Zwischen Platte und Klassenzimmer

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Er gehört zu den besten Tischtennis-Spielern seines Jahrgangs: Marc Rode vom SV Viktoria Preußen Frankfurt ist für die Junioren-WM in Indien nominiert.

Region Rhein-Main – Freizeit ist für Marc Rode ein Fremdwort. Vor wenigen Tagen ist das Tischtennis-Talent aus Bad Homburg nach Frankfurt umgezogen. Im Frühjahr macht der 17-Jährige sein Abitur. Erstmal steht aber seine sportliche Reifeprüfung an.

Ab Montag tritt Rode für die deutsche Nationalmannschaft bei der Junioren-WM in Indien an. Was ihn in Indien so erwartet? Marc Rode hat keinen blassen Schimmer. „Das kann gut werden, aber auch ziemlich chaotisch, was die Organisation angeht“, sagt er schmunzelnd. Wie seine Teamkollegen, hat er sich vor der Asienreise impfen lassen. Die Koffer packt er erst kurz vor der Abreise. An das Drumherum verschwendet der gebürtige Bad Homburger ohnehin wenig Gedanken. Er konzentriert sich voll auf das sportliche Kräftemessen an der Platte. Bei zwei Jugend-Europameisterschaften hat der 17-jährige schon teilgenommen. „Aber die WM ist natürlich noch mal eine Steigerung“, betont Rode. Zum deutschen Team gehören außerdem Benedikt Duda, Frederick Jost und Liang Qiu. Dieses Quartett, ergänzt durch Dang Qiu, hatte bereits im Sommer im österreichischen Schwechat EM-Silber geholt.

Die WM-Nominierung kam für Rode nach den jüngsten Erfolgen nicht überraschend. Er sieht sie vielmehr als eine Bestätigung seiner positiven Entwicklung. Mit acht Jahren stand der Blondschopf erstmals an der Platte, spielte in der Jugend unter anderem für die SG Anspach und den TV Oberstedten. 2009 qualifizierte er sich für das Bundesranglistenturnier Top 16. Zwei Jahre später wurde er deutscher Jugendmeister im Doppel. Rode zählt zu den besten Spielern seines Jahrgangs. „In der deutschen Rangliste gibt es nur noch einen, der etwa gleichstark ist“, sagt er stolz. Zu seinen Trainern zählt Helmut Hampl, der einst Superstar Timo Boll förderte und in die Weltspitze brachte.

„Das Abitur hat Priorität, dann kommt der Sport“

Dieses Ziel verfolgt auch der Regionalliga-Spieler des SV Viktoria Preußen Frankfurt. Dafür trainiert er vier bis fünf Stunden täglich. Defizite habe er vor allem bei der Schnelligkeit und Beinarbeit, räumt der 1,90 Meter große Angriffsspieler ein. Zu seinen Stärken zählt er sein beidseitiges und variables Spiel sowie den Aufschlag. „Lernen und Trainieren“, sagt Rode, „das ist mein Alltag.“ Der Spagat zwischen Klassenzimmer und Trainingshalle sei nicht immer ganz leicht, gibt der Abiturient freimütig zu. Schon in der zwölften Klasse habe sich dies bemerkbar gemacht. Die Förderung auf der Frankfurter Carl-von-Weinberg-Schule, einer „Eliteschule des Sports“, kommt ihm da zugute. Sie bietet ambitionierten Athleten die Möglichkeit, Fehlstunden und versäumten Unterrichtsstoff wieder aufzuholen. „Das Abitur hat erste Priorität, dann kommt der Sport“, sagt Rode, der sich eine Karriere als Tischtennis-Profi durchaus zutraut.

Die WM in Indien dürfte für ihn Reifeprüfung und Gradmesser zugleich sein. Vor allem die asiatischen Mannschaften spielen in einer anderen Liga. China ist der große Gold-Favorit, auch Japan und Korea zählen zu den Top-Teams. „Diesmal wird es deutlich schwieriger werden, eine Medaille zu gewinnen“, stellt Rode klar. Der Einzug ins Viertelfinale wäre schon ein Erfolg für das deutsche Team. „Für einen Podestplatz müsste es extrem gut laufen.“ zin

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