Wenn der Trainer auch mal ein Fan ist

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Trainer Helmut Wolf (links) bei der Basketball-EM in Litauen mit Superstar Dirk Nowitzki.

Bad Homburg – 30 Kamerateams bei der Ankunft am Flughafen, 15.000 Zuschauer in den Hallen und Abschiedsgeschenk von Superstar Dirk Nowitzki: Die Basketball-EM in Litauen war für den Homburger Helmut Wolf ein „sensationelles Erlebnis“.

Auf dem Bildschirm ist Helmut Wolf nur selten zu sehen. Kurz mal bei der Nationalhymne oder während einer Spielunterbrechung. Ansonsten steht er im langen Schatten der deutschen Basketballer um Superstar Dirk Nowitzki. Obwohl der 35-Jährige die EM-Partien größtenteils sitzend aus der zweiten Reihe verfolgt, kann er sich jedoch nie zurücklehnen. Jede Bewegung eines gegnerischen Spielers beobachtet er, kein Signal oder Zeichen darf ihm entgehen. „Du stehst permanent unter Strom, kannst Dir keine Nachlässigkeiten erlauben“, erklärt Wolf. Als Assistenztrainer ist der Homburger für das Scouting – also die Spielbeobachtung – und die Video-Analyse zuständig. Wolf sondiert Stärken und Schwächen des Gegners, analysiert Statistiken und Systeme. „Ich versorge den Bundestrainer mit allen wichtigen Informationen, er trifft natürlich letztlich die Entscheidungen“, so Wolf.

70 Tage im Jahr ist er mit deutschen Auswahlteams unterwegs. Die EM in Litauen war auch für den Trainer eine Premiere. Erstmals betreute er die A-Nationalmannschaft bei einem großen Turnier. „Als die Anfrage kam, war ich gerade bei der U20-EM in Spanien. Ich habe nicht lange gezögert und zugesagt.“

Gesellschaftsspiele mit Nowitzki & Co.

Schon die Anreise gab dem Homburger einen Vorgeschmack darauf, was ihn erwarten würde. „Als wir mit der Charter-Maschine gelandet sind, waren gleich 30 Kamerateams vor Ort“, erzählt Wolf. Sofort waren Nowitzki und Co. von den Journalisten umlagert. Star-Allüren einzelner Spieler konnte Wolf trotz des großen Rummels nicht festmachen. Vor allem von Nowitzki war der hauptamtliche Trainer der Homburger TG schwer beeindruckt. „Auf dem Feld zeigt er immer eine professionelle Einstellung und auch so ist er ein ganz lockerer, aufgeschlossener Typ.“

Die wenigen freien Stunden verbrachten Mannschaft und Trainer mit Gesellschaftsspielen oder Wellness. In der Vorrunde, bei fünf Spielen in sechs Tagen, blieb ohnehin wenig Zeit. Alles war ausgerichtet auf das große Ziel, den Viertelfinaleinzug und die Qualifikation für Olympia 2012 in London. Dazu hätte die deutsche Auswahl Gastgeber Litauen mit elf Punkten Differenz besiegen müssen. Doch daraus wurde nichts. Die Litauer gewannen und zogen ins Viertelfinale ein. Der deutsche Olympia-Traum war zerplatzt. „Auch Statistiken und Analysen helfen eben nur bis zu einem gewissen Punkt“, betont Wolf.

Trotz des verpassten Ziels nimmt der Homburger einiges mit aus Litauen. Zu den Eindrücken, die er noch nicht vollständig verarbeitet hat, gesellen sich Autogrammkarten und Schuhe von Superstar Nowitzki – für die Basketball-Abteilung der HTG. In diesen Momenten – ohne laufende Kamera – darf eben auch ein Trainer mal Fan sein. zin

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