drittplatzierten Doppelweltmeisterin Elisabeth Görgl aus Österreich. Das Ergebnis sei jetzt so schlecht nicht, sagte sie, sie machte freilich auch keinen Hehl daraus, dass es gerne ein bisschen mehr hätte sein können. „Nach den hervorragenden Ergebnissen im letzten Jahr“, erklärte Höfl-Riesch, „hatte ich mir schon den Sprung aufs Podium erhofft.“ Es sollte bei schwierigen Bedingungen nicht sein, „ich war eigentlich nicht unzufrieden, leider war aber nicht mehr drin“.

Lindsey Vonn schwebte gut eine Woche nach der angekündigten Scheidung von Ehemann Thomas derweil auf Wolke sieben und stellte mit ihrem Sieg am Sonntag, ihrem 45. im Weltcup, auch einen Rekord auf. Es war ihr elfter Sieg in Lake Louise, so dominant an einem Ort war noch nie eine Ski-Rennläuferin. „Diese Strecke liegt mir perfekt“, sagte Vonn, „ich fahre hier seit 15 Jahren, seit ich ein Kind war, und ich hoffe, ich kann hier noch oft fahren, ehe ich mit dem Skifahren aufhöre.“

Das wird zum Leidwesen der Konkurrenz wohl erst nach den Weltmeisterschaften 2015 in Vail der Fall sein.

Von Thomas Häberlein

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