Wiedersehen mit einem weinenden Auge

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Thomas Kessler, Ex-St. Pauli-Spieler, der heute bei der Eintracht kickt.

Frankfurt – Beide kamen vor der Saison vom Millerntor an den Main. Beide kamen mit dem Anspruch, bei Eintracht Frankfurt Stammspieler zu werden. Beide haben sich bislang nicht durchgesetzt. Unter Trainer Armin Veh zählen Matthias Lehmann und Thomas Kessler nur zur zweiten Garnitur.

Auch Matthias Lehmann kehrt am Montag als Eintracht-Spieler nach St. Pauli zurück.

Das Spiel gegen den Ex-Verein ist immer ein Highlight“, betont Matthias Lehmann. Das sind die Begegnungen, in denen die Akteure auf dem Platz bekanntlich besonders motiviert sind. Ein Tor gegen den Ex-Klub, in diesem Fall dem FC St. Pauli, das wäre die Krönung. Doch davon ist Matthias Lehmann, Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt, derzeit weit entfernt. Das liegt nicht nur daran, dass der 28-Jährige vornehmlich für Defensivaufgaben zuständig ist. Lehmann hat den Durchbruch bei seinem neuen Arbeitgeber nicht geschafft, wird selten von Trainer Armin Veh berücksichtigt.

Dabei war der gebürtige Ulmer, als er im Sommer vom Kiez-Klub kam, zunächst gesetzt. Er bestritt die ersten sieben Spiele, ohne zu überzeugen. „Es ist nicht so richtig gelaufen, ich habe den Rhythmus im Spiel nicht gefunden“, blickt Lehmann zurück. Als Veh das System wechselte und einen Mittelfeldspieler opferte, war dies Lehmann. Seitdem kommt der aggressive Abräumer vor der Abwehr nicht über gelegentliche Kurzeinsätze hinaus. Mit zwei Ausnahmen: Im Pokal gegen Kaiserslautern durfte er ran, als Pirmin Schwegler gesperrt fehlte.

Am Schweizer Nationalspieler ist für Lehmann ansonsten kein Vorbeikommen. Auch der frühere Offenbacher Sebastian Rode hat die Nase vorne. Ausgerechnet in der Partie bei den Münchner Löwen, für die er drei Jahre spielte, kehrte Lehmann in die Startelf zurück. Trotz solider Leistung bei der 1:2-Niederlage, der einzigen Liga-Pleite bislang, musste er in den nächsten Spielen wieder auf der Bank Platz nehmen. Auch am Millerntor, im Spiel gegen seine Ex-Kollegen, wird sich der Freistoß-Experte zunächst mit der Zuschauerrolle begnügen müssen. „Wenn ich reinkomme, muss ich meine Duftmarken setzen und meine Chance nutzen“, sagt Lehmann, „ich muss mich vor niemandem verstecken.“

Liebe zum Kiez-Klub

Bei aller Wichtigkeit der Partie gegen den Aufstiegskonkurrenten kann Lehmann seine alte Liebe zum Kiez-Klub nicht ganz abschalten: „Ich hatte zwei wunderschöne Jahre bei Pauli, das vergisst man nicht.

Ein ähnliches Auf und Ab hat auch Thomas Kessler hinter sich. Der Torwart, der in der Vorsaison auf Leihbasis beim FC St. Pauli spielte, sollte die neue Nummer eins am Main werden. Doch es dauerte nur zwei Spiele, bis der gebürtige Kölner sein Revier an Urgestein Oka Nikolov abtreten musste. Nach „eins, zwei blöden Gegentoren“ musste sich Kessler wieder hinten anstellen und auf die nächste Chance warten. Die kam dann in München, als der 25-Jährige den verletzten Nikolov ersetzte. Als Kessler auch gegen den Karlsruher SC den Kasten sauber hielt, schien eine erneute Wachablösung im Tor möglich. Doch im Heimspiel gegen Fürth schickte Veh erneut den wieder genesenen Nikolov ins Rennen.

Kessler muss sich wieder gedulden – kann ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub nicht glänzen. An einen Vereinswechsel hegt er dennoch keinen Gedanken. „Ich lebe in einer super Stadt, mit einem tollen Verein, einem tollen Umfeld und einem klasse Stadion, das für die Zweite Liga zu schade ist.“ Mit seiner Freundin ist Kessler im Vordertaunus heimisch geworden. Sich selbst zu wichtig nehmen, das ist nicht die Sache des 1,95-Meter-Hünen. „Sicherlich habe ich mir die Hinrunde anders vorgestellt, aber man muss das Große und Ganze betrachten. Einzelschicksale sind nicht wichtig. Wir wollen aufsteigen“, erklärte der 31-malige Bundesliga-Spieler. Ein Sieg am Millerntor wäre auf diesem Weg ein großer Schritt. zin

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