Sport im Rollstuhl

E-Hockey-Spieler aus Dreieich bei WM in München

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Nasim (links) und David nehmen bei der E-Hockey WM in München teil.

Dreieich – Nasim und David sitzen im Rollstuhl. Trotzdem sind sie sportlich erfolgreich. Im August kämpfen sie bei der E-Hockey-WM für Deutschland wieder um den Titel. Von Fabienne Seibel 

„Es wäre das Größte für uns, den Titel zu holen“ sagt Nasim und lächelt dabei. Der 17-Jährige aus Obertshausen spielt gemeinsam mit Mannschaftskamerad David vom 6. bis 10. August für Deutschland um die Weltmeisterschaft im Elektro-Rollstuhlhockey (E-Hockey). Die Spieler vom E-Hockey Verein der Black Knights in Dreieich sind trotz Behinderung sportlich aktiv und in der ersten Bundesliga erfolgreich. Nasim leidet seit seiner Geburt an der Glasknochenkrankheit und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Sein 20-jähriger Mitspieler David leidet an spinaler Muskelatrophie, eine Krankheit, bei der sich Nervenzellen im Rückenmark zurückbilden und die Muskeln immer schwächer werden. David: „Das E-Hockey ist für uns die einzige Möglichkeit, Sport zu treiben und wir genießen das sehr.“

Auch Günter Keller, Vorsitzender der Black Knights, weiß um die Wichtigkeit des Sports: „Über das E-Hockey bekommen die Spieler soziale Kontakte und ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt.“ Durch den Sport können Nasim und David ihre Behinderung zumindest für den Moment vergessen. Nasim: „Es tut gut, gemeinsam für etwas zu kämpfen und gebraucht zu werden. Das gibt uns Kraft. “

E-Hockey Regeln und Klassifizierungen

Beim E-Hockey spielen jeweils zwei Mannschaften mit je vier Feldspielern und einem Torhüter gegeneinander. Die Teams sind gemischt, Männer und Frauen spielen zusammen. Ziel ist es, mit einem Plastikball mehr Tore zu erzielen als der Gegner. Alle Spieler werden klassifiziert und erhalten je nach körperlichem Handicap und Bewegungsfähigkeit Punkte. Je weniger eingeschränkt sie sind, desto mehr Punkte. Die Klassifizierungspunktzahlen der Spieler einer Mannschaft auf dem Spielfeld darf zusammen nicht elf Punkte übersteigen.

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Auch im Rollstuhl kann man tanzen

Jeder Spieler verwendet den für ihn am besten passenden Schläger. So werden leichte Plastikschläger, sogenannte Handschläger, oder fest am Rollstuhl montierte T-Schläger benutzt. Keller: „Beim E-Hockey muss man immer hoch konzentriert sein. Die Spieler müssen den Rollstuhl beherrschen, auf den Gegner schauen, gute Pässe spielen und den Ball präzise treffen. Technik, Taktik und schnelle Manöver mit dem E-Rollstuhl sind bei dieser Sportart sehr wichtig. “

Nasim wurde wegen seines enormen Ehrgeizes und seinem Siegeswillen ins Nationalteam geholt. David ist unter den zehn Spielern der deutschen Mannschaft der Einzige mit einer Muskelschwäche, der trotzdem einen Handschläger benutzt und mit guter Technik punkten kann. Bei der Weltmeisterschaft in München sind die Deutschen Titelverteidiger. Mit Belgien, Finnland und Italien in der Gruppe haben es Nasim, David und ihre Mannschaftskameraden nicht leicht. „Es kommt auf jedes Spiel darauf an, aber wir sind ein junges Team und unser Zusammengehörigkeitsgefühl ist groß. Wir können alles schaffen“, sagt David. Nach der WM geht es schon weiter mit der Vorbereitung auf die nächste Saison. Auch dafür haben die beiden große Ziele: „Wir wollen in der nächsten Saison deutscher Meister werden und dafür auch hart trainieren.“

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