„Wir müssen jetzt nachziehen“

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Marius Nolte in der Partie gegen Quakenbrück. Hier feierten die Skyliners ihren bislang einzigen Saisonsieg.  

Frankfurt – Auf dem Platz ist er ein Kämpfer, abseits ein nachdenklicher Typ: Marius Nolte schaut gern über den Tellerrand hinaus. Die turbulenten Wochen in der Vorbereitung sind nicht spurlos am Kapitän der Fraport Skyliners vorbeigegangen. „Aber so ist eben das Geschäft“, sagt er. Am Sonntag (17 Uhr) spielen sie in Trier.

Erst das Debakel in Ludwigsburg, dann der Überraschungserfolg in Quakenbrück und jetzt die Heimpleite gegen den zuvor sieglosen Aufsteiger MBC. Wie ist die Lage im Team nach drei Spielen?

Der Sieg in Quakenbrück hat uns gut getan und Aufwind gegeben. Wir wussten aber genau, dass das Spiel gegen den MBC ein völlig anderes wird und wir uns jeden Sieg richtig hart erarbeiten müssen. Das geht nur mit einer hohen Intensität über die komplette Spielzeit.

Die Belastung dürfte bei der kleinen Rotation aber auf Dauer zum Problem werden…

Wir sind dünn besetzt und konnten noch nicht einmal in voller Besetzung antreten. Das war schon in der Vorbereitung ein großes Thema. Der Ausfall von Devin Gibson trifft uns hart. Wir haben aber gute Typen, die an einem Strang ziehen. Nur als Team können wir in der Liga bestehen. Das ist uns in Quakenbrück gut gelungen, gegen den MBC haben wir leider zu viele Rebounds hergegeben.

Es liegen turbulente Wochen hinter Ihnen. Der Abgang von Leistungsträgern, die schwierige Situation mit den Probespielern und der überraschende Rücktritt von Johannes Herber. Wie gehen Sie und die Mannschaft damit um?

Diese Faktoren sind natürlich nicht spurlos an uns vorbeigegangen. Vor allem die Nachricht von Joes Karriereende hat uns alle ziemlich durchgerüttelt. Aber wir können all diese Dinge nicht beeinflussen. Trotz der widrigen Umstände haben wir alles dafür getan, um eine gute Rolle in der Liga zu spielen.

Sie bestreiten jetzt die vierte Saison mit den Skyliners, die zweite als Kapitän. Trotz aller Bemühungen um Kontinuität kommt es jedes Jahr zu großen Fluktuationen im Kader. Ist das auf Dauer nicht ärgerlich?

Ich bin nicht blauäugig und kenne die Verhältnisse in Frankfurt. Es ist Teil des Geschäfts und gehört leider dazu, dass Spieler kommen und gehen. Andererseits müsste ich lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir nichts ausmacht. Ich habe keine Lust, immer wieder Mitspieler und Freunde zu verlieren. Vor allem der Abgang von Jimmy McKinney hat mich getroffen. Insgesamt stumpft man mit der Zeit aber etwas ab.

Manager Gunnar Wöbke sprach davon, dass die Skyliners am Scheideweg stehen und wirtschaftlich den Anschluss nach oben verloren haben. Inwiefern beschäftigen solche Aussagen auch den Kapitän?

Als Spieler sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen. Ich arbeite gelegentlich in der Geschäftsstelle mit. Da bekommt man natürlich auch mit, was sich hinter den Kulissen tut. Die Liga insgesamt hat einen Schritt nach vorne gemacht und ist auf einem guten Weg, zur besten Liga Europas zu werden. Auf nationaler Ebene hat unsere Konkurrenz vorgelegt, wir müssen jetzt nachziehen. Die neue Halle würde uns ein gutes Stück voranbringen.

Nicht zuletzt wegen der Sparzwänge setzt der Klub diese Saison auf ein junges Team. Hat das Auswirkungen auf Ihre Rolle auf und abseits des Feldes?

Natürlich versuche ich den jungen Spielern wie Danilo Barthel Tipps zu geben. Aber noch fühle ich mich nicht so alt und will auch nicht altklug herüberkommen. Auf dem Platz versuche ich, mit meiner Energie dem Team zu helfen und den Kollegen das Leben etwas leichter zu machen.

Hinter dem kürzlich verpflichteten Zachery Peacock sind Sie nur Ergänzungsspieler. Stört Sie das nicht?

Nein, wenn ich von der Bank komme und 15 bis 20 Minuten vollen Einsatz geben kann, ist das völlig in Ordnung. Ich bin froh, dass Zach bei uns ist. Er ist ein angenehmer Typ und hilft uns vor allem in der Offensive mit seinen Qualitäten weiter. Das hat er in den ersten Spielen gleich bewiesen.

Was ist möglich mit den Skyliners in dieser Saison?

Für ein Saisonziel ist es noch zu früh, gerade in unserer Situation. Wir wollen mit harter Verteidigungsarbeit erfolgreich sein, so wie in der Rückrunde der Vorsaison. Schön wäre es auch, wenn wir zu Hause etwas konstanter auftreten.

Am Sonntag geht es nach Trier. Ein Gegner auf Augenhöhe?

Trier ist ebenfalls eine Mannschaft ohne die großen Namen, aber mit viel Kampfgeist und Energie. Gerade in eigener Halle spielen sie sehr aggressiv und haben die Philosophie von Trainer Henrik Rödl verinnerlicht. Ich denke, der stärkere Wille wird am Ende entscheiden. zin

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