Kickers bereiten sich in der Türkei vor

OFC im Trainingslager: Trainieren mit Fans im Rücken

+
Der OFC im Trainingslager.

Belek – Derzeit bereiten sich die Offenbacher Kickers im Trainingslager in der Türkei vor. Mit dabei sind einige eingefleischte OFC-Fans – und die würden ihre Kickers nie im Stich gelassen. Von Christian Düncher

Seinen Humor lässt sich Alexandros Theodosiadis so schnell nicht nehmen. Obwohl durch einen Mittelfußbruch sichtbar gehandicapt, sorgte der Außenverteidiger der Offenbacher Kickers am Abend vor seiner vorzeitigen Abreise aus dem Trainingslager in Belek an der türkischen Riviera für kollektives Lachen. „Hier sind ja mehr Fans als der FSV Frankfurt bei einem Heimspiel hat“, scherzte der gebürtige Grieche mit Blick auf die rund 50 Anhänger, die den OFC begleitet haben. So viele waren noch nie bei einem Trainingslager der Kickers dabei – und das, obwohl der Klub derzeit nur in der Vierten Liga spielt. Aber auf seine Fans kann sich der OFC bekanntlich immer verlassen. Da wäre zum Beispiel Wolfgang Böttge, der berufsbedingt täglich mit den Kickers zu tun hat, aber auch im Urlaub nicht auf sie verzichten mag. Der Platzwart weilt daher ebenfalls im Hotel „Voyage“ – auf eigene Kosten wohlgemerkt. Auch Stefan Weigand, Geschäftsführer des OFC-Fanshops, ist dabei. Im Gepäck hatte er unter anderem rot-weiße Fahnen, die einige Anhänger gleich nutzten, um das Balkon-Geländer ihrer Bungalows entsprechend zu schmücken. Diese Form der Revier-Markierung kann bei einer Anlage, die mit einer Größe von knapp 13 Fußballfeldern so weitläufig ist, dass Neuankömmlinge mit Elektrofahrzeugen zu ihren Unterkünften gebracht werden, bisweilen recht hilfreich sein.

Apropos Shuttle-Service: So kam Offenbachs bekanntester Taxi-Unternehmer, Addy Wehner, in den Genuss, mal selbst chauffiert zu werden. Der langjährige OFC-Fan macht mit seiner Frau ebenso im Mannschaftshotel der Kickers Urlaub wie Andreas Griesenbruch, der das alles auch schon mal aus einem anderen Blickwinkel erlebt hat. 1998 war er als dritter Torwart mit dem OFC im Trainingslager – auf Zypern. Diesmal ist er als „Sympathisant“ dabei. „Wenn man 700 Meter vom Bieberer Berg entfernt wohnt, führt kein Weg an den Kickers vorbei“, sagt Griesenbruch. Deutlich weiter ist die Anreise zu den Heimspielen für den 41-jährigen Michael. Der Schweizer ist seit 1990 OFC-Fan und über Stuttgart in die Türkei gereist.

Dazu gebracht, das erste Mal mit ins Trainingslager zu kommen, hat ihn einer der bekanntesten OFC-Anhänger: Peter Wolff alias „Streu“, der ebenfalls dabei ist. Bereut haben Michael und die anderen OFC-Fans ihre Entscheidung bislang nicht, was neben den im Vergleich zur Heimat wesentlich angenehmeren Temperaturen auch an der noblen Unterkunft liegt. Viereinhalb Sterne, nicht nur in Bezug auf die Verpflegung gilt: All Inclusive. „Man bekommt hier einfach alles. Das ist schon perfekt“, bringt es OFC-Abwehrspieler Dennis Schulte auf den Punkt. Um den Transport zum gestrigen Testspiel in Side gegen den Letzten der Regionalliga Nordost, FC Viktoria 1889 Berlin (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet), mussten sich die Fans dann allerdings doch selbst kümmern. Die Initiative „Wir für die Kickers“ übernahm die Organisation – auch um Geld für den OFC-Nachwuchs zu sammeln. Preis für die Fahrt: Zehn Euro pro Person. Der Gewinn fließt in einen Topf, aus dem ein Defibrillator für das Nachwuchsleistungszentrum finanziert werden soll. Keinesfalls geplant war eine andere Busfahrt: Weil es ein Abstimmungsproblem gab, stand nach einer Trainingseinheit nur ein Fahrzeug zur Verfügung, um Fans und Spieler zurück zum Hotel zu bringen. Nicht jeder erwischte einen Sitzplatz. Die Beteiligten nahmen es aber gelassen. Der OFC und seine Fans – das gehört schließlich zusammen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare