Nummer eins in Hessen bei den Damen

2. Tischtennis-Bundesliga kostet für TSV Langstadt  viel Geld

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Jugendnationalspielerinnen Janina Kämmerer an der Platte

Babenhausen - Regionaler Ansatz, familiäres Umfeld, kaum Budget – und doch die Nummer eins in ganz Hessen. Was heute in vielen Sportarten scheinbar kaum noch zusammen passt, fügt sich beim TSV Langstadt derzeit in ein erstaunliches Bild. Von Jens Dörr

Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga sind die Tischtennis-Frauen des Turn- und Sportvereins das Nonplusultra in Hessen. Zwischen Bensheim und Baunatal spielt kein weiteres Team auf diesem Niveau. Für die gesamte, 200 Mitglieder starke Abteilung des TSV birgt das Unterhaus große Chancen, bringt organisatorisch und finanziell aber auch einige neue Herausforderungen mit. Spricht man mit Rainer Kegelmann, der die Tischtennis-Abteilung der Langstädter unter anderem hinsichtlich der Suche und Betreuung von Sponsoren unterstützt, fällt immer mal wieder das Wort „Abenteuer“. Das gilt vor allem sportlich: Um in Liga zwei den Klassenerhalt zu schaffen, wird sich das Team um Cornelia Neumann-Reckziegel (46), Anna Bundesmann (17), Janina Kämmerer (17) und Anna Jansen (16) mächtig strecken müssen. Zum Einsatz kam auch Ersatzfrau Kerstin Segeth. Jansen, geplagt von einer Knöchelverletzung, wird in der im Spätsommer startenden Spielzeit 2015/16 erst einmal in die zweite Mannschaft – immerhin auch in der viertklassigen Oberliga am Tisch –rücken. Den freien Platz nimmt Neuzugang Sonja Busemann (34) ein. Dass sie künftig von ihrem Wohnort Seligenstadt zum TSV kommt (zuletzt spielte sie in Liga drei beim TTF Frankenthal), sei kein Zufall, betont Kegelmann: Wo andere Zweitligisten im Frauen-Tischtennis gern auch auf Osteuropäerinnen setzten und dafür einige Scheine in die Hand nähmen, kämen alle TSV-Spielerinnen aus der Region. Kämmerer ist sogar eine waschechte Langstädterin. Wie ihre Teamkolleginnen schmettert sie für lau. Einzig Benzin – und Lehrgangskosten - wie Bundesmann ist Kämmerer Jugendnationalspielerin, absolviert Trainingseinheiten unter anderem in Düsseldorf – übernimmt der Verein.

Zusammengehörigkeitsgefühl wird groß geschrieben

Dennoch bleiben die Toptalente an Bord: „Bei uns wird Zusammengehörigkeitsgefühl noch groß geschrieben“, sagt Kegelmann. Auch sähen die Spielerinnen, „dass sich im Verein noch was entwickelt“. Die Atmosphäre bei den Heimspielen in der Markwaldhalle erlebte gerade im vergangenen halben Jahr einen kräftigen Schub: Bis zu 200 Zuschauer kamen zu den Partien. „Wir sorgen für die Bewirtung, Musik, stellen die Mannschaften vor, haben mit Katrin Erbes eine top Hallensprecherin“, nennt Kegelmann weitere Gründe, warum der Zuspruch – bei stets freiem Eintritt – jüngst stark gewachsen sei. Womöglich gibt es in der neuen Runde auch Bundesliga-Tischtennis gratis im Babenhäuser Stadtteil –doch nicht nur, um diesen bemerkenswerten Umstand aufrecht zu erhalten, müssen Kegelmann und Co. in den kommenden Wochen noch ordentlich zupacken.

Auch das Auto volltanken hilft

Um alle Kosten für den Spielbetrieb in Liga zwei zu bezahlen, müsste der TSV seinen kompletten Abteilungsetat in Höhe von 15.000 Euro nur für die erste Frauenmannschaft einsetzen – nicht denkbar, da der Unterbau und letztlich der gesamte Verein vom sportlichen Erfolg schließlich profitieren und nicht darunter leiden sollen. Mit der Sparkasse Dieburg und Merck haben die Langstädter bereits zwei starke Partner akquiriert. „Uns hilft aber auch jeder weiter, der nur mal zehn Euro geben oder das Auto unserer Spielerinnen vor einer Auswärtsfahrt volltanken will“, so Kegelmann. Auf die Frage, weshalb es zum einen das Ziel des TSV sei, sein erstes Frauenteam in der Bundesliga zu halten – was bei zwei Absteigern unter sieben Mannschaften nicht leicht werden dürfte – und zum anderen auf hochklassige „Importe“ zu verzichten, antwortet Kegelmann mit dem wohl größten Pfund im jetzigen Quartett: Den noch jungen Jahren insbesondere von Kämmerer und Bundesmann: „Sie trainieren jeden Tag, sind in ihrer Entwicklung noch nicht am Ende.“ Wie sie sich im Unterhaus schlagen werden, können die Anhänger künftig indes auch erfahren, wenn sie nicht live vor Ort sind: In der 2. Bundesliga sind die Vereine verpflichtet, einen Ticker zum Spiel im Internet anzubieten.

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