Turner-Talent Kevin Wittig

Mit Spannung und Eleganz zum Plan A

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Sein letzter großer Auftritt bei den Junioren: Bei den Deutschen Meisterschaften in Mannheim vor zwei Wochen stand Kevin Wittig vier Mal auf dem Siegertreppchen.

Region Rhein-Main – Er gilt als der künftige Nachfolger von Fabian Hambüchen und er will mindestens genauso erfolgreich werden: Kevin Wittig. Weil er Ende August volljährig wird, muss er nun die Weichen für seine Profikarriere stellen. Von Dirk Beutel

Mannheim, vor zwei Wochen: Die Deutsche Meisterschaft im Geräteturnen bei den Junioren. Für Kevin Wittig ein besonderer Wettkampf. Nicht nur, dass dies sein letzter Auftritt bei Junioren-Wettkämpfen gewesen ist, das Turn-Talent hat dort noch einmal sportlich einen Schritt nach vorne gemacht: Im Mehrkampf wurde er Dritter, am Reck und am Boden fehlten ihm in beiden Disziplinen hauchdünne 0,05 Punkte für den jeweils ersten Platz. Und dass mit einem glatt durchgebrochenen kleinen Zeh am linken Fuß.

Sport ist das wichtigste

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Aber der noch 17-Jährige hadert nicht, sondern schaut nach vorne. Ende August wird Wittig fortan als Erwachsener turnen. Erfreulich, muss aber gut geplant werden. Denn Wittig will in jedem Fall seine Profi-Karriere vorantreiben. Wegen seines steilen sportlichen Aufstiegs mussten seine Schulnoten ohnehin leiden. Jeden Tag drei Stunden Training und an den Wochenende geht es zu Wettkämpfen. „Als Leistungssportler hat man zwangsläufig zwei Jobs. Die Profi-Laufbahn und die schulische Karriere“, sagt Wittig: „Auf lange Sicht funktioniert nicht beides.“ Für Wittig, der laut Experten sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft hat, ist deshalb vorerst der Sport das wichtigste.

Und um weiter erfolgreich zu sein und sich bei den Herren gleich zu etablieren, hat sich Wittig ein klares Ziel gesetzt: Die erfolgreiche Qualifikation für den B-Kader der deutschen Nationalmannschaft im Oktober. Zwar turnt Wittig schon für die LG Eintracht Frankfurt in der dritten Bundesliga bei den Herren, doch auf internationalem Niveau betritt er Neuland. Für ihn bedeutet der Wettbewerb deshalb doppelt viel. Ist er erfolgreich, kann er einen der begehrten Plätze der Sportfördergruppe in der Bundeswehr ergattern. „Dort könnte ich mich voll auf den Sport konzentrieren“, sagt Wittig, der zurzeit die elfte Klasse besucht, danach aber die Schule verlassen wird. Für Vater Horst geht das in Ordnung:„Schulische Leistungen kann man nachholen, das geht im Sport nicht.“

Freiwilliges soziales Jahr beim Turnerverband

Falls es aber nichts wird, mit einem Platz bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr, hat er noch einen Plan B in der Schublade. „Ich schreibe gerade an Bewerbungen für ein freiwilliges soziales Jahr, um eine eventuelle Wartezeit zu überbrücken. Am liebsten beim Turnerverband.“

Übrigens: Sein Fernziel, die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro, hat Wittig so oder so weiter im Visier: „Dafür wären es nur drei Jahre Vorbereitung, trotzdem glaube ich, dass ich den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen kann. Es ist nicht viel Zeit, aber nicht unmöglich.“

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