Wird der Flitzer des FC Eschborn schon bald zum Nationalspieler?

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Der Eschborner Christopher Nguyen (vorne) im Kopfballduell mit dem Wormser Tim Bauer.

Eschborn/Groß-Zimmern – Der Deutsch-Vietnamese Christopher Nguyen spielt für den FC Eschborn in der Fußball-Regionalliga. Den 24-Jährigen zieht es aber aufs internationale Parkett. Von Jens Dörr

Christopher Nguyen

Am fußballerischen Leistungsvermögen liegt es nicht: „Der Verband will unbedingt, dass ich für seine Nationalmannschaft spiele“, sagt Christopher Nguyen. Der 24-jährige Mittelfeldspieler des Fußball-Regionalligisten FC Eschborn ist nach zwei ferneren Stationen in Fußball-Deutschland nun wieder im Rhein-Main-Gebiet gelandet, wohnt in Groß-Zimmern und studiert in Darmstadt. Obwohl er aktuell den zweiten Bildungsweg einschlägt, könnte Nguyen noch zu großen sportlichen Ehren kommen. Wenn die Behörden mitspielen – und sich der Trainerwechsel der vietnamesischen Nationalmannschaft nicht negativ auswirkt.

Vietnam? Christopher Nguyen ist Deutsch-Vietnamese. Der Vater kommt aus Fernost, die Mutter aus hiesigen Gefilden. Der eher schmächtige, aber technisch starke und vor allem pfeilschnelle Flitzer machte beim SV Darmstadt 98 auch sein erstes Profispiel und wechselte anschließend zum Karlsruher SC. Dort musste Nguyen zwar überwiegend in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga ran, bekam aber auch einige Einsätze in der Zweiten Bundesliga. Vergangene Saison schnürte er für Hessen Kassel in Liga vier die Schuhe, nach Ablauf der Runde trennten sich beide Seiten.

Fußball und Studium

Nun probt Nguyen die Doppelbelastung: Einerseits will er weiterhin hochklassig Fußball spielen, andererseits studieren: An der TU Darmstadt hat er sich für Sport und Politik/Wirtschaft auf Lehramt eingeschrieben. „Ich bin schon 24, da muss ich langsam den zweiten Bildungsweg einschlagen“, sagt er. Und das, obwohl er zumindest in der Regionalliga zu den von den Fähigkeiten her überdurchschnittlichen Spielern zählt. Derzeit spielt er beim FC Eschborn, blieb als offensiv orientierter Mittelfeldspieler in 17 Einsätzen aber noch ohne Tor. „Da strahle ich zu wenig Gefahr aus“, geht Nguyen in diesen Tagen kritisch mit sich ins Gericht.

Nyugen schafft den Sprung nicht in die deutsche Nationalmannschaft

Zurück zum internationalen Geschäft: In Deutschland besitzt der Eschborner Akteur die doppelteStaatsbürgerschaft, in Vietnam muss er hingegen die vietnamesische noch anerkennen lassen. Aus deutscher Sicht kein Problem, denn den Sprung in ein hiesiges Nationalteam wird Nguyen nicht mehr schaffen. Seit längerer Zeit versuche er bereits, in Vietnam die Formalitäten zu erledigen. „Wir kämpfen immer noch mit der Botschaft und den dortigen Behörden“, sagt Nguyen. In den vergangenen Monaten habe sich nichts Wesentliches getan. Hinzu kommt: Nach der Entlassung von Ex-Hertha-Coach Falko Götz als Nationaltrainer und der Verpflichtung eines Vietnamesen fehlt der sprachliche Draht zum „Neuen“. „Ich spreche auf Vietnamesisch nur Grundlegendes“, so Nguyen. Neben den Behörden hat er also noch Sprachbarrieren zu bekämpfen.

Sollte Christopher Nguyen diese Kämpfe gewinnen, stünde ersten Länderspiel-Einsätzen nichts mehr im Wege – außer 15 Stunden Flugzeit. Sportlich ist die Nationalmannschaft Vietnams drittklassig, der Regionalliga-Kicker könnte dort sogar zum Leistungsträger avancieren. Die Chancen auf die Teilnahme an einer WM sind zwar minimal, doch Auftritte etwa in China oder Japan durchaus verlockend.

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