Unauffällig die Klasse halten

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Bundesliga-Neuling mit großer Zukunft: Schiedsrichter-Talent Tobias Stieler aus Obertshausen will sich im Fußball-Oberhaus etablieren.

Region Rhein-Main – Noch gilt er als Neuling in der Bundesliga. Aber längst nicht mehr als Anfänger: Schiedsrichter Tobias Stieler aus Obertshausen hat jetzt seine sechste Bundesliga-Partie gepfiffen. Von Dirk Beutel

Seine Ausbildung machte der 31-Jährige bei der SG Rosenhöhe in Offenbach. „Aber er war auch ein talentierter Torwart“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Patrick Ihlefeld, mit dem der Obertshausener gemeinsam in der ersten Mannschaft spielte. Damals in der Bezirksliga Offenbach, die heutige Kreisoberliga Offenbach. Die endgültige Entscheidung weiter zwischen den Pfosten zu stehen oder doch lieber als Unparteiischer den Rasen zu betreten traf er mit 18 Jahren. Ihlefeld: „Er hat ziemlich früh auf die Schiedsrichter-Karte gesetzt und sich dann stückweise hochgearbeitet.“

Bis in die Bundesliga. Dort pfeift der Hamburger Rechtsanwalt in Teilzeit das Samstagsspiel zwischen Greuther Fürth und Werder Bremen. Es ist mittlerweile seine sechste Partie im Fußball-Oberhaus. Parallel leitet Stieler weiterhin Spiele in der zweiten und dritten Bundesliga sowie in der Regionalliga.

Als 14-Jähriger legte er die Schiedsrichterprüfung ab und pfiff zunächst Spiele der E-Jugend. „Und da musste ich mich wirklich durchbeißen“, sagt Stieler. Denn schlimmer als 40.000 wütende Fans in einem Bundesliga-Stadion sei immer noch der aufgebrachte Familienvater am Spielfeldrand: „Das hört man und weiß, woher es kommt. In einem großen Stadion gibt es nur eine anonyme Masse“, sagt Stieler. Kritik von außen blende er ohnehin aus. Viel wichtiger sind dagegen interne Analysen und der Anspruch, sich selbst immer wieder zu hinterfragen. „Schließlich will man keinen Fehler zweimal machen“. Und in seiner bisherigen Entwicklung als Schiedsrichter scheint Stieler nicht viele davon gemacht zu haben. Unschön werde es nur, wenn eine Fehlentscheidung in einer Sportsendung auseinander genommen werde. Das erklärt aber, dass sich Lob für einen Schiedsrichter anders definiert: „Von einem guten Schiedsrichter spricht man, wenn er nicht auffällt“, sagt Stieler.

Das will er weiterhin tun und mit konstant guter Leistung erstmal die Klasse halten. Aber der Blick auf das internationale Geschäft ist erlaubt. „Früher war das allenfalls ein Traum. Jetzt ist es auf jeden Fall ein Ziel.

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