Frankfurter Fan-Liebe

Eintracht-Fans: So war es in Bordeaux

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Die 12.000 mitgereisten Eintracht-Fans feierten und unterstützten ihre Mannschaft in Bordeaux lautstark und in orange.

Frankfurt/Bordeaux – Eine „Reise nach Jerusalem“ ist bei Kindergeburtstagen Höhepunkt für die Kleinen. Für den junggebliebenen Erwachsenen, der mit der Eintracht sympathisiert, war an einem trüben Donnerstag die „Reise nach Bordeaux“ eine mehr als denkbare Alternative. Von Uwe Lange 

Hatten die gutbezahlten Frankfurter Balltreter doch in einer wundervollen Saison mit dem Erreichen des Europapokals einen regelrechten Run auf die Tickets in die französische Hafenstadt an der Atlantikküste ausgelöst.

Schon als bei der Auslosung die Gegner mit Tel Aviv, Nikosia und eben Bordeaux ermittelt wurden, stand schnell für viele aus der großen Eintracht-Familie fest: “Da müssemer hin, des iss de körzeste Weesch!“

So auch für den Fanclub „No Ma´am“ aus Mühlheim, der mit einem gecharterten 9-sitzigen Kleinbus den fast 1.200 Kilometer langen Trip ins Auge fasste. Kurz nach Mitternacht geht es am Donnerstagmorgen gutgelaunt und voller Vorfreude auf die Autobahn gen Frankreich. Die Bus-Insassen sind alle in Orange gekleidet, die Shirts, Mützen und Westen leuchten selbst in dunkler Nacht auffallend und hell. Zu dieser Farbenwahl hatten die Frankfurter Ultras in ihrer Mottowahl „Kaos Orange“ aufgerufen, alle Bordeaux-Reisenden um Kleidungsstücke in den eher Eintracht untypischen Farben gebeten. Und auch die, die im Normalfall nicht mit der Ultra-Szene vertraut sind, hielten sich gerne an die bewusst gewollte Uniformität.

Kurz vor der französischen Grenze bei Saarbrücken erfolgt der erste Stopp:Die Bundespolizei hat eine Straßensperre errichten lassen, winkt jedes Fahrzeug von der Straße, um Personen-und Fahrzeugkontrollen durchzuführen.„Die französischen Kollegen haben uns um Unterstützung gebeten“, erklärt der Beamte sehr freundlich die kommenden Maßnahmen, „raucht nur eine in Ruhe, das dauert ein paar Minuten“. Die Szene wirkt aber eher ungemütlich, fast gespenstisch, die orange-gekleideteten Fans stehen im Kontrast zum grellen Licht des hellerleuchtenden Rastplatzes, den die Polizei für ihre Durchsuchungen nutzt.

Ausreichende Äppler-Vorräte

Um zwei Uhr früh fahnden die eifrigen Beamten mit ihren Spürhunden nach mitgeführter Pyrotechnik im Gepäck, finden aber zunächst eher ausreichende Äppler-Vorräte, die dem Trip die heimatliche Note verleihen sollen.Dass diese Untersuchung jedoch für die berühmte Katz war, sollte sich knapp 20 Stunden später zeigen, als die Unverbesserlichen unter den Fans ihre zwar farbeprächtige, aber eben nicht erlaubte Silvester-Show abzogen.

Nach fast zwölfstündiger Autofahrt und diversen Mautstellen erreicht der Eintracht-Tross die Vororte von Bordeaux, wo nun die schon avisierten Kollegen der französischen Polizei auf die Busse warten. In kleinen Kolonnen werden diese zu stadionnahen Parkplätzen geführt, um die öffentliche Ordnung nicht zu beeinträchtigen.

„Parlez-vous Frankfodderisch?“ werden dem Beamten sofort die Sprachkenntnisse des multi-kulturellen Frankfurts bewusst gemacht. Der begnügt sich jedoch gestenhafter Erklärungen und lässt die Gäste aus der Mainmetropole an einem Friedhof zur Ruhe kommen.

Nordkurve in Eintracht-Hand

Von dort geht es in die naheliegende Altstadt, die mit ihrer wunderschönen gotischen Kathedrale den deutschen Gästen von der Ferne ins Auge fällt. Von Stunde zu Stunde sind die umliegenden Cafés mehr in Frankfurter Hand, die Franzosen reagieren gelassen bis distanziert auf das stimmungsvolle Völkchen. Zwei Stunden vor dem Spiel geht es mit einem gemeinsamen Fußmarsch vom „Platz des Sieges“ zum Stadion, den die defensiv agierende Polizei zur Freude der Fans stillschweigend toleriert.

Die Nordkurve ist schnell in Eintracht-Hand, die schon beim Einlaufen stimmgewaltig ihre Mannschaft grüßen. Über 12.000 Frankfurter schätzen die Experten und ermöglichen der Eintracht einen Eintrag ins Buch der europäischen Rekorde. „Salut, ca va? Die Frankfurter sind da!“ schallt es durch das Rund der Arena, in der die Eintracht die Oberhand hat. Auch auf dem Platz gelingt dies den Mannen von Trainer Armin Veh durch ein spätes Tor von Martin Lanig. Die Kurve in Orange schnappt über vor Glück, das Kaos bleibt aus, man kann sich auch unfallfrei freuen.

Direkt nach dem Spiel geht es zurück in die Busse, weitere zwölf Stunden warten auf die nun müden und schlafbedürftigen Fans der Eintracht.Ein 36-Stunden-Trip für 90 Minuten Gekicke und nur ein Tor geht zu Ende, allen egal: „Europa-Cup, Europa-Cup….in diesem Jahr!“.

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